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Premiere am Stadttheater: „Die lustigen Weiber von Windsor“

Premiere am Stadttheater: „Die lustigen Weiber von Windsor“

Regisseur Andreas Baesler hat „Die lustigen Weiber von Windsor“ nach Mallorca verlegt. Vor allem die Damen im Ensemble überzeugen.

Krefeld. Im Drei-Sterne-Hotel, das natürlich den Namen „Windsor“ trägt, herrscht noch die Ruhe des frühen Morgens. Lediglich ein einzelner Gast geht schon einmal schlaftrunken im Morgenmantel zum Pool, um Handtücher auf den Liegestühlen zu verteilen. In der Lobby liegt Sir John Falstaff (Matthias Wippich) noch auf einem Sofa inmitten eines Flaschenmeeres — wie von gestern übriggeblieben.

Das Gleiche könnte man auch über die komisch-fantastische Oper von Otto Nicolai sagen. „Die lustigen Weiber von Windsor“ haben eine lange Vorlaufgeschichte. S. H. Ritter von Mosenthal verfasste den Text nach William Shakespeare, die Biedermeier-Oper erlebte am 1849 ihre Uraufführung in Berlin.

Andreas Baesler hat für seine Inszenierung, die am Sonntag Premiere am Stadttheater feierte, die Handlung ins Mallorca der 1980er Jahre verlegt. Die deutlich verjüngte Dialogfassung stammt von ihm und Dramaturgin Ulrike Aistleitner.

Die lustigen Weiber sind nun Zimmernachbarinnen im Hotel Windsor: Frau Fluth (Debra Hays) und Frau Reich (Susanne Seefing) merken schnell, dass sie beide den gleichen Liebesbrief von Sir Falstaff in Händen halten. Natürlich sinnt frau gleich auf Rache, um dem Herrn und in die Jahre gekommenen Casanova eine Lektion zu erteilen.

Hays und Seefing agieren spritzig, sie gehen voll in ihren Rollen auf. Gesanglich ist ihr Auftritt nicht minder ein Vergnügen, denn die stimmliche Qualität leidet keine Sekunde unter dem sehr bewegten Schauspiel. Vor allem Hays scheint ganz in ihrem Element zu sein.

Gegen so viel Frauen-Power kann der ältliche Casanova nur blass erscheinen. Man nimmt Wippich seine Rolle stellenweise nicht ab, auch der Gesang bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Eine tolle Besetzung für die aufmüpfige Tochter Anna Reich ist Sophie Witte. Schon altersmäßig ist sie noch nahe an dieser Rolle, die sie voll und ganz verkörpert — die Stimme erscheint hingegen schon fast zu reif.

Ob es so vorgesehen war, den lustigen Weibern unangefochten die dominanten Positionen zu geben? Denn alle Herren können den Damen nur den Vortritt lassen. Rafael Bruck als Herr Fluth und Andrew Nolen als Herr Reich, aber auch Annas Verehrer Fenton (Michael Siemon), Junker Spärlich (Mark Rosenthal) und Dr. Cajus (Gereon Grundmann) machen ihren Job zwar gut, dürfen sich aber schon laut Libretto nicht so stark ins Zeug legen.

Alle Register haben hingegen die Teams von Bühnenbild und Kostüm gezogen. Harald B. Thor liefert ein fast schon naturgetreues Abbild eines Hotels inklusive mit echtem Wasser gefülltem Swimmingpool. Tanja Hofmann lässt fast keine Kleidersünde des „Homo touristicus“ aus.

Auch der Chor des Theaters und die Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung von Alexander Steinitz tragen ihren Teil zum heiteren Spiel bei. Auf eine Länge von drei Stunden wirkt das fröhliche Urlaubstreiben allerdings etwas ermüdend. Der Premierenapplaus schien das widerzuspiegeln.