Musikschule Krefeld feiert 85. Geburtstag

Netzwerk : Auf der Suche nach Tausendsassas: Musikschule feiert 85. Geburtstag

Das Netzwerk mit 65 Standorten in der Stadt soll noch ausgebaut werden.

Zur Begrüßung stimmt eine Kindergruppe der Kita am Westwall ein paar Liedchen an. Musikschullehrer Thorsten Drees spielt mit der Gitarre. Es geht um Toleranz und Vielfalt in diesen einprägsamen Texten. 95 Kinder aus 22 Nationen kommen hier zusammen in dieser Einrichtung. Oberbürgermeister Frank Meyer ist erschienen, Jugend- und Bildungsdezernent Markus Schön sowie Ralph Schürmanns, Leiter der Musikschule der Stadt Krefeld.

Es gibt Applaus, nette Worte und später noch ein großes Lob für Thorsten Drees, den Lehrer, der wie ein Vorbild für die moderne Arbeit der städtischen Musikschule dargestellt wird. Leute wie ihn suchen sie in der Einrichtung, die längst nicht mehr nur im Haus Sollbrüggen zu Hause ist, sondern ihre Dienste und Projekte auch an Schulen, Kindertagesstätten und Zweigestellen anbieten. 85 Jahre Musikschule Krefeld – das ist für Schürmanns „eine würdige alte Dame, die einer ständigen Frischzellenkur unterliegt und daher quietschfidel ist.“

700 Teilnehmer wöchentlich
an 65 Standorten

Seit 2007 leitet Ralph Schürmanns die Musikschule. Etwa 700 Leute nehmen wöchentlich an Angeboten der städtischen Einrichtung teil, an mittlerweile 65 Standorten innerhalb der Kommune. Ein regelrechtes Netzwerk ist entstanden, das aber noch weiter gewoben werden soll. In den vergangenen Jahren öffnete sich die Schule auch für modernere Musikstile wie Pop und Folk; der Unterricht wurde mit innovativen Unterrichtsformen erweitert. In diesem Jahr sollen rund 3250 Kinder an den Projekten und Angeboten teilnehmen, heißt es seitens der Stadt. Das sei ein Rekordwert. Drei Viertel der Grundschulen seien abgedeckt, so hieß es. Seit 2006 hätten etwa 20 000 Kinder in verschiedenen Projekten und Angeboten mitgemacht.

Krefeld versucht den Spagat. Sozial schwächer gestellte Menschen sollen genauso partizipieren können wie die gut situierte. „Wir gehen in die Breite, auch in Viertel mit sozialer Herausforderung. Gute Angebote dürfen aber auch Geld kosten. Wir werben um bürgerschaftliches Engagement neben der kommunalen Teilhabe“, sagt Markus Schön.

Oberbürgermeister Meyer betont: „Ich will einen barrierefreien Zugang für Kinder und Jugendliche. Kultur darf kein Luxus sein.“ Es sei ja schließlich wichtig, dass sich der Nachwuchs nicht nur im Wort, sondern auch künstlerisch ausdrücken vermag. Auf der anderen Seite soll die Musikschule auch Eliten fördern: „Sie bildet auch Spitzenmusiker aus“, sagt Meyer. Das Arbeitsprofil der Musikschullehrer ist daher sehr anspruchsvoll: Da taucht der Name Thorsten Drees wieder auf: Elementare musische Erziehung in der Kita, Grundausbildung an Schulen, Gitarrengruppen, zudem bietet er auch Kontrabass-Stunden an. Ein großes Portfolio, und das für viele Altersklassen. Das erfordere eine hohe Flexibilität. Solche Lehrer nimmt die Musikschule mit Kusshand. Derzeit sind 49 Pädagogen für die Einrichtung tätig.

Der Musikschule gehe es gut im 85. Jahr des Bestehens, sagt Ralph Schürmanns: „Sie ist kerngesund. Sie ist für alle da, auch für diejenigen, die es nicht schaffen, teure Unterrichtsformen zu haben.“ 400 Kinder hätten bereits kostenfrei Unterricht erhalten können. „Das Bildungsinteresse ist da. Man muss nur die Brücken bauen.“ Nachfrage besteht noch bei den Lehrern, um die Angebote noch ausbauen zu können. Leute eben wie Thorsten Drees, den Tausendsassa.

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