Museum: KWM-Rundgang: Der Blick nach oben lohnt sich

Museum : KWM-Rundgang: Der Blick nach oben lohnt sich

Einer der Höhepunkte im sanierten Kaiser-Wilhelm-Museum ist der neun Meter hohe Lichtsaal mit einem Dach aus Glas und Eisen.

Krefeld. Großzügiger, heller und schöner — dieser Eindruck entsteht bereits im Foyer. Nach vierjähriger Sanierungszeit erstrahlt das Kaiser-Wilhelm-Museum in neuem Glanz. Auch wenn derzeit mit Hochdruck noch an vielen Stellen im Gebäude gearbeitet wird, kann man sich bereits jetzt gut vorstellen, wie sich das Haus am ersten Aprilwochenende den Krefeldern präsentieren wird.

Die größte optische Veränderung sieht man im Foyer. Der Treppenaufgang aus den sechziger Jahren ist verschwunden, stattdessen betritt man einen großzügigen und klar gegliederten Bereich mit Kasse, Museumsshop und einer Ruhezone. Dahinter befindet sich die neu gestaltete Cafeteria, die mit ihrer Terrasse im Innenhof im Sommer ein beliebter Treffpunkt werden könnte.

Während in den oberen Räumen viele abgehängte Decken wieder entfernt wurden, hat man im Foyer eine Decke eingezogen. „Wir befinden uns hier historisch gesehen im Untergeschoss“ erläutert Sylvia Martin, stellvertretende Museumsdirektorin, den Ort. Vor dem letzten großen Umbau in den sechziger Jahren war dort ein monumentaler Treppenaufgang mit der Statue von Kaiser Wilhelm I. als krönendem Abschluss. Diese Anlage kennzeichnete das 1897 eröffnete Gebäude als Museum und gleichzeitiges Denkmal für den Kaiser.

Jetzt hat man die zwei Treppenaufgänge in die Seiten des Eingangsbereiches verlegt. Über schwarz-weiß gesprenkelte Terrazzostufen kommt man in die obere Etage. Dort ist durch die eingezogene Decke eine zusätzliche Fläche entstanden, die unterschiedlich genutzt werden kann. Von hier beginnt auch der Rundgang durch die Räume. Dabei lohnt sich immer wieder der Blick nach oben.

In jedem Raum sind unterschiedliche Deckenstrukturen zu sehen. Der Schmuck ist meist dezent, die neue Beleuchtung entsprechend darauf abgestimmt. In einem Raum ist eine Schmucksäule wieder zum Vorschein gekommen, sie setzt sich in dezentem Grau vor den weißen Wänden ab. Eine besondere Wirkung entsteht durch die neu geschaffenen Sichtachsen, die durch einheitliche Türmaße entstanden sind. Die historische Architektur ist insgesamt wieder deutlicher sichtbar, aber sie ist es auf eine angenehm zurückhaltende Weise.

Dagegen kaum sichtbar ist die komplexe Technik des Hauses. „Die Technik ist komplett versteckt“ sagt Architektin Angela Naebers vom Städtischen Gebäudemanagement dazu. Eine ausgefeilte Klimatechnik sorgt für eine gleichmäßige Raumtemperatur von 21 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von maximal 55 Prozent. Winzige Löcher in den Decken gehören zu einem sogenannten Rauchansaugsystem, das eine mögliche Rauchentwicklung in den Räumen sofort registriert.

Architektonische Glanzlichter bekommt man in der zweiten Etage zu sehen. Höhepunkt ist der neun Meter hohe zentrale Lichtsaal mit seinem Dach aus Glas und Eisen. Weitere Glasdächer sieht man in den Nebenräumen. Jede Decke ist mit unterschiedlichen Verzierungen gestaltet.

Dort befindet sich auch der Saal mit den nach vierzig Jahren wieder frei gelegten Wandgemälden von Johan Thorn-Prikker. Der Künstler schuf den Zyklus der Lebensalter bereits 1923. Noch bis zur Eröffnung im Juli ist der Beuys-Raum mit der berühmten Installation „Barraque D’Dull Odde“ komplett hinter Schutzfolien verborgen. „Wir mussten die ganze Zeit um den Raum herumbauen“, erklärt Naebers. Selbst die Fenster wurden deshalb von außen erneuert.

Ein Studio als Schaulager für die grafische Sammlung und neue Räume für die Museumspädagogik sind weitere Neuheiten des Hauses, das Historie und Moderne perfekt in Einklang bringt. Ursprünglich von Krefelder Bürgern für ihre Stadt gebaut, hat es in seiner jetzigen Gestalt wieder mehr denn je das Zeug dazu, ein besonderer Ort für Krefeld zu werden.