Kunst: Ein besonderes Gespür für Farbtöne

Ausstellung : Ein besonderes Gespür für Farbtöne

Die Malerin Anne Dubber gibt im Café Angelo einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen.

Von Antwerpen nach Krefeld zu ziehen, ist sicher eine große Umstellung. So ganz ist die Künstlerin Anne Dubber hier noch nicht angekommen. Aus privaten Gründen ist sie 2017 wieder in ihre Heimatstadt gezogen. Zuvor war die 50-Jährige acht Jahre in Antwerpen als freischaffende Malerin tätig und hat auch eine Zeit lang in Irland gelebt. Einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen dieser Jahre gibt sie jetzt in einer Ausstellung im Café Angolo an der Angerhausenstraße. „Hier kommen Menschen hin, und Kunst muss unter die Menschen“, sagt sie.

Ohne festes Konzept
und ganz aus der Farbe heraus

Durch die großen Glasfronten kann man bereits von draußen einen Blick in das Innere werfen. Die Raumhöhe sorgt für großzügige Wandflächen, auf denen die Bilder gut platziert sind. Sie fallen sofort ins Auge, fügen sich zugleich sehr gut in ihre Umgebung ein.

Dubber malt in Öl, oft kombiniert mit Eitempera, und ihr Thema ist die Farbe. Ihre Bilder entstehen spontan, ohne festes Konzept und ganz aus der Farbe heraus. Dabei ist es für die Künstlerin ganz wichtig, nach innen zu hören, Unsichtbares wahrzunehmen und dafür dann in der Malerei einen entsprechenden Ausdruck zu finden.

Sie vergleicht ihre Malerei auch mit einer Musik, die in ihr ist. „Ich bin der Resonanzkörper“, sagt sie lächelnd. Das Ergebnis sind Bilder in ganz unterschiedlichen Formaten, denen allen ein lebhafter Gestus gemeinsam ist. „Das entspricht mir als Mensch“, erklärt sie.

Licht und Schatten
prallen aufeinander

Neben der Bewegung gibt es auch ruhige Passagen in den Bildern, und immer wieder fällt das besondere Gespür für Farbtöne auf, die sich nie aggressiv, sondern sehr differenziert geben. Licht und Schatten prallen in dem großen Bild „Isolation“ aufeinander. In einem nicht näher bestimmbaren dunklen Raum leuchten weiß-gelbe Formen wie kleine Lichtinseln. „Treasurehunt“ (Schnitzeljagd) heißt ein Hochformat in kräftigen Grüntönen.

Mit den Titeln der Bilder gibt die Künstlerin nur kleine Hinweise auf die stets abstrakt bleibenden Kompositionen. Dubber wünscht sich, dass der Betrachter selbst eine Beziehung zum Bild aufbaut.

Aber der lebendige Umgang mit der Farbe weist immer auf eine emotionale Basis hin. „Die Farbe hat ein großes expressives Potential“, findet Dubber.

Die Ölfarbe schätzt sie wegen ihrer vielen Möglichkeiten. „Sie ist voller Geheimnisse, kann sehr dünn lasierend oder pastos verwendet werden, vieles ist möglich“, erklärt sie. Die eher flüssige Eitempera erfordert schnelleres Arbeiten und bildet oft die Basis ihrer Bilder.

Manchmal experimentiert die Künstlerin auch mit Sprayfarbe. Zwei Beispiele sind in der Ausstellung zu sehen, die Sprayelemente setzen mit linearen Strukturen und leuchtenden Farben (Orange und Rosa) besondere Akzente.

Dahinter steckt eine Freude am Experimentieren und Ausprobieren. Auch Dubbers künstlerischer Weg ist von dieser Lebendigkeit gekennzeichnet.

Vom ursprünglichen Wunsch, Bühnenbildnerin zu werden, ist sie dann über ein abgeschlossenes Studium der Innenarchitektur zur Malerei gekommen. In Krefeld hat sie jetzt an der Kuhleshütte ein Atelier. Von der Vielfalt der hiesigen Kunstszene ist sie positiv überrascht und fühlt sich mit ihrer ersten Präsentation im Herzen der Innenstadt richtig aufgehoben.

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