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Kultur: Restauratorin stickt mit Goldfäden

Kultur : Restauratorin stickt mit Goldfäden

Zur Ausstellung im Textilmuseum präsentiert Ulrike Müllners ihr Handwerk.

Krefeld. Das Arbeitsmaterial von Ulrike Müllners ist kostbar und fragil: Die Goldfäden, die sie für ihre Reproduktion verwendet, bestehen aus einem Seidenfaden, um den der eigentliche Goldfaden gewickelt wurde.

„Ich darf den Faden nicht berühren“, erklärt Müllners. Deswegen wurde der Goldfaden auf zwei Holzspulen gerollt. Der empfindliche Faden wird so auf einen Untergrundstoff platziert und mit Seidenfäden festgenäht. Dabei glänzt das Gold durch die farbigen Fäden hindurch.

Mit verschiedenen Abständen zwischen den Gold- und Farbenfäden „malt“ Müllners das Abbild der Heiligen Agatha. Die Verwendung von Seide und Gold sei im Mittelalter (bis 1500) und der Frühen Neuzeit (bis 1789) purer Luxus gewesen. Gleich neben ihrem Arbeitsplatz in der ersten Etage des Textilmuseums wird mit dem „Traum der Heiligen Drei Könige“ ein solches Meisterwerk aus dem Bestand des Textilmuseums präsentiert.

In den kommenden Wochen arbeitet sie in der aktuellen Ausstellung „Seide — Textile Pracht aus 2000 Jahren“ im Deutschen Textilmuseum jeweils an einem Sonntag im Monat an der Reproduktion einer sogenannten Nadelmalerei der Heiligen Agatha aus dem 16. Jahrhundert. „Die Kenntnisse über die Technik sterben langsam aus.

Den Beruf der Goldstickerei gibt es seit 2011 nicht mehr“, so Müllners. Sie selbst wurde durch eine Berufsberatung auf die dreijährige Ausbildung aufmerksam. Ihre Lehre absolvierte sie dann in Bad Honnef. Später bildete sie sich zur Restauratorin weiter aus und arbeitete rund acht Jahre auch am Deutschen Textilmuseum in Krefeld.

Heute lebt sie in den Niederlanden, wo sie unter anderem Studenten in der Goldstickerei unterrichtet. Die Nadelmalerei von der Heiligen Agatha hat Müllners für eine Ausstellung über spätmittelalterliche Stickereien im niederländischen Utrecht begonnen. Dort hat Isa Fleischmann-Heck, stellvertretende Leiterin des Deutschen Textilmuseums, sie wiedergetroffen und für die Ausstellung in Krefeld gewinnen können.

In Krefeld hat sie schon an einem Sonntag an dem Bild weitergearbeitet. „Die Besucher sind sehr interessiert gewesen und haben viele Fragen gestellt“, sagt die Goldstickerin.

Weitere ganztägige Vorführungen von Ulrike Müllners finden an den Sonntagen 17. April, 22. Mai (Internationaler Museumstag), 19. Juni, 17. Juli und 21. August jeweils von 10 bis 18 Uhr statt.

Im Deutschen Textilmuseum am Andreasmarkt gilt ab Freitag, 1. April, die Sommeröffnungszeit dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr. Zudem veranstaltet Ulrike Müllners am 16. April, 18. Juni und 20. August Tageskurse, in denen die Teilnehmer die Gelegenheit haben, einen Einblick in den Variationsreichtum der Gold- und Seidenstickerei zu gewinnen. Verschiedene Goldmaterialien und Sticktechniken werden vorgestellt.

Am Ende des Tages werden die Teilnehmer eine selbstgefertigte Stickerei in Händen halten. Die Kurse dauern jeweils von 10 bis 12.30 Uhr und nach einer Pause von 13.30 bis 16 Uhr. Die Teilnahme kostet 60 Euro inklusive Material und Eintritt.

Die Teilnehmer sollen zwei passende Fingerhüte und, sofern vorhanden, das eigene Nähetui mitbringen. Der Kurs ist für Anfänger nicht geeignet. Eine Anmeldung ist unter Telefon 94 69 450 oder per E-Mail an textilmuseum@krefeld.de erforderlich. Red.