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Kulturpunkt Friedenskirche: Musikalische Geschwister: Puszta trifft Karelien

Kulturpunkt Friedenskirche : Musikalische Geschwister: Puszta trifft Karelien

Der Kulturpunkt Friedenskirche bietet eine musikalische Reise in die finnisch-ungarische Klangwelt.

Krefeld. Es klingt fremd. Auch die Sprache kann man nicht identifizieren. Doch Laura Ryhänen und Katalin Horvath ziehen mit ihrem ersten A-cappella-Gesang das Publikum gleich in den Bann. Eine getragene Melodie singend, betreten sie die Bühne des Kulturpunkts. Dort befinden sich bereits die vier weiteren Mitglieder des Ensembles Kallaton: Mikko Kuisma (Violine), Florian Dohrmann (Kontrabass), James Geier (Gitarre) und Szilvia Csaranko (Akkordeon). Die Geige übernimmt den Part einer dritten Stimme und im Wechselgesang — begleitet von den anderen Instrumenten — lassen sie die unbekannte Klangwelt deutlicher werden.

Es ist eine Musik, von der man sich trotz aller Fremdheit gleich gefangen nehmen lässt. Auch die Spannung wächst, was hinter der merkwürdigen Kombination von Puszta und Karelien stecken mag, welche Verbindungen zwischen den doch deutlich von einander entfernt liegenden Regionen bestehen.

Laura deutet in ihrer Moderation kurz an, dass sich zwei Schwestern vor langer Zeit verloren haben, sich wieder treffen und noch immer dieselben Lieder singen. Die dahinter steckenden Ströme der Völkerwanderung, als sich aus Sibirien Völker auf den Weg nach Westen machten, kennt man hierzulande eben kaum.

Einige Lieder später, die inzwischen auch Unterschiede zwischen nordischen Klängen und etwas vertrauteren ungarischen Weisen — besonders wenn es temperamentvoll wird — haben hörbar werden lassen, erzählt Laura den Witz, wie es zur Trennung zwischen den Finnen und Ungarn kam. Bei der Völkerwanderung stieß man auf ein Schild „Warmes Wetter“ und den Pfeil nach links. Die Ungarn nahmen diesen Weg. „Sie konnten lesen“, gesteht die Finnin.

Trotz der Entfernung bewahrte ihre Musik die gemeinsamen Wurzeln. Wenn die Sängerinnen melancholische oder wehmütige Weisen anstimmen, ist beim ersten Hören kaum ein Unterschied zu erkennen. Diese Musik kann wie Balsam für die Seele wirken, so zum Beispiel bei dem Lied vom sanften Wind.

Ganz anders klingt es, wenn sie mit Unterstützung der Männerstimmen vom kalten Ostwind singen. Auch ohne Textverständnis meint man ihn zu spüren.

Völlig identisch seien in beiden Ländern, so erklärt Laura, die Klagelieder geblieben und die beiden Sängerinnen beweisen dies mit Sologesängen. Ihre klaren und kräftigen Stimmen schaffen einzeln eine verzaubernde Atmosphäre und harmonieren wunderbar bei gemeinsamen Liedern. Für diese überraschende wie genussvolle Entdeckungsreise in eine wenig bekannte Musikwelt bedankt sich das Publikum mit kräftigem Applaus und wird mit einem Wiegenlied aus Karelien nach Hause geschickt.