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Literatur in Krefeld: Literatur am Nachmittag mit John Waszek

Literatur in Krefeld : Literatur am Nachmittag mit John Waszek

Der Verein „Literatur in Krefeld“ öffnet mit John Waszek seine neue Veranstaltungsreihe „Literatur am Nachmittag“.

Krefeld. Er ist bildender Künstler, er musiziert, er unterrichtet und er schreibt: John Waszek, geboren 1949, ist vielen Krefeldern bekannt. Im Literaturhaus stellte er als erster in der neuen Reihe „Literatur am Nachmittag“ bekannte und unveröffentlichte Arbeiten vor.

Das Publikum war auch zum Gespräch eingeladen — ein gutes Dutzend war am Nachmittag in die Gutenbergstraße gekommen. Veranstalterin Michaela Plattenteich vom Verein Literatur in Krefeld (LiK) begrüßte kurz und übergab dann das Wort an den Schriftsteller. Waszek dankte: „Wir haben nicht so viele Möglichkeiten, Literatur zu präsentieren.“

Er hatte seinen Vortrag in drei Teile gegliedert. Als erstes las er aus „Stimmen“. Der schmale Band ist 1987 im Sassafras Verlag Krefeld erschienen. Es folgten Texte über den Schelm Spizzufei Filliu, die Waszek eine „Groteske“ nannte. Dann las er noch aus „Dunkel.Warm.“

„Stimmen“ besteht aus Miniaturen in ungewöhnlicher Form. Alle Abschnitte sind in indirekter Rede geschrieben und ergeben in ihrer Gesamtheit ein merkwürdiges, verwirrendes, assoziatives Feld. Indianer kreuzen den Weg, Filmszenen werden aufgerufen, der Krieg hat seine Spuren hinterlassen, das Leben ist vielfältig. „Sein Geist denke schief“, heißt es etwa und „er sei mit sich selbst einsam, aber das Herz mache Wellen.“ Hier werden Lebensspuren verarbeitet, und der Zuhörer, dem dazu der alte Ausdruck „Irrenanstalt“ einfällt, liegt nicht ganz falsch.

Waszek erwähnte nämlich, dass er auch mal in einer psychiatrischen Anstalt gearbeitet habe. Diese erste, frühe Veröffentlichung weist ein Merkmal auf, das in den anderen wiederkehrt: Waszek ist ein genauer Beobachter, der Gesehenes und Erlebtes in seine Texte einfließen lässt. Dass er das auch mit Humor tut, hört man an seinen Geschichten um „Spizzufei Filliu oder der Hase in der Furche“. Dieser Mensch erlebt lustige und skurrile Dinge. Sein Name ist übrigens abgeleitet von einem griechischen Gericht, das Waszeks Lieblingsspeise in einem inzwischen geschlossenen Lokal am Karlsplatz war. Auch im Publikum erinnerte man sich mit einem leicht wehmütigen „Ach, ja…“

Die dritte Abteilung bildeten Texte aus „Dunkel.Warm.“ Hier reiht Waszek Kurzprosa aneinander, die immer mit einem „und du erinnerst dich“ einsetzt. Auch diese Melange, die in die frühe Kindheit zurückreicht, weckt beim Publikum Erinnerungen. Damit aber war das Publikum noch nicht zufrieden und wollte mehr Abenteuer von Spizzufei. Es bekam sie. Mit diesen Texten aber sei er noch nicht fertig, sagte Waszek. Also darf man sich auf weitere Geschichten mit durchaus autobiografischen Anteilen freuen und auf eine Veröffentlichung hoffen.

Eine freundliche kleine Plauderei über die Arbeiten schloss den Auftakt ab.