Museum: Eine Kunstschau von 1965 bis 2017

Museum : Eine Kunstschau von 1965 bis 2017

Das Kaiser-Wilhelm-Museum zeigt Werke, die sonst im Depot gelagert werden.

Berühmte Namen, aber auch selten gezeigte Kunstwerke — das gibt es ab sofort in der oberen Etage des Kaiser-Wilhelm-Museums zu sehen. Unter dem Stichwort „Highlights der Sammlung“ hat Kuratorin Constanze Zawadzky aus der Fülle des Depots eine Schau zusammengestellt, die Kunst von 1965 bis 2017 umfasst. „Es ist keine durchkuratierte Ausstellung, sondern zeigt einige Schätze aus dem Depot, die länger nicht mehr zu sehen waren“, sagt sie.

Viele große Namen der zeitgenössischen Kunst sind vertreten. Der erste Raum ist der Düsseldorfer Fotoschule gewidmet: Candida Höfer, Andreas Gursky, Thomas Ruff und Thomas Struth. Fünf große Frauenporträts von Ruff beeindrucken schon allein durch ihre Monumentalität. Etwas intimer wirken die Gruppenporträts von Struth. Eine besondere Studie ist sein Porträt eines alten Ehepaares aus Edinburgh. Wie sie sich dem Fotografen gegenüber platzieren, hat er ihnen selbst überlassen. Sie haben sich nicht nebeneinander sondern gegenüber an einen Tisch gesetzt. Sie wirken vertraut, aber doch auch für sich.

Sigmar Polke und Gerhard Richter begegnen sich in einem Raum

Im nächsten Raum begegnen sich mit Sigmar Polke und Gerhard Richter zwei Größen, die man schon zu den Klassikern der Moderne zählen darf. Den Raum beherrscht Richters „1024 Farben“ von 1973, Polkes eindrucksvolles Bild „Im Westen nichts Neues, Himmelstoß“ (2004/05) setzt einen starken Akzent dazu. Einige grafische Blätter der beiden ergänzen den Raum. Eine ganz andere Sprache sprechen die Arbeiten der walisischen Künstlern Bethan Huws im nächsten Raum, der sich durch eine meditative Atmosphäre auszeichnet. Die filigranen, winzigen Boote, die in einer Glasvitrine zu sehen sind, sind eine poetische Reminiszenz der Künstlerin an ihre Kindheit. Ähnlich reduziert und still sind ihre Aquarelle.

Die Installation „Fettered Flamingos“ von Naufus Ramirez-Figueroa nebenan bildet wieder einen Kontrast. Die angeketteten Flamingo-Skulpturen, die der Mies-van der Rohe-Stipendiat vor zwei Jahren im Rahmen seiner Einzelausstellung im Haus Esters gezeigt hat, sind eine Gestalt gewordene Anklage einer drastisch gezähmten Natur. Auch der folgende Raum ist einem einzelnen Künstler gewidmet. Der Amerikaner Richard Allan Morris ist vom abstrakten Expressionismus und der Pop-Art beeinflusst. Seine Bilder in Öl oder Acrylfarbe, wozu noch manchmal plastisch wirkender Acrylschaum hinzukommt, sprechen den Betrachter sehr direkt an.

Ganz anders Zvi Goldstein, der mit den unterschiedlichsten Gegenständen ganz bewusst rätselhafte Installationen gestaltet, die es dem Betrachter schwer machen, einen Zugang zu finden. Minimalismus von der eleganten Sorte begegnet man im letzten Raum mit den Arbeiten von Alan Uglow und Dan Graham. Grahams Modell aus verspiegeltem Glas, das den Betrachter Teil der Arbeit werden lässt, korespondiert sehr schön mit Uglows Bildern „Standard Silver“ und „Standard Gold“.

Einen starken Schlusspunkt setzt die Videoarbeit „Love“ von Tracey Moffat und Gary Hillberg. Aus vielen Filmfragmenten zusammenkomponiert, entsteht eine mal amüsante, mal brutale und insgesamt sehr spezielle Interpretation von Liebe. Insgesamt eine abwechslungsreiche Schau, bei der es Manches wieder zu entdecken gibt.

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