Musikalischer Sturm auf Burg Linn

Musikalischer Sturm auf Burg Linn

Das Konzert „Jazz an einem Sommerabend“ bietet in diesem Jahr eine große Stilvielfalt — und Schutz vor Regen.

Krefeld. Sie wollen von der Burg nicht lassen. Am Samstag feiern die Mitglieder des Jazzklubs Krefeld zum 28. Mal seit 1985 ihren Saisonhöhepunkt auf der Burg Linn. Zwar muss das Festival „Jazz an einem Sommerabend“ erneut auf der Wiese der Vorburg geplant werden, doch hat man sich für das offene Terrain nun einen besonderen Wetterschutz geleistet. Ein Zeltdach für 600 Zuschauer soll das Festival regenfest machen.

Seit dem vergangenen Jahr besteht für den Innenhof der Burg eine Beschränkung der Zuschauerzahl, 2011 plätscherte dann gleich ein penetranter niederrheinischer Dauerregen auf die Festivalbesucher herab. Mit dem Zelt fühlt man sich jetzt auf der sicheren Seite: „Nur ein Sturm kann uns jetzt noch von der Burg vertreiben“, sagt Jazzklub-Geschäftsführer Günter Holthoff.

Das Programm beginnt mit dem phonetischen Zeichen für den Buchstaben M. Das schreibt sich [em], und so nennt das deutsche Ausnahmetalent Michael Wollny sein Klaviertrio. Intellektuelle Kopflastigkeit muss man bei dem Pianisten und seinen Mitstreitern Eva Kruse (Kontrabass) und Eric Schäfer (Schlagzeug) allerdings nicht befürchten. Rhythmisch zupackend, mixen sie europäische Kunstmusik und Jazzmoderne und gehen dabei auch schon mal mit der Energie des Punk zu Werke.

Beim Keyboarder Nik Bärtsch trifft James Brown auf Steve Reich, Funk also auf Minimal Music. Der Schweizer und sein Quintett Ronin verschachteln Phrasen und Rhythmen derart ineinander, dass ihre Musik meditativ oder betörend wirkt, je nach Sichtweise. „Zen-Funk“ nennt Bärtsch selbst seine Musik.

Einen musikalischen Sturm wird der Hauptact des Abends entfachen — im Programm allerdings in der Mitte platziert, da die Band Ronin die Dunkelheit für eine Lichtshow braucht. Der New Yorker Rudresh Mahanthappa, ein Altsaxophonist der Spitzenklasse, mischt indische Einflüsse mit Jazz und kommt dieses Mal mit seinem Quartett Samdhi, in dem die Fusion aus indischen Skalen und Jazzharmonien elektronisch grundiert wird.

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