Mit Mundharmonika und Orchester ins neue Jahr

Konzert : Für 2019 gibt es Grüße aus der ganzen Welt

Zum Neujahrskonzert der Niederrheinischen Sinfoniker gab es auch diesmal wieder einen ungewöhnlichen Partner: die Mundharmonika-Spielerin Monja Heuler.

Fürs Marschieren ist die Russische Marsch-Fantasie von Johann Strauß’ Sohn nicht unbedingt geeignet, so wie die Niederrheinischen Sinfoniker sie interpretieren. Leichtfüßig und eher hüpfend zu bewältigen, kommt das Eingangsstück des diesjährigen Neujahrskonzertes daher.

In nicht minder bewährter Weise führt Generalintendant Michael Grosse durch die musikalische Reise rund um die Welt, philosophiert in seiner Begrüßung aber erst einmal über den Jahreswechsel im Allgemeinen und kommt zu dem Schluss, den Blick nach vorne zu lenken und „der Sorge die Hoffnung entgegenzusetzen“.

Generalintendant wartet mit einer Liste der Auftritte 2018 auf

Mit der musikalischen Bilanz der Sinfoniker unter ihrem Dirigenten Mihkel Kütson ist er zufrieden und kann mit einer beachtlichen Liste von Auftritten im vergangenen Jahr aufwarten: 73 Konzerte, 29 Ballettabende, 126 Musiktheaterabende und vieles mehr hat das Orchester bewältigt. Sogar „zwischen den Jahren“ traten die Niederrheinischen Sinfoniker täglich auf.

Als neues Angebot weist Grosse auf ein Filmkonzert im Februar hin, „um neue Besucher zu locken“ und er erklärt dem Publikum, dass man nichts gegen Flüsterpropaganda habe. In bewährter Tradition bietet das Orchester einen ungewöhnlichen Partner für ihren Neujahrsauftritt. Waren es in den vergangenen Jahren ein Kunstpfeifer und eine Flamencotänzerin, so ist es in diesem Jahr die Mundharmonikaspielerin Monja Heuler.

Die musikalische Literatur für Mundharmonika und klassisches Sinfonieorchester ist nicht gerade üppig, aber es gibt sie. Michael Spivakovsky (1919-1983) komponierte ein Konzert für Harmonika und Orchester, das das Publikum vermutlich in der Krefelder Uraufführung nun erleben kann. Wohlweislich hat die Tontechnik des Theaters ein Mikrofon für die Solistin aufgestellt, denn gegen ein vielleicht noch forte spielendes Orchester hat eine Mundharmonika keine Chance.

Gut ausbalanciert erklingen Orchester und Solistin. Aber auch der Komponist hat das ungleiche Verhältnis in seinem Werk berücksichtigt und hält die Gefahr, die Solistin durch einen großen Klangkörper zu erdrücken, recht gering.

Schnell werden Bedenken zerstreut, ob das kleine Instrument – mit seinem nicht gerade besten Ruf und ein Sinfonieorchester zusammen passen. Virtuos präsentiert Heuler ihre chromatische Mundharmonika.

Für das ausgewogene Zusammenspiel ernten die Musiker einen spontanen Zwischenapplaus nach dem ersten Satz. Bei kammermusikalischen Passagen, so zum Beispiel als Quartett von einer Geige, einem Cello und der Harfe, kann man vom Spiel der Mundharmonika jeden Ton, jede Nuance des Ausdrucks mitbekommen. Im Scherzo besteht kein Zweifel ob der Satzbezeichnung. Beschwingt wie virtuos endet der Part der Solistin.

Im spanischen Block des Programms kann sie mit dem Stück Toledo von James Moody (1907-1995) beweisen, dass sich ihr Instrument auch dafür eignet, spanische Impressionen in den Saal zu bringen.

Vertraute musikalische Landmarken bietet das Orchester im zweiten Teil des Programms: Wien, Paris, London. Aber auch Überraschendes, wie Klänge aus der Walachei von Strauß’ Sohn und Stimmungsbilder von einem persischen Markt.

Wenig überraschend und ganz in der Tradition ist der Abschluss des Neujahrskonzerts: Nach zwei Zugaben folgt der unvermeidliche Radetzky-Marsch, den das Orchester schon anfängt, bevor sein Dirigent wieder auf das Podest zurückgekehrt ist. Dafür kennen die Krefelder ihre Einsätze fürs Klatschen.