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Jazzkeller: Punk-Jazz mal leise

Jazzkeller : Punk-Jazz mal leise

Das Trio RKeT trat ein letztes Mal im Jazzkeller auf, bevor der Schlagzeuger nach New York geht.

Krefeld. Die Band heißt in dieser Schreibweise RKeT und ist ein Trio um den Münsteraner Saxophonisten Jan Klare. Abgesehen vom geheimnisvollen Kürzel des Bandnamens umweht die Musik der drei Originale, die da auf der Bühne stehen, aber kein weiteres Mysterium. Alles liegt offen im Punk-Jazz von RKeT. Strukturen, Temperamente, Spielweisen, Kommunikationsstrategien sind nachvollziehbar und sollen es wohl auch sein. Das Trio gastierte jetzt auf Einladung des Jazzklubs Krefeld im Jazzkeller.

Bei Punk-Jazz erwartet man eine hohe Lautstärke, aber die drei Herren können auch leise, und sei es um der simplen Dramaturgie willen, ein Stück ganz leise zu beginnen und dann vor allem die Lautstärke zu steigern. Mittendrin im Programm gab es sogar einen Jazzstandard, der ironisch-brav abgewickelt wurde.

Michael Vatcher sitzt am Schlagzeug, war jahrzehntelang ein Amerikaner in Holland und ist bald wieder ein Amerikaner in New York, weswegen die Geschichte von RKeT in dieser Besetzung endet. Und der Weggang Vatchers ist sicher schwer zu kompensieren. Denn der Trommler ist die zentrale Instanz von RKeT, der rhythmische Anker, der die anderen nicht davontreiben lässt. Vatcher schafft es, schwer rockende Grooves zu spielen, ohne tatsächlich den simplen Rockbeat zu bedienen. Seinen Variantenreichtum kann man als das Jazzige an seinem Spiel bezeichnen, den rohen Punkanteil bedient er mit Lautstärke und ansonsten wenig technischer Finesse.

Luc Ex beharkt die Saiten seiner akustischen Bassgitarre mit einem Plektrum und vollbringt keine Geläufigkeitswunder. So steht bei ihm auch das Rhythmische im Vordergrund. Er bedient oft in ostinaten Figuren die gleichen Grundmuster wie Vatcher. Die tiefste Saite seines Basses hat er im Übrigen tiefer gestimmt als üblich, weswegen sein Spiel in den tiefen Lagen manchmal gar nicht tonal zu verorten ist. Mit anderen Worten: Phasenweise rumort er brummend vor sich hin. Das ungelenke Basssaxophon bedient Bandchef Klare gelenkiger als man erwarten darf, die Möglichkeiten des beweglicheren Altsaxophons hingegen reizt Klare nicht aus. Überschaubare Riffs wechseln bei ihm mit überschaubaren Arpeggien, und manchmal gibt es sogar getragene Melodien. Wenn’s lauter wird, dann werden Klare und die Band im Übrigen nicht freier, sondern sie produzieren einfach mehr Lärm.

Überraschenderweise war das kein langweiliges Konzert, und das lag vor allem an der Direktheit, mit der die drei Spieler ihrer Energie freien Lauf ließen. Archaisch bis roh-clownesk mutete das Spiel einerseits an, andererseits sorgte ironischer Zugriff aufs Material oft genug dafür, dass nicht alles nur sackschwer und gewollt wirkte.