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Krefelder Verein Provinzgiganten: „Wir möchten in den Kulturausschuss“

Kulturpolitik : „Wir möchten in den Kulturausschuss“

Die Provinzgiganten haben ihre Forderungen an die Kulturpolitik übergeben und reagieren auch auf den Diskurs um ihre Rolle.

Der Verein „Die Provinzgiganten“, der sich für die Belange der „Freien Szene“ einsetzt – worunter eine Vielzahl an Ausprägungen von Krefelder Kultur zu verstehen sind –, hatte angekündigt, Forderungen an die Kulturpolitik und -verwaltung zu übergeben. Zwischenzeitlich sei dies, wie Kolja Amend und Malte Menzer auf die Nachfrage unserer Zeitung hin berichten, geschehen. Bei dem Gespräch, nach der Übergabe der „Agenda“, sei Kulturdezernent und Oberbürgermeister Frank Meyer nicht zugegen gewesen, jedoch andere Vertreter der Stadt. Unter anderem aufgrund des wegen der hohen Inzidenz ausgefallenen Kulturausschusses gab es noch keine offizielle Reaktion der Stadt und Politik auf die Forderungen, die im Wortlaut unserer Redaktion vorliegen und deren zentrale Punkte wir nennen wollen.

Viele Forderungen sind schon lange Teil des Diskurses

Die Präambel des Papiers, das am 12. April auch an die Kulturbeauftragte Gabriele König, die kulturpolitischen Sprecher der Parteien und auch Heinrich Rungelrath vom Kulturrat gegangen ist, fasst nochmals sowohl die Sicht als auch das Selbstverständnis der Vereins „Provinzgiganten“ zusammen. Es geht um die zentrale Bedeutung der „freien Kunst- und Kulturszene inklusive der Veranstaltungswirtschaft für die Stadt“, auch um die schwierige Lage durch die Corona-Krise und eine Aufforderung zum Handeln, wobei die Provinzgiganten weiterhin betonen, den Prozess mitgestalten zu wollen und zeitgleich eine „Anerkennung der Wichtigkeit“ und damit einhergehende „Professionalisierung der Strukturen“ fordern.

Viele der Forderungen, so erklärt Amend, die die Provinzgiganten nun stellten, seien indes gar nicht neu, wobei er sich auf immer wieder auf verschiedenen Ebenen formulierte Zielsetzungen von Kulturpolitik bezieht. Doch viel getan hätte sich nicht, ergänzt er. Die Provinzgiganten seien auch auf den Plan getreten, weil andere Vereine versäumt hätten, aktiv für die freie Kunst- und Kulturszene einzutreten.

Die nun übergebene Agenda formuliert folgende Punkte, die in den „nächsten Jahren fest im Haushalt“ zu „verankern“ seien. An oberster Stelle stehe die Schaffung einer „Kulturagentur“ der freien Szene, die aber in dieser ansässig und für diese tätig sein solle. Ein Service-Büro für die Freie Szene. Netzwerken, nach innen und außen, oder Projekte und Fördermittel organisieren, grundsätzlich eine „kommunikative Schnittstelle zur Verwaltung und Politik“ sein solle diese Position. Auch die Edukation der Kulturakteure, etwa sie bei der Projektentwicklung oder im Umgang mit der Verwaltung zu unterstützen, sei Aufgabe. Die Reihe ist ausgiebig, die Aufgaben reichen von der Herstellung eines barrierefreien Krefelder Kulturkalenders über Nachwuchsarbeit, Diversität, Kulturvermittlung bis hin zu Aufbau von Städtepartnerschaften.

In einer etwas versteckten Anmerkung ist zu lesen: „Die Provinzgiganten erklären sich bereit, dass die Kulturarbeitenden Stellen bzw. die ,Kultur-
agentur’ bei ihnen angesiedelt werden.“ Wie diese Stelle genau ausgestaltet werden müsse, dies sei noch in Prozess der Überlegungen. Amend und Menzer erläutern, dass es darum gehe, weniger eine neue Stelle im Verwaltungsapparat der Stadt zu schaffen, sondern eine Position auszuschreiben, die aus Kenntnis der Szene heraus in und aus der Szene wirken könne.

