Kunst-Fotograf macht Schluss

Kunst-Fotograf macht Schluss

Volker Döhne knipste 38 Jahre lang für die Kunstmuseen Krefeld. Nun geht er in den Ruhestand. Seine Fotos sind bald an Litfaßsäulen in der ganzen Stadt zu finden. Kunstmuseen und WZ organisieren dazu ein Gewinnspiel.

Fotografieren, für die Nachwelt Erinnerungen festhalten: Sein gesamtes Berufsleben hat Volker Döhne den Kunstmuseen Krefeld gewidmet. Wenn der Fotograf Ende August in den Ruhestand geht, war er 38 Jahre für ein und denselben Arbeitgeber im Einsatz. „Ich glaube, so lange war noch keiner hier im Haus“, sagt er. Doch bis zum Ende des Monats hat Döhne noch viel zu tun.

Schließlich warten zwei besondere Projekte auf ihn: Sammlungssatellit #1 und #2 — eine neue Ausstellungsreihe der Kunstmuseen. Beim ersten Teil mit dem Titel „Moving Mies“, betreut Döhne das Projekt, bei dem es um die Häuser Lange und Esters geht. Da die Villen von Ludwig Mies van der Rohe bis Jahresende wegen Sanierung geschlossenen sind, hält Döhne die Gebäude fotografisch fest, damit sie im Stadtbild präsent bleiben.

Projekt

Sammlungssatellit

Ab Samstag, 4. August, kann man auf ausgewählten Litfaßsäulen Döhnes Fotografien entdecken, die außergewöhnliche Details der Häuser zeigen und Einblicke in die Sanierungsmaßnahmen geben. Der Fotograf kennt die Architektur-Ikonen wie kein zweiter. „Hier ist man mit Mies van der Rohe sozusagen zwangsverheiratet“, sagt er und schmunzelt. In seiner fast vier Jahrzehnte umfassenden Tätigkeit als Fotograf und Gestalter hat er für unzählige Plakate, Kataloge und andere Publikationen nicht nur die Häuser selbst, sondern auch die Kunst darin fotografiert.

Seine schönsten Projekte über Mies van der Rohe waren die Bücher „Ein Ort für Kunst“ (1995) und „Ein Ort, der denkt“ (2000), die er gemeinsam mit dem damaligen Vize-Direktor Julian Heynen gemacht hat. Das zweite Projekt, das den Fotografen neben „Moving Mies“ beschäftigt, ist eine Ausstellung mit eigenen Werken. Im Nordflügel des Kaiser-Wilhelm-Museums wird es ab Mitte November einen Überblick über Döhnes fotografisches Werk von 1979 bis heute geben. Sofern ihm seine Tätigkeit an den Kunstmuseen Zeit ließ, verfolgte der Fotograf auch eigene künstlerische Projekt und Ausstellungen, etwa 2015 eine Einzelausstellung im Krefelder Kunstverein.

Seine Ausbildung hätte sogar der Auslöser für eine rein künstlerische Karriere sein können. Volker Döhne gehörte zum Kreis der ersten Studenten, der heute so berühmten Düsseldorfer Fotoschule von Bernd und Hilla Becher. „Ich war der zweite Student, der sich bei Bernd Becher eingeschrieben hat“, erzählt Döhne. In diesem ersten Semester 1976 waren sie nur zu sechst, zu den weiteren Kommilitonen zählten Candida Höfer und Thomas Struth. Eigentlich wollte Döhne, der 1953 in Remscheid geboren wurde, nach einer Lehre zum Schriftsetzer Buchkunst studieren. Da der entsprechende Professor plötzlich wegging und mit Bernd Becher eine neue Fotoklasse eingerichtet wurde, entschied sich Döhne für diese Richtung. Schon als Schriftsetzer war er im Zusammenhang mit der Druckvorlagenherstellung mit einer Repro-Kamera in Berührung gekommen und von diesem Medium fasziniert. Von seinem berühmten Lehrer bekam er einen Hinweis, der zum Leitbild seiner Arbeit wurde: „Bearbeite Dinge, die vom Verschwinden bedroht sind.“

Direkt im Anschluss an sein Studium begann er seine Tätigkeit in Krefeld, hatte aber in den ersten Jahren kaum Zeit für eigene künstlerische Ambitionen. In den 1990er Jahren entstanden dann mehrere umfangreiche Serien und eine Publikation. In dem Buch „Gesichtspunkte“ dokumentierte Döhne das damalige Straßenbild Krefelds. Dabei hat er Straßen nicht als Ganzes, sondern detailliert Haus für Haus fotografiert. Ein sachlich-dokumentarischer Blick, der aber dem aufmerksamen Betrachter im zweidimensionalen Bild auch die räumlichen Dimensionen eröffnet. Darüber hinaus machen diese Bilder mit feiner Ironie auch die ganzen Defizite einer Nachkriegsarchitektur sichtbar. Das Buch zog eine Ausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum nach sich, in denselben Räumen, wo Döhne im November ausstellen wird.

Eine ähnliche Spurensuche ist die Serie „Köln am Dom“, die er „Kölns einzigem richtigen Denkmal“ gewidmet hat. In wenigen Wochen erscheint ein Buch über den Grenzverlauf des römischen Limes, den Döhne ebenfalls in den 90er Jahren von Bonn bis Xanten fotografiert hat. Bevorzugt an Sonntagen ist er damals mit der Kamera losgezogen und hat die gesamte Wegstrecke in fast 600 Aufnahmen festgehalten. Großstadtstraßen wechseln mit ländlichen und industriellen Abschnitten ab, ein spannendes Stück Kulturhistorie. „Vieles davon ist heute so nicht mehr erhalten“, sagt er. Für dieses Dokumentieren, mit dem er dem Rat seines berühmten Lehrers folgt, hat er einen eigenen Begriff gefunden: „präventive Archäologie“.

Die Präzision und die Ausdauer eines Archäologen sind Eigenschaften, die ihm persönlich liegen. Effektvolle Starfotografie, wie vielleicht andere Becher-Schüler sie betreiben, ist nicht sein Ding. Trotzdem hat es ihn gefreut, dass er letzten Sommer im Frankfurter Städel Museum an der Ausstellung „Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse“ beteiligt war. Auch die bevorstehende Ausstellung an seiner Krefelder Wirkungsstätte ist ein schöner Schlusspunkt und Auftakt für eine neue Lebensphase.

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