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Seidenweberhaus: Lebensfreude mit Gospel und Orchesterklang

Seidenweberhaus : Lebensfreude mit Gospel und Orchesterklang

„Gospel goes classic“ mit den Niederrheinischen Sinfonikern und vier Chören aus der Region begeisterte generationenübergreifend das Krefelder Publikum.

„Schön, dass Du da bist“ – dieser Satz kann wunderbar als Motto für das Gospel-goes-classic-Konzert in Krefeld gelten. Denn nicht nur, dass Sänger, Chorleiter und Moderator des Abends, Gabriel Vealle, das Publikum auf seine unnachahmlich sympathische Art bat, sich diese Worte gegenseitig zuzurufen, der Abend geriet auch sonst zu einem Fest gemeinsamer Freude, guter Laune, fast wie eine Party. Allerdings eine Party zu Ehren Gottes, denn Gospel, somit der eigentliche Inhalt dieses Chorkonzerts, ist immer auch ein in Musik und Klang gefügtes Hinaufrufen zu Gott.

Mag man mit innigen, explizit christlichen Texten verpackt in vor peppiger Energie sprühenden Gesang weniger anfangen wollen – und das kann durchaus legitim sein –, war dieser Abend eher weniger für einen geeignet; wenngleich gute Laune und Spaß auch ohne den spirituellen Überbau sehr ansteckend waren. Ist man ein auf stilistische Reinheit bedachter Zuhörer, hätte man an der an diesem Abend gebotenen Mixtur, in der speziellen Form, wie sie gefügt war, auch vielleicht einiges auszusetzen. Aber auch hier gilt. wieso sollte man Spaßverderber sein, wenn so viele Menschen im Seidenweberhaus einfach nur positive Stunden miteinander verbringen wollten?

Der kraftvolle Gospel-Klang
stand im Mittelpunkt

Nun, das Besondere an diesem „Gospel goes classic“ war aber nicht nur der Gospel, wenngleich er den eigentlichen und wirklichen Schwerpunkt des Abends bildete. Das Besondere war, dass neben den beiden Solisten, Njeri Weth und Gabriel Vealle, und insgesamt vier bestens gelaunten Chören auch Musiker der Niederrheinischen Sinfoniker nebst einer Band unter der Leitung des Generalmusikdirektors Mihkel Kütson zum Gesamtklang, der Stimmung beitrugen. Das Seidenweberhaus versprühte eine wirklich warm-positive Atmosphäre, effektvoll ausgeleuchtet bevölkerten die Bühne Musiker und begeisterte Musikliebhaber, wie viele der Sänger der Chöre, gemeinsam. Dieses Gemeinsame sollte während des gesamten Abends bis in das Publikum herüberstrahlen, das immer wieder aufgefordert wurde mitzutun, aufzustehen, die Musik mit dem ganzen Körper zu erleben, und natürlich, wo es gut passte, auch mitzusingen.

Ein ganz großer Spaß also – der natürlich nicht mit Maßstäben der sonst üblichen Konzerte der Niederrheinischen Sinfoniker gemessen werden darf. Das ist weder arrogant, noch sonst auf irgendeine Weise pejorativ zu verstehen, es ist Fakt. Das hängt schon damit zusammen, dass das gesamte Konzert mittels umfassender Beschallungstechnik verstärkt wurde, sowohl Chor, als auch Sänger und Orchester waren mit Mikros versehen, die schließlich zu einem recht voluminösem, süffig abgemischten Klang führten. Details im Orchesterspiel, das sich eher als eine schöne Untermalung, als Ambience unter den Gesang und den Band-Sound legte, konnten so natürlich nicht im Fokus stehen; sollten sie wohl auch nicht. Denn man hatte sich offenbar dazu entschieden, den Schwerpunkt auf eine möglichst mitreißende poppige Ausrichtung zu legen. Was auch funktionierte.

Es gab sogar ein Gedenken an das Feuer im Krefelder Zoo

Natürlich standen mit den beiden mit sehr viel Herzblut singenden Solisten, die nicht minder motivierten Chorsänger im Fokus: Neben dem Krefelder Gospelchor Family of Hope und dessen Mönchengladbacher Pendant Family of Peace Gospel Singers, beide unter der Leitung von Vealle, auch der Chor der Liebfrauenschule Mülhausen und der Gospelchor Voices aus Wachtendonk, jeweils unter der Leitung von Jakob Stauber. Jener war übrigens zeitgleich Teil der Band, als Keyboarder. Die Chöre wurden, wenn sie zum Einsatz kamen, von Vealle – der quasi als Zweitdirigent fungierte – mitgeleitet. Kütson selbst stand am Pult und befeuerte gutgelaunt die Klangfreude aller.

Ob nun mit „What a beautiful name“, womit man sanft solistisch eröffnete oder mit Stücken wie „Alpha and Omega“, „Amen“, „It all belongs to you“ einem temporeichen Medley, Liedern wie „Use me“ oder „My life is in your hands“ bis hin zu einer Version von Händels Halleluja oder Njeri Weths Eigenkomposition „Angels“ – für viele Besucher gingen die Songs unter die Haut und gegebenenfalls auch in die Beine. Und das augenscheinlich generationenübergreifend. Alleine diese verbindende Kraft machte den Abend schon zu einem für das, was es sein wollte, erfolgreichen Ereignis.

Besondere Momente gab es einige. Wie beispielsweise ein Solo eines jungen Sängers oder auch eine Erinnerung an den Brand im Krefelder Zoo. Wie Gabriel Vealle emphatisch betonte, widmete man das Stück „How great is our god“ – das vor der Pause erklang – dem Andenken an dieses „so schlimme Ereignis, das wir niemals vergessen dürfen“, sagte Vealle.

Gospel kann auch Trost spenden – was will man mehr.