Puppentheatertage: Eine Frau und ihr Troll

Puppentheatertage : Eine Frau, ihr Troll und ein Rätsel

Das Bilderbuch von Tor Age Bringsvaerd hat Anja Kosanke selbst zum Theaterstück umgeschrieben.

Die bilderbuchartig anschauliche Kulisse versetzt das Publikum in eine nordische Landschaft. Ein Wasserfall fließt aus dem gemalten Hintergrund in Form einer Stoffbahn bis in den Vordergrund. Auf den zwei Tischen, die die Bühne bilden, setzt sich die typische Landschaft Norwegens fort. Stille herrscht im wenig beleuchteten Atrium der Studiobühne 1 in der Fabrik Heeder, wo alle auf den kleinen Troll warten. Leider ist aber rund ein Drittel der Sitzplätze bei dieser Aufführung des Theaters Niridu leer geblieben.

Das Theater Niridu aus Süsel ist eigentlich ein Eine-Frau-Theater von Anja Kosanke, unterstützt in der Technik und den diversen Vorbereitungsarbeiten für das Stück von Lilletroll — inklusive Puppenherstellung — durch ihren Ehemann Helge Draack. Pünktlich setzt eine leise Musik ein und die Schauspielerin betritt die Bühne. Sie trägt ein schlichtes dunkelgrünes Kleid, mit dem sie vor der Waldlandschaft ihrer Kulisse wenig auffällt.

„Hallo. Schön, dass Ihr da seid“, begrüßt sie das Publikum und fügt hinzu: „Habt Ihr die Trolle gesehen?“ Die Antwort der Kinder kommt überraschend spärlich und leise. Die Zuschauer im Kindergartenalter scheinen sehr beeindruckt und ergriffen von der Atmosphäre. Das soll sich während der 45-minütigen Vorstellung auch nicht ändern.

Kosanke zieht die Kinder mit ihrem Eine-Frau-Stück vollkommen in den Bann. Mit ihrer nuancenreichen Sprechweise gibt sie den Handpuppen wunderbar anschaulich verschiedene Charaktere. Da kann man manchmal kaum glauben, dass es sich nur um eine Sprecherin handelt.

Sie lässt ihre Figuren permanent so klar und kindgerecht sprechen, dass sie ihr junges Publikum durchgehend fesselt und sich eine kaum zu glaubende Konzentration und Stille durch die Aufführung zieht.

Das Bilderbuch von Tor Age Bringsvaerd hat sie selbst zum Theaterstück umgeschrieben. Dabei ist ihr der enthaltene pädagogische Hintergedanke wichtig. Der kleine Troll Lilletroll fängt eines Tages an, die Erwachsenen zu fragen, warum Trolle immer mit dem Sonnenaufgang nach Hause und ins Bett gehen müssen. Die Sonne würde die Trolle in Steine verwandeln, erzählen die einen dem Nachwuchs. Andere behaupten, Trolle würden in der Sonne wie Schneemänner im Frühling schmelzen.

Auf der Suche nach einer ihn befriedigenden Antwort begibt sich Lilletroll, der kleine Hauptdarsteller mit seinem Freund, einem Elch auf die Wanderung zu einem uralten Troll. Von ihm erhofft er sich eine Antwort, die sich von der üblichen „das ist immer schon so gewesen“ unterscheidet. Der alte weise Troll ermutigt ihn: „Du musst Dich nur trauen. Wer nichts Böses im Sinn hat, muss nichts befürchten.“

Und das Schicksal fordert Lilletroll sogleich heraus. Der Sturm während eines Gewitters lässt einen Baum umstürzen, der den Elch unter sich begräbt. Für den kleinen Troll ist klar, dass er nicht bis zum Abend warten kann, um den Vierbeiner zu retten.

Beherzt gegen alle Troll-Konventionen rettet er seinen Freund und stellt nach erfolgreicher Aktion auch fest: „Wir Trolle brauchen die Sonne nicht zu fürchten.“

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