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New York Gospel Stars und die anderen Töne aus den USA

Konzert : Gospel Stars und die anderen Töne aus den USA

Die fünf Sänger gestalteten in der Friedenskirche ein Fest der Lebensfreude, des Friedens, des Glaubens und der Zuversicht.

„Wir kommen nach Deutschland, um zu singen und haben das Ziel, die Liebe Gottes zu verbreiten und die Herzen der Menschen zu berühren.“ Dies sagte Ahmed Wallace, und er ist einer von fünf Sängerinnen und Sängern (die anderen: Matia Washington, Tyrone Flowers, Alison Hill Mitchell und Lindsay Thompson), die sich „New York Gospel Stars“ nennen, auf großer Deutschland-Tournee sind und Station in Krefeld machten. Sie wurden instrumental unterstützt vom Pianisten Brandon Young und dem Schlagzeuger Joshua Keitt.

Die Leidenschaft der US-Amerikaner ist es, Gospels zu singen, und ihre Botschaft ist, Lebensfreude zu versprühen, Hoffnung und Lebenskraft auszusenden. „Smile! God is here“ (Lächele, Gott ist bei uns), sagen sie, meinen es ernst und präsentieren sich in der Friedenskirche als gläubige Menschen, die in sich gekehrt sein können, genau so aber auch über sich und andere lachen können, die gerne mal Quatsch machen, komische Situationen wie ein läutendes Handy spontan in ihre Musik einbauen und Freude vorleben.

Ihr musikalischer Stil basiert auf Rock, Funk und Rap. „Song of joy“, Beethovens „Ode an die Freude“ wird unter ihrem Gesang zu einem Gospel, frei und fantasiereich mit typischen Gospel-Verzierungen performt, die von einer Rap-Einlage unterbrochen wird. Ben Harpers „I want to be ready“, „O when the Saints go marchin’ in“und „Let’s it shine“ – allein in diesen drei Stücken beeindruckt die klangliche Vielfalt der Gospel Stars. Vom harmonisch raffinierten Piano und dezenten Schlagzeug begleitet ertönt eine kraftvolle Hymne, wird abgelöst von einem leisen, mit Fingerschnippen gestützten „O when the Saints“ und mündet in einen Gesangsdialog mit Solosänger und Publikum. Dem Klatschen mit erhobenen Händen und dem Tanzen (Zitat Ahmed : „Ist gut für die Gesundheit“), folgt ein ernster, emotionaler Ruf „Thank you Jesus!“ und der berühmte Song „Amazing Grace“, der hier vom Chor und Solo mit Inbrunst gesungen wird. Der Evergreen „Kum ba Yah my Lord“ heizte mit innigem Gesang die Emotionen der Zuhörer an, ehe es tanzend, klatschend und mitsingend mit „O happy day“, dem Ohrwurm aus den sechziger Jahren, in die Pause ging.

Andacht war eine Facette dieser Gruppe, Humor eine andere. Im zweiten Teil wurde ein nachweihnachtliches Potpourri bestehend aus „O Tannenbaum“, „Jingle Bells“ und „Go tell it on the mountain“ dargeboten, das am Ende in großen Klamauk mit Publikumsanimation überging. Es war ein Abend mit Kontrasten. Auch das ist letztendlich eine Facette von Lebensfreude. „We sing Gospels, because we believe in God“, wurde verkündet und direkt danach „I believe I can fly“ in langsamem und innigem Gesang, wie auf Flügeln dargeboten. Dass diese fünf Solisten auch musikalisch auf hohem gesangstechnischen Niveau arbeiten können, wurde eindrucksvoll unter Beweis gestellt mit einem fünfstimmigen a-capella-Gesang.

Jeder Sänger ist nach Auffassung der Gruppe ein Individuum, jeder aber auch ein Teil des Ganzen. Intonationsrein, sehr ausdrucksstark, mit spannungsreichen Pausen wurde ein Kirchenlied intoniert, entwickelte sich dann zu einem mitreißenden Finale mit ekstatischem Halleluja-Gesang. Die Zuhörer erhoben sich und sangen und klatschten begeistert mit. Der Abend war ein Fest der Lebensfreude, des Friedens, des Glaubens und der Zuversicht, ein Gegenentwurf zu unserer Zeit des Terrors und der Gewalt. Hier eskaliert nicht die Gewalt, hier eskaliert die „Power of love“. „We are the world“, der Song von Michael Jackson, war denn auch in Gospelversion eines der letzten Stücke des Abends.

Das waren mal ganz andere Töne aus den USA als die, die man in den täglichen Nachrichten hört.