Die Provinzgiganten wollen weiterhin aktiver Akteur sein, dies betonen sie stets. Wünschen sich beispielsweise neben dem Kulturrat, dessen Teil sie derzeit aber nicht sein wollen, mit dem sie den Dialog aber intensiv fortführen wollen, auch einen Platz im Kulturausschuss. „Wir möchten in den Kulturausschuss“, sagt Amend.

Hiermit reagieren sie auf einen Artikel der WZ, in dem der Kulturrats-Vorsitzende Rungelrath vorgeschlagen hatte, die Provinzgiganten sollen auch Mitglied im Kulturrat werden. Amend und Menzer sehen ihren Verein aber mehr in einer unabhängigen selbstständigen Position. Wie mehr und mehr deutlich wurde, mit einer eigenen Agenda, die in seiner Zielsetzung sich von dem Aktionsradius des Kulturrats unterscheidet. Man betont, dass der Kulturrat durch seinen Fokus auf Institutionen eine indes wichtige, aber andere Rolle für sich definiert habe. Dies liege vor allem auch daran, dass in dem Verein nur Körperschaften, keine natürlichen Personen Mitglied sein können. Zudem als „nur ein Teil des Kulturrats“ werde man schließlich dem Gewicht dessen, was man als Provinzgiganten vertrete – nach eigener Vorstellung die „Freie Szene“ in seiner ganzen Breite – nicht gerecht. Zeitgleich zu alledem könne die rein ehrenamtliche Tätigkeit der Provinzgiganten in dem Ausmaß nicht mehr weitergeführt werden; daher brauche es diese auch schon oben erwähnte „Professionalisierung“.

Die zweite Kernforderung ist die dauerhafte Einrichtung des Kulturfonds. Aktuell in der Pandemie, vornehmlich mit dem Ziel der Hilfe zur Selbsthilfe der freien Kultur, aber auch „Ausgleich der Einnahmeausfälle analog stattfindender Formate“. Nach der Pandemie, um die „Durchführung von künstlerischen Formaten zu fördern, die sich nicht selbst tragen, jedoch einen gesellschaftlichen und/oder Imagegewinn für die Stadt darstellen und somit nachhaltig sind“. Und zudem, um die „kommunalen Anteile oder Eigenmittel durch städtische Förderung zur Ergänzung von Landes-, Bundes- oder EU-Förderungen“ sicherzustellen.

Auch sollen große Netzwerk-Veranstaltungen, wie etwa das Kultürchen, finanziert werden und die Bedarfe der Kunst- und Kulturszene im Rahmen einer groß angelegten Erhebung erfasst werden. Hierbei gehe es auch darum, das „Aufgabenbild der Kulturarbeiter zu schärfen“ oder auch „Meilensteine“ zu definieren, diese indes auch als Controlling-Instrument zu überprüfen.

Nun sind Reaktionen von Verwaltung und Politik gefragt

Weitere Diskurse sind nach wie vor nötig. Diesmal in Bezug zu den in der Agenda niedergeschriebenen Ideen seitens der Politik und der Stadtverwaltung, die nun zu eruieren hat, wie diese sich mit den bereits vorhandenen Planungen und Zielsetzungen einer Krefelder Kulturpolitik unter einen Hut bringen lassen. Wie die Ideen und die geplanten Schnittstellen sich zu den Rollen von Kulturbüro oder auch Stadtmarketing verhalten.

Zentral scheint auch zu sein zu definieren, welche Repräsentanzen jeweils welche Sphären der vielfarbigen und diversen Krefelder Kulturlandschaft abdecken und welche nicht. Hier herrscht derzeit noch eine vielleicht gar nicht so einfach nachjustierbare Unschärfe.