Mit fast 80 Jahren blickt er nach vorn

Mit fast 80 Jahren blickt er nach vorn

Klaus Peter Noever zeigt neue Werke in der Friedenskirche.

Krefeld. Bald 80 Jahre und kein bisschen leise: Klaus Peter Noever zeigt bis 28. Juni im Kulturpunkt Friedenskirche großformatige Werke aus der jüngeren Zeit. Was der Krefelder Künstler von seinem runden Geburtstag hält, den er am Tag nach Ausstellungsende feiert, sagt der Titel der Schau: "Blick zurück nach vorn". Es ist eine nur vorläufige Retrospektive.

Stiere, Fischer, Boote, bäuerliche Köpfe bestimmen die Gemälde, Skulpturen und fragilen Konstruktionen aus Draht, Seide oder Papier. Noevers Kunst ist von seinen Eindrücken aus Spanien bestimmt, die er seit über 50 Jahren regelmäßig sucht, in Espasante, einem Fischerdorf im Norden, wo Galizien am weitesten in den Atlantik ragt. Von dort rühren die ozeanischen Farben, blassblau, hellgrau, dämmerlichtig. Dort hat Noever mit den Menschen gearbeitet, die nicht gerade und schön, sondern eher schief und verhärmt, aber echt sind.

Klaus Peter Noever, gebürtiger Krefelder, Schüler von Laurens Goossens an der Werkkunstschule, war zwischendurch "immer mal weg", als archäologischer Zeichner in Ägypten oder Hüttenbauer bei Albert Schweitzer im afrikanischen Lambarene. Er baut Stelen und Eisenmänner, findet immer neue Ausdrucksformen, verleugnet aber nicht den Zeichner. Nicht umsonst sagt man, er seit mit dem Stift in der Hand auf die Welt gekommen.

So wirken viele seiner Gemälde wie kolorierte Zeichnungen. Die Arbeiten reichen bis in den Turm der Friedenskirche hinauf, es sind metaphysische Werke ebenso wie Gebrauchskunst oder Doppeldeutiges wie die Stele "Waffenstillstand" hinter der großen Turmrosette. Auf dem Weg dahin und darüber hängen Fahnen als "Treppungen".

Zur Eröffnung ging Peter Mürmann auf Künstler und Werk ein - fast eine vorgezogene Geburtstags-Laudatio. Besonders angetan hat es ihm das bestimmende Bild der Schau: der auf den Rücken des Stiers gefesselten Prometheus. Eine Selbstinterpretation des Künstlers?

Kulturpunkt Friedenskirche, Luisenplatz 1. So., 11 bis 13 Uhr, Mi., 12 bis 18 Uhr, 20 bis 23 Uhr, Do., 12 bis 18 Uhr und bei Veranstaltungen. Bis 28. Juni.

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