Märchenbilder im Theater am Marienplatz

Theater : Bizarre Szenen mit dramatischer Lebendigkeit

Das Theater am Marienplatz widmet sich im April einem romantischen Klavierwerk.

Nein, Pit Therre und das Ensemble des Theaters am Marienplatz (Tam) wollen sich weiterhin nicht einem breiteren Publikum andienen. Zwar ist jedes Monatsprogramm in dieser Spielzeit mit einem Satz überschrieben, der mit „Auch wir ...“ beginnt, doch in Bezug auf das April-Programm wird der ironische Hintersinn dieser Formulierung vielleicht besonders deutlich. „Auch wir spielen märchenhaft“ heißt es da, unter diesem Motto werden „Sechs Deutsche Märchenbilder“ des Komponisten Franz Bendel (1833–1874) für Klavier zu vier Händen präsentiert werden.

Bendel passt schon von der Stilistik nicht ins übliche Tam-Repertoire. Der Klaviervirtuose und Komponist war ein Vertreter der Romantik. Werk und Wirken sind heute weitgehend vergessen, auffälligstes Moment seiner Biographie ist, dass er Klavierschüler des heute noch bekannten Franz Liszt war.

Auseinandersetzung mit Grimmschen Märchen

Ein Zeitgenosse schrieb zu Bendels Märchenbildern, dass er mit ihnen „unserem inneren Auge die träumerischen, seltsamen und bizarren Szenen dieser Phantasiestücke mit dramatischer Lebendigkeit vorführt.“ Bendel setzt sich in seinem Werk mit den Grimmschen Märchen „Frau Holle“, „Schneewittchen“, „Aschenbrödel“, „Die Bremer Stadtmusikanten“, „Rotkäppchen“ und „Hans im Glück“ auseinander.

Die ausführenden Pianisten im Tam sind Pit Therre und Alfred Pollmann. Auf den ironischen Zugriff der beiden Spezialisten für zeitgenössiche experimentelle Musik auf die romantische Programmmusik Bendels darf man gespannt sein.

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