Musik: Schönhausen-Chor sorgt für Weihnachtsstimmung

Musik : Chor schafft Weihnachtsstimmung

Der Schönhausen-Chor trat am zweiten Advent mit dem Weihnachtsoratorium von Bach in der Friedenskirche auf.

„Wachet auf, ruft uns die Stimme“, mit diesem Choralsatz begann das Konzert des Schönhausen-Chors am zweiten Advent in der Krefelder Friedenskirche. Diese Kantate von Johann Sebastian Bach hatte Chorleiter Joachim Neugart dem Weihnachtsoratorium Bachs vorangestellt, sozusagen „in Erwartung der endgültigen Erlösung durch die Wiederkunft Christi“, hier im Konzert eine eher verhaltene Aufforderung.

„Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage!“, den Jubel über die Geburt Christi komponiert Bach mit „Pauken und Trompeten. Die Trompeten des Barockensemble Sonare Neuss strahlen, Neugart interpretiert diesen Eingangschor rhythmisch pointiert, sprachlich genau, der Chor schwingt sich mit den hellen und klaren Stimmen auf zu jenem intendierten Jubel. Und nun erzählt der Evangelist die Weihnachtsgeschichte: „Es begab sich aber zu der Zeit“, die allen Hörenden bekannt ist.

Leonhard Reso, Tenor, hatte als Evangelist die Aufgabe, jene unglaubliche Geschichte der Geburt Jesu zu erzählen, die Hörer in das Geschehen einzubeziehen, und dies während des gesamten Oratoriums. Klangvoll die Arien der Altistin, „Bereite dich Zion“, „Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh“, Angela Froemer gestaltete diese Arien mit Einfühlungsvermögen und ausdrucksstarker Stimme. So auch der Bass Achim Hoffmann, der seine Partie engagiert musizierte, zu Beginn durch die strahlenden Trompete unterstützt und ergänzt.

Immer wieder wechseln sich in Bachs Weihnachtsoratorium die Rezitative des Evangelisten mit den Arien der Solisten ab, die Arien schildern die Gefühle des gläubigen Menschen bei der Erkenntnis der Bedeutung des Geschehens, die „schöne Seele“ wendet sich diesem Weihnachtsgeschehen in Freude und Ehrfurcht zu, bestaunt es und nimmt, jeder auf seine Weise Anteil.

Elisa Rabanus, Sopran, hatte den Gesang der Engel übernommen

Elisa Rabanus, Sopran, hatte den Gesang der Engel in instrumentaler Interpretation übernommen wie auch den Part im Duett mit dem Bass „Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen.“ Immer wieder bezieht Bach in seinem Oratorium die Stimme der Gemeinde mit ein. Ihnen, den später Gläubigen, die die Weihnachtsgeschichte kennen und sich in die Geschichte einzufühlen vermögen, komponiert Bach die Choräle, die in der Einfachheit der Melodie sofort im Gedächtnis bleiben und sich dort verankern.

Mit tiefer Empfindung komponiert Bach jene Choräle, die immer wieder zu berühren vermögen, auch in ihrer verdeckten Mehrstimmigkeit und spannender Harmonik. Wenig davon ließ Joachim Neugart seinen Chor gestalten. Ständig auf rhythmische Präzision bedacht, auf Tempo und instrumentale Durchsichtigkeit, konnte diese Interpretation der Choräle, trotz des Engagements des Chores und seiner hellen, klaren Stimmen, hier nicht berühren.  Die Trompeten und das ausgesprochen kleine Orchester (unter anderem eine erste, eine zweite Geige, eine Bratsche, ein Kontrabass und die notwendigen Bläser), das dem erwarteten Klangvolumen, trotz großer Spielfertigkeit, nicht genügen konnte, suchte gemeinsam mit dem Chor den Glanz des Eingangs- und Schlusschors der dritten Kantate „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“, zu gestalten. Joachim Neugart legte auch hier besonderen Wert auf die rhythmische Genauigkeit, die die wirkliche Freude, die der Chor in der Lage ist zu vermitteln, leider vermissen ließ.