Marcel Mann tritt in Krefeld auf

Interview : Ein Männchen bringt Humor nach Krefeld

Marcel Mann tritt im Südbahnhof auf. Vorab plaudert er über seine Leidenschaft für Comedy und das Synchronsprechen.

Am 16. Februar kommt ein Stand-Up-Comedian in den Südbahnhof: Marcel Mann. Comedy ist seine große Leidenschaft, er bringt sie in bunten Farben auf die Bühne. Daneben bestimmt auch das Synchronsprechen einen Großteil seines Lebens und seines Programms. Mit seiner frischen und spritzigen Art konnte der 32-Jährige in den vergangenen Jahren einige Preise mit nach Hause nehmen.

Wenn man über Sie liest, scheint Ihnen schon früh klar gewesen zu sein, dass Sie zur Comedy wollen.

Marcel Mann: Ich stand schon auf der Bühne, bevor ich lesen konnte. Mit fünf Jahren hatte ich meinen ersten Auftritt. Das war mein Ventil, mich auszudrücken, wie bei anderen vielleicht der Sport. Mit 14 wurde mir klar, dass ich beruflich Menschen unterhalten möchte. Es gab einfach nichts vergleichbar Wundervolles für mich, als auf der Bühne zu stehen. Ich bekam viel Zuspruch von Leuten, die mein Theaterspiel witzig fanden. Da habe ich angefangen, in Berlin auf kleinen Bühnen aufzutreten. Mehr als ein Mikrofon kann ich auch nicht wirklich tragen. Stahlverarbeitende Industrie kam also nicht in Frage (lacht).

Und wie kamen Sie dann zum Synchronsprechen?

Mann: Ich habe schon als Sechsjähriger beim heimlichen Fernsehen Samstagmorgens bemerkt, dass die Menschen im Fernsehen oft nicht mit ihrer eigenen Stimme sprechen. Das hat mich wahnsinnig fasziniert. Ich wollte unbedingt herausfinden, wie das funktioniert. Irgendwann kam ich dann durch ein Praktikum zum Fernsehen. Dort war ich das erste Mal in einem Studio und konnte das Synchronsprechen ausprobieren. Das hat von Anfang so gut funktioniert, dass ich das dann beruflich gemacht habe. Auch dank eines Sprechers der Simpsons, der mir die Nummer eines Studios zugesteckt hat.

Wieso sind auch heute noch beide Bereiche – Comedy und Synchronsprechen – Teile Ihres Lebens?

Mann: Das eine bereichert das andere. Ich erzähle ja schließlich auf der Bühne von meiner Arbeit als Synchronsprecher. Ich lasse das Publikum hinter die Kulissen gucken. Schließlich bin ich oft der erste Synchronsprecher, den sie sehen und erleben, wie er spricht. Es sind beides meine Leidenschaften. Neben der Herstellung von Ziegenkäse (lacht).

Inwiefern kann Ihr Bühnenprogramm als biografisch bezeichnet werden?

Mann: Es ist absolut biografisch. Ich erzähle von meiner Kindheit, zitiere meine Mutter und lasse die Leute an meinem Scheitern teilhaben. Wenn ich Märchen erzählen wollte, wäre ich Gangsterrapper geworden.

Ihre neue Show heißt: „Weil ich ein Männchen bin“. Wollten Sie mit Ihrem Namen spielen?

Mann: Genau. Es ist eine Anspielung auf meinen Namen – aber auch auf den Song „Weil ich ein Mädchen bin“ von Luci van Org, auch wenn den heute nicht mehr so viele kennen. Und ich bin eben auch nicht der typische Mann, wie man ihn beschreiben würde. Groß, breit, testosterongetränkt – das bin ich nicht. Aber was ist heutzutage schon „typisch“?

Steckt hinter Ihrer Show auch eine Botschaft oder soll sie das Publikum nur amüsieren?

Mann: Ich habe zwar keinen Lehrauftrag, aber es wäre schon schön, wenn die Leute aus meiner Show auch ein wenig was mitnehmen – an Anekdoten und an Perspektiven. Ich spreche einfach offen über die Dinge. Mir ist sehr wichtig, dass auch,  wenn schlimme Dinge passieren, es nicht unbedingt schlimm bleiben muss. Das wäre mir zu plump und zu einfach. Und das ist auch eine Prämisse meiner Show, dass man aus einer Schwäche, etwas Schlechtem, einen Bonus macht und nicht auf seinem Unglück sitzen bleibt. Die Einstellung ist eben wichtig; ebenso wie die Distanz zum Erlebten. In seinem eigenen Leben ist man oft ein wenig betriebsblind. Ein humorvoller Blick von außen kann da manchmal ganz gut sein.

Was ist gerade heute das Neue an der Comedy?

Mann: Es gibt inzwischen viele junge Comedians, die in ihren Programmen sehr stark auf Inhalte, vielleicht auch Provokation setzen und dafür riskieren, nicht nur sichere Gags im Minutentakt heraus zu feuern. Das kann manchmal irritieren, weil es nicht der klassische Weg von Comedy ist. Ich kann nur raten: Geht zu Mixed Shows und zu unbekannteren Acts! Dort könnt ihr mal etwas anderes sehen und manchmal auch mehr mitnehmen als nur kurzfristige Lacher.

Sie nehmen sich auch gerne selbst auf die Schippe, oder?!

Mann: Es gehört dazu, dass man auch über sich selbst lachen kann. Nur auszuteilen und nicht einzustecken, das fände ich ein bisschen schwach.