Radelnd auf Mies' Spuren

Eine attraktive Rundtour führt an den Krefelder Gebäuden des berühmten Architekten vorbei.

Krefeld. Zurück zur Natur — aber bitte nicht zu Fuß. Dieser alte Gag funktioniert beim Mies-Modell auf dem Egelsberg nur bedingt. Denn als Besucher hat man ohnehin keine andere Wahl, als sich dem Bau nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohe unmotorisiert zu nähern.

Schon auf der Homepage wird man in Großbuchstaben und Fettdruck darauf aufmerksam gemacht: „Es ist nicht erlaubt, in der Umgebung des 1:1-Modells im Landschaftsschutzgebiet zu parken, weder auf den Feldwegen noch auf den Randstreifen.“ Andernfalls drohen Strafen von bis zu 100 Euro.

Der resolute Hinweis hat seine Gründe: Bereits bei der Planung zum Bau des Modells musste sich der federführende Verein Projekt MIK dazu verpflichten, die Natur in der Umgebung und die Nerven der Anwohner so gut wie möglich zu schonen. Also wurden rund um das Mies-Modell vier offizielle Parkplätze eingerichtet, die Autofahrer ansteuern sollen. Der Fußweg hoch zum Egelsberg ist etwa 800 Meter lang und beschildert.

Es gibt allerdings noch einen anderen Weg, das Kulturerlebnis von vornherein mit körperlicher Aktivität zu verbinden. Die Stadt Krefeld hat einen Flyer herausgegeben, in dem eine Fahrradtour zum Thema „Mies in Krefeld“ aufgezeichnet ist.

In einem Rundweg können Besucher alle drei Bauten Mies van der Rohes ansteuern. Ob man in Hüls, Bockum oder Traar mit der Tour beginnt, ist letztlich egal. Am Weg liegen nicht nur die drei architektonisch interessanten Gebäude, sondern auch viele gastronomische Angebote — vom Kirschkamper Hof über die Hülser Bergschänke bis zum Stadtwaldhaus.

Stationen des Radwegs sind das ehemalige Verwaltungsgebäude der Verseidag, die Häuser Esters und Lange und natürlich das Mies-Modell auf dem Egelsberg. Anders als beim Auto kann man mit dem Rad direkt bis an das Modell heranfahren. Die Besichtigung kostet zwölf Euro.

Das Verseidag-Gebäude an der Girmesgath lässt sich nur von außen bewundern. Das Gelände ist privat, dort entsteht, wie berichtet, der Mies-van-Rohe-Businesspark. Doch schon von außen ist der einzige Industriebau des berühmten Architekten faszinierend. Der schlichte kubische Bau mit weißer Putzfassade und regelmäßiger Fenstergliederung weist eine Klarheit auf, die für Mies typisch ist.

Über den Breiten Dyk gelangt man von dort recht schnell zum Villenensemble Haus Esters und Haus Lange. Dort sind die aktuellen Ausstellungen zwar gerade zu Ende gegangen, doch umso mehr lassen sich die Häuser als rein architektonische Schätze erleben.

Während der Vorbereitung der kommenden Ausstellungen, die Ende September beginnen, sind sie geschlossen und nur von außen zu sehen. Doch am Wochenende (6. bis 8. September) sind sie in voller Pracht bei den Krefelder Architekturtagen zu bewundern (siehe Kasten). Deren Titel würde auch gut zur Radtour passen: Mehr Mies!

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