1. NRW
  2. Krefeld
  3. Kultur

Mies-Modell: Ein verrückter Gedanke wird Wirklichkeit

Mies-Modell: Ein verrückter Gedanke wird Wirklichkeit

Am Anfang eine fixe Idee, am Ende eine architektonische Sensation: Wie das Mies-Modell auf dem Egelsberg entstand.

Krefeld. Die Frau ist verrückt. Wie vielen Menschen dieser Gedanken kam, während Christiane Lange ihre Vision in die Welt hinaus trug, ist nicht überliefert. Doch allein die Tatsache, dass Architekt Wolfgang Melchert den Satz später vor hunderten Zuhörern laut auszusprechen wagte, zeigt, dass die Vermutung nicht so fern lag.

Der Beweis, dass Verrücktheit sich lohnt, stand zu diesem Zeitpunkt bereits neben Melchert: das Modell eines nie realisierten Golfclubhauses von Ludwig Mies van der Rohe, aus Holz und Stahl am Stadtrand Krefelds errichtet, voll begehbar, im Maßstab 1:1, für 800 000 Euro Baukosten. Eine kleine architektonische Sensation, die in den Medien und in der Wissenschaft großes Echo fand.

Doch bis dahin war es ein weiter Weg. „Wir hätten an wahnsinnig vielen Punkten scheitern können“, sagt Christiane Lange. „Ich bin selbst erstaunt, wie die Idee Wirklichkeit geworden ist.“

Fast drei Jahre liegen zwischen dem waghalsigen Gedanken und dem fertigen Bauwerk. Laut Lange war es Ende 2010, als sie mit dem Filmemacher Mic Thiemann und dem Journalisten Helge Drafz zusammensaß. Mit ihnen hatte sie schon ein Mies-Buch und einen Dokumentarfilm realisiert. Dass eine Ausstellung gut dazu passen würde, war zunächst „nur so daher gesagt“.

Grundlage des Konzepts waren Skizzen Mies van der Rohes aus dem New Yorker Museum of Modern Art. Sie zeigten ein traumhaftes Gebäude im Grünen, das Mies 1930 gezeichnet, aber nie realisiert hatte. Die Pläne enthielten nur Andeutungen. „Wir brauchten einen Partner, der eine künstlerische Sprache dafür entwickelt“, sagt Lange. Sie fand ihn im belgischen Architekten Paul Robbrecht. „Er war sofort gepackt von der Idee.“

Erste Kostenschätzungen beliefen sich auf 500 000 Euro — viel Geld für den inzwischen gegründeten Verein Projekt MIK. „Wir haben das in kleinen Schritten gedacht“, sagt Lange. Sie und ihre Mitstreiter wurden bei Stiftungen und Privatleuten vorstellig, bei „Kontakten und Kontakten von Kontakten“. Sie stießen auf Interesse, Begeisterung, aber auch auf Unverständnis. „Ablehnung ist eine normale Reaktion“, findet Lange. „Es gab Leute, die uns offen gesagt haben: ,Das leuchtet mir nicht ein.’“

Zur finanziellen Unsicherheit kamen organisatorische Schwierigkeiten. Der geplante Standort lag im Landschaftsschutzgebiet, Genehmigungen ließen auf sich warten. Als eine wichtige Förderung wegbrach und sich gleichzeitig die prognostizierten Baukosten auf 800 000 Euro verteuerten, stand das Projekt auf der Kippe. Der geplante Termin 2012 war nicht zu halten. „Wir waren uns selbst nicht sicher, ob der Spannungsbogen noch reicht.“

Dass er reichte, war erst klar, als die Kulturstiftung des Bundes anrief. Mit 240 000 Euro bekam Projekt MIK den höchstmöglichen Förderbetrag. „Wenn das nicht geklappt hätte, wären wir mit unseren Ideen am Ende gewesen. Dann hätten wir vielleicht aufgegeben.“ Stattdessen rief Christiane Lange ihre Mitstreiter an: „Wir haben’s! Jetzt kann es losgehen.“ Das war im Herbst 2012, und der Acker war noch ein Acker. „Damit“, sagt Lange“, „fing die Arbeit erst an.“