Pianist Evan Wong: Hölzern und nüchtern

Pianist Evan Wong: Hölzern und nüchtern

Der Amerikaner Evan Wong enttäuscht beim Kawai-Konzert in Haus Sollbrüggen.

Krefeld. Nach der kleinen Sommerpause setzte Evan Wong, Amerikaner mit taiwanesischen Wurzeln, die Reihe der Kawai-Konzerte in Haus Sollbrüggen fort. Noch nicht alle Liebhaber der Klaviermusik und Stammgäste der Konzertreihe waren aus dem Urlaub zurück. Denn der Helmut Mönkemeyer Saal der Musikschule war nur gut zur Hälfte gefüllt.

Wong begann mit Alexander Scriabins Klaviersonate Nr.3 in fis-Moll op. 23. Dem ersten Satz gab der Komponist die Bezeichnung Drammatico, doch er verfehlte das Thema oft. Der dramatische rote Faden wurde sehr von leisen lyrischen Passagen unterbrochen. Diese lyrischen Elemente klangen bei Wong recht hölzern. Beim nachfolgenden Allegretto konnte er seinen kraftvollen Anschlag präsentieren, und er arbeitete den Rhythmus stark heraus. Seine Interpretation des dritten Satzes setzte fort, was beim ersten Satz sich schon erahnen ließ: Nüchtern, ohne Spannung abgespult kam seine Version des Andantes herüber. Er spielte die Noten in „demokratischer“ Weise, behandelte sie alle gleich. Da ließen sich wesentlich mehr Akzente setzen. Ein Presto con fuoco-Maestoso lag ihm eher.

So hatte er denn auch als zweites Stück Beethovens Klaviersonate in c-Moll op. 111 ausgewählt, die mit einem Maestoso-Allegro con brio ed appassionato begann. Seine Interpretation des Allegros erinnerte mehr an trockene Fingerübungen einer Klavierschule, da sprach den Zuhörer kaum etwas an. Bei dem Aspekt „appassionato“ darf man nicht viel erwarten. Für Leidenschaft müsste er auch Gefühl in sein Spiel bringen. Der zweite Satz Arietta: Adagio molto semplice e cantabile ging in seiner Interpretation ebenfalls am Thema vorbei. Es gelang ihm nicht, einen Fluss in das „cantabile“ zu bringen, Melodiebögen und Spannung zu entwickeln. Seine demokratische Notenbehandlung war hier genauso fehl am Platze.

Eine Konzertbesucherin

Erwartungsgemäß wurde die Vorstellung von Schuberts Klaviersonate in c-Moll D 958 nach der Pause auch zu einem unersprießlichen Erlebnis: kräftiges Spiel ohne nennenswerte Akzentuierung und Fingerübungen aus einer Schule der Geläufigkeit. Welche Tiefen in diesem Werk Schuberts verborgen sind, verstand er nicht auszuloten. Wie langweilig kann ausdruckslose Musik doch sein. Dafür lieferte Wong ein trauriges Paradebeispiel an diesem Abend.

In der Regel beweisen die Pianisten, die Kawai zu den Klavierabenden nach Krefeld einlädt, dass sie zu der „Elite der internationalen Nachwuchspianisten“ gehören, so Philipp Potz, künstlerischer Leiter Kawai noch vor dem Konzert. Dazu gehört eben neben einer perfekten Technik auch ein ausgereiftes, ausdrucksstarkes Spiel. Interessant dürfte da das nächste Kawai-Konzert sein, das die Klaviersonate Nr. 3 von Scriabin ebenso bieten wird.

Den nächsten Klavierabend in der Musikschule, Uerdinger Straße 500, gestaltet Viviana Lasaracina unter dem Motto „Klangvoll von Spanien nach Russland“ am Freitag, 13. Oktober, Beginn 20 Uhr. Sie spielt Werke von Albéniz, Granados, Rachmaninow und Scriabin. Karten unter Tel. 37 31 53 und 37 31 44 sowie an der Abendkasse.

Mehr von Westdeutsche Zeitung