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Matrosenanzug: Ausstellung „Der Kinder bunte Kleider“ im Textilmuseum

Matrosenanzug: Ausstellung „Der Kinder bunte Kleider“ im Textilmuseum

Ein Anzug für jede Gelegenheit: Ob Kind, Schüler oder Seemann — die blau-weiße Kleidung wurde durch Königin Victoria gesellschaftsfähig.

Krefeld. Wie vielseitig der Matrosenanzug in der Kleidungshistorie eingesetzt wurde, zeigten die Beispiele in der Ausstellung „Der Kinder bunte Kleider“ zu sehen. Ursprünglich war der Anzug natürlich Berufskleidung für die Blauen Jungs und bildete mit Hemd, Hose und Mütze ihre Uniform.

Im 19. Jahrhundert wurde der Anzug in die Kindermode übernommen. „Ein Matrosenanzug war kleidsam, und man war immer gut angezogen“, sagt Isa Fleischmann-Heck vom Deutschen Textilmuseum. Grundfarbe: Dunkelblau mit weißen Akzenten. „In Frankreich gab es die weiten Hemden zum Schnüren, mit denen die Matrosen in die Takelage klettern konnten“, erklärt Fleischmann-Heck. In der Bretagne wird übrigens immer noch Matrosenkleidung hergestellt — die Mode von Armor Lux für den Freizeitbereich wird in ausgesuchten Geschäften angeboten.

Gesellschaftsfähig wurde die Matrosenkleidung nicht zuletzt durch die englische Königin Victoria. „In Matrosenhemd und blauer Hose ließ sie sich mit allen ihren Kindern fotografieren“, sagt Fleischmann-Heck. Das bedeutete eine Anerkennung der Marine: „Die britische Seefahrt war der Grundpfeiler des britischen Wohlstands“, sagt die Historikerin. „Der Stolz darauf äußerte sich auch durch die Übernahme der Kleider.“

Die Matrosenanzüge wurden auch in anderen Ländern Mode, in Deutschland möglicherweise aufgrund der verwandtschaftlichen Verhältnisse. Der spätere Kaiser Wilhelm II. war ein Enkel von Victoria. Schnell gelangte die Mode in die breite Öffentlichkeit.

Im norddeutschen Kiel wurden die ersten deutschen Exemplare gefertigt — daher auch der zweite Name „Kieler Anzug“. Baumwolle und Leinen waren die ersten Materialien, später wurden Matrosenanzüge auch in die Strickmode übernommen. „Die Stuttgarter Firma Bleyle ist damit großgeworden“, sagt Fleischmann-Heck. An den Strickmodellen war eines praktisch: Man konnte Hosen und Oberteile für die Kinder verlängern. „Zum Anstricken verschickte die Firma damals Anleitungen und Wolle dazu“, sagt sie.

Praktisch war auch der abknöpfbare Kragen — zum Waschen wird er abgenommen. An den zweireihigen Mantel für den kleinen Matrosen gehören goldene Knöpfe mit einem Anker; Anzüge haben meist Knöpfe aus Perlmutt.

Der Matrosenanzug wurde auch als Schuluniform getragen, heutzutage immer noch in Ungarn oder in Japan. „In der Zeit des Nationalsozialismus gab es durch diese Kleidung ein Einheitsbild von Nord bis Süd“, sagt Fleischmann-Heck. Für die Mädchen gab es Matrosenkleider: Da konnte man schon mal vom Dunkelblau weggehen. Wie auch bei einem Beispiel im Museum: Einer der Anzüge ist ganz weiß und mit Rot abgesetzt.