1. NRW
  2. Krefeld
  3. Kultur

Kresch: „Johnny Hübner greift ein“

Kresch-Theater : Kresch: „Johnny Hübner greift ein“

Hartmut El Kurdis Geschichte ist die neue mobile Produktion des Jugendtheaters.

Man sollte Bücher nicht nach ihrem Einband beurteilen – das ist klar. Und in so manchem Buch versteckt sich eine so fantastische Geschichte, dass sie einen förmlich zwischen die Blätter, in das Buch selbst, hineinzieht. Dass eine sehr reizvolle Mischung entstehen kann, wenn man das mischt, verspricht die kommende Premiere am Krefelder Schauspiel für Kinder- und Jugendliche mit ihrem Stück ab acht Jahren.

Johnny Hübner ist im
Kresch-Theater ein Obdachloser

Bei der mobilen Produktion – die zu den Kindern etwa in Schulen vor Ort kommt – „Johnny Hübner greift ein“ des Kresch-Theaters dreht sich einerseits alles um die fantastische Welt, die durch das Lesen eines Buches entstehen kann – in unserem Fall ein Piratenbuch. Aber auch um einen Helden – der indes in unserem Fall so gar nicht aussieht, wie man sich vielleicht Helden üblicherweise vorstellt. Wenngleich es durchaus eine lange Geschichte von Helden gibt, die auf den ersten Blick gar nicht als solche erkennbar sind, so ist in diesem Einmannstück, das auch für das Klassenzimmer gedacht ist, jener Johnny Hübner schon eher eine etwas arg sonderbare Figur. Eher wie ein Obdachloser, ein Vagabund, der sein Hab und Gut in einem Einkaufswagen mit sich herumschiebt, wirkt die Rolle, in die Sven Jenkel schlüpft.

Und so einer soll vom „mobilen Geschichten-Rettungskommando“ sein? Aber nur, weil jemand von außen vielleicht weniger hübsch und eben abgenutzt wirkt, wie ein altes, oft gelesenes Buch, heißt es nicht, dass gerade deshalb nicht viel Witz, Kraft und Ideen in ihm stecken – wie eben in einem oft gelesenen alten Buch. Wird hier Obdachlosigkeit verklärt, gar romantisiert? Nun, zumindest aus einer menschlicheren Perspektive als Subtext thematisiert.

Der Autor Hartmut El Kurdi erzählt in der Geschichte die packenden Erlebnisse eines Mädchens, das Bücher über alles liebt und eines Tages ein Piratenbuch zur Hand nimmt. Doch plötzlich wird sie in die Geschichte hineingezogen, mitten auf ein Piratenschiff. Doch wie kann die spannende Piratengeschichte und die Errettung des Mädchens Olga allein durch einen Schauspieler lebendig werden? Wie kann just eine solche Abenteuergeschichte als Einmannstück funktionieren?

Das Stück, das am 2. Oktober um 18 Uhr, auf der Studiobühne II in der Fabrik Heeder (Virchowstraße 130) Premiere feiert, wurde von der Theaterleiterin Isolde Wabra inszeniert. Und sie hat eine wunderbare Idee, die sie gemeinsam mit Sven Jenkel, der übrigens auch Regisseur bei einem anderen, derzeit am Kresch laufenden Stück ist, verwirklicht hat. Die teilweise eher an Müll erinnernden, zumindest aber abgenutzten Sachen, die die Figur des Johnny Hübner, der hier eben ein Obdachloser zu sein scheint, mit sich herumträgt, nutzt man als Requisite, aber auch als „Spielmaterial“ um unzählige Rollen und Figuren anzudeuten. So wie die Fantasie beim Lesen von Büchern dazu anregt, sich vor dem inneren Auge Welten zu erschaffen, so kann dies auch etwa mit einer löchrigen Socke geschehen. (Requisiten Lara Walter, Kostüme Lena Pagonas). Man möchte schön mit Erwartungen spielen, das ist erkennbar.

In dem 50-minütigen Stück gehen die Zuschauer gemeinsam mit Hübner auf Rettungsmission – sie werden behutsam unter Corona-Bedingungen mit eingebunden. So wird etwa auch gemeinsam gesungen, aber mit Maske, die man aber dann „eigentlich“ anzieht „um sich vor dem Piraten zu verstecken“. Man bietet zudem auch einen Workshop (zwei Unterrichtseinheiten) zu dem Stück an.