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Krefelder Schüler machen aus Shakespeare-Komödie ein Mafia-Theater

Theater : Mafia-Theater in der Shedhalle

Das Intrigenstück „Viel Lärm um nichts“ transponierte die Theatertruppe des Hannah-Arendt- Gymnasiums auf die Mafia.

Familienintrige, Held und Heldin, das kontrastierende Paar, William Shakespeare schrieb die Komödie „Viel Lärm um nichts“ um 1598 und stellte die Herrschaftsverhältnisse des Adels und seine Intrigen zur Durchsetzung seiner Interessen bloß.

Das Intrigenstück transponierte die Theatertruppe des Hannah-Arendt-Gymnasiums auf die Mafia, mit ihren vergleichbaren Familienstrukturen und Abhängigkeiten. Nach der Rückkehr aus dem Krieg verliebt sich Graf Claudio in Hero, die Tochter des Gouverneurs Leonato, dessen Anliegen es ist und sein muss, den richtigen Mann für seine Tochter zu finden, der in der Lage ist, Besitz und Familie zu leiten, schließlich hat er selbst keinen Sohn. In dieser Aufführung, die in das Milieu der Mafia verlegt wurde, wird der Sinn insofern verfälscht, da der „Boss“ hier Leonata, also Leonata Scordia, ist, sozusagen die „Mafia-Mutter“. Claudio bittet Don Pedro, an seiner statt um die Braut zu werben, die Verwicklung wird gelöst, dann aber spinnt Pedros Halbbruder eine teuflische Intrige. Das gelingt dadurch , dass Claudio die Untreue seiner Braut vorgespielt wird. Erst die Darstellung ihres vermeintlichen Todes (sie war in Ohnmacht gefallen) führt zur Versöhnungsszene, in der Claudio reuig um Verzeihung bittet. Dann wird ihm gesagt, er werde eine Nichte Leonatas heiraten (wiederum eine Täuschung), Claudio und Hero sind aber dann zuletzt als Paar versöhnt.

Was bei Shakespeare die Intrigen der Adligen sind, wird in dieser Schüleraufführung auf die Mafia übertragen. Auch hier herrscht die patriarchale Macht, die Frage, wer darf die Tochter des „mächtigen Bosses“ heiraten, wer will das, wer ist heftig dagegen, auch hier gibt es den guten und den boshaften Menschen. Verhaftung, Verhör, heftiger Widerstand mit Geschrei und Schlägen, Festnahme auf der Flucht sind Handlung erweiternde Beigaben im Stück, die das Umfeld der Verknüpfungen verdeutlichen sollten.

Die Aufführung des Stückes war bereits für den März des Jahres geplant, musste aber Corona-bedingt verschoben werden und fand nun in der Alten Samtweberei statt, die die Bedingungen des Abstandhaltens erfüllte. Erschwerte Bedingungen für die jungen Akteure war der Maskenzwang während des Spiels, sobald mehrere Personen auf der Bühne waren. Umso mehr ist die Leistung der Schüler hervorzuheben. Die Schüler versuchten sich mit ihrer Rolle zu identifizieren, und es gelang einigen, sich frei auf der Bühne zu bewegen, unter Anderen Lara Yilmaz als Beatrice und Othman Elqarqouri, wie Soraya Greco als Leonata und Rosa Rebel als Hero. Shakespeare in mafiosen Strukturen. Und doch, ