Politische Botschaften und pure Energie in der Kulturrampe

Politische Botschaften und pure Energie in der Kulturrampe

Dr. Krápula aus Kolumbien bringen mit „Aarrribaaa“ Krefeld zum Toben.

Krefeld. Es ist heiß in der Kulturrampe. So heiß, dass der Schweiß schon beim bloßen Mitwippen aus den Poren rinnt. Vor der Bühne wird gesprungen, der Pogo geht ab. Genau das richtige Klima für die Bikini-Schaufensterpuppe der Kulturrampe, die über den Köpfen der tanzenden Meute steht.

Trotzdem ist die Laune entspannt. Denn bei Dr. Krápula aus Kolumbien geben sich Reggae, Punk und Ska die Klinke in die Hand. Was sich bei Bands wie den Sex Pistols als zerstörerische Wut kristallisierte, ist bei der Band aus Kolumbien pure positive Energie. Eine südamerikanische Party mit dringlicher Message: „We need all your energy“, ruft Sänger Mario Muñoz dem Publikum zu — um dann mit einem kräftigen „Aarrribaaa!“ die nächste Runde einzuläuten. Ein Energieaustausch, der so wohl nur in kleinen Clubs wie der Kulturrampe stattfinden kann.

Die besten Momente hat die Band, wenn Gitarrist German Martinez zu einem seiner wilden Soli ansetzt. Dabei geht er mit warmem samtigem Overdrive in Richtung Carlos Santana. Schlagzeug, Bass und Keyboard ziehen die entstehende Spannung noch weiter an, um im nächsten Moment das Publikum in einen der treibenden Refrains zu werfen. Dann wird im Up-Beat gesprungen oder zu ordinärem Achtel-Punk der Kopf in den Nacken geschmissen. Sogar ein wilder Ritt auf den Händen der tobenden Menge ist drin.

In diesen Momenten schaut Bassist David Jaramillo kopfnickend und grinsend in die Menge. Ein Teil der Mission ist erfüllt. Der gewichtigere Teil geht über die Musik hinaus. Das erklärt der Bassist nach dem Konzert. Nach einer Verschnaufpause, einem T-Shirt-Wechsel und beim kühlen Bier. „Wir waren von Anfang an auf einer Mission. Wir wollen Respekt gegenüber den verschiedenen Kulturen, der Natur und den Tieren vermitteln“, sagt er. Dr. Krápula wollen die Welt verändern.

Dabei spielen sie gegen korrupte Machthaber in Kolumbien und für die Ureinwohner Lateinamerikas. Samples, die sie im Amazonasgebiet aufgenommen haben, waren auch beim gefeierten Konzert in der Kulturrampe zu hören. Die Fans nehmen etwas vom visionären Geist der Band mit durch die milde Krefelder Sommernacht.

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