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Kufa: Springmäuse auf der Suche nach dem Schwung

Kufa: Springmäuse auf der Suche nach dem Schwung

Das Bonner Ensemble spielte in der Kufa zwei total verschiedene Halbzeiten.

Krefeld. Beim Impro-Theater gibt es eine Art stille Verabredung zwischen Ensemble und Publikum. Sie lautet: Wenn eine Szene misslingt, ist das verzeihlich. Schließlich entstehen die Mini-Geschichten in Echtzeit, als laufender Wahnsinn der Impulse und Ideen. Da kann nicht jeder Gag sitzen, dramaturgische Längen und humoristische Rohrkrepierer sind beinahe unvermeidlich.

Was jedoch das Ensemble der Springmaus dem Publikum in der Kulturfabrik vor der Pause zumutete, stellte dieses Abkommen auf eine harte Probe. Ausgerechnet die Springmaus, könnte man hinzufügen — jenes 30 Jahre alte Theater, das in Bonn Kultstatus genießt, weil es die Kunst der Improvisation traumwandlerisch zuverlässig beherrscht. Große Abende, die das Publikum an den Rand der Zwerchfell-Amputation bringen, sind an der Frongasse keine Seltenheit.

Am Sonntagabend in der Kufa schien es eher so, als hätten Vera Passy, Norbert Frieling, Alexis Kara und Gilly Alfeo kollektiv schlecht geschlafen und seien danach mit dem falschen Fuß aus dem Bett gekrochen. Sage und schreibe 21 Minuten dauerte allein die lahme Aufwärmphase, erst dann waren fünf freiwillige Kandidaten aus dem Publikum gefunden. Mit deren spärlichen Lebensdaten gestalteten die Springmäuse fortan lärmige Songs und lose Szenen, meist ohne Inspiration und mit entsprechend wenigen Lachern.

Vor allem Passy, die als Klischee einer Putzfrau den mangelnden Spielwitz durch Lautstärke ausgleichen wollte, irrte auf der Suche nach dem Schwung vom Soul-Schmachtfetzen zur Senioren-Stuhlgymnastik.

Der Horrorfilm, den sie in dieser Szene auf die Bühne bringen sollte, war da längst Wirklichkeit geworden, das schienen auch die Darsteller zu spüren. Dass später in einer sonst gelungenen Pantomime-Nummer ausgerechnet die frisch operierte Angelina Jolie als kurvige Schönheit herhalten musste, passte irgendwie — die Impro-Meister hatten einen gebrauchten Abend erwischt.

Doch was nach der Pause kam, entschädigte für alles — obwohl die Aufgabe wesentlich anspruchsvoller war. Aus den Lebensgeschichten zweier Zuschauer, einer mexikanischen Studentin und eines Krefelder Krankenpflegers, entwickelten die Springmäuse zwei Mini-Dramen auf höchstem Niveau, die sie am Ende sogar kunstvoll verknüpften.

Hier stimmten sie auf einmal, die gedanklichen Knoten und gewagten Sprünge, die Charakterskizzen und die schnellen Gags. Angetrieben von einem Norbert Frieling in Galaform schubsten und schmissen sich die Springmäuse die Bälle zu, dass es eine helle Freude war.

Was auch immer die Truppe in der Pause zu sich genommen hat — es sollte bitte bald in den freien Verkauf kommen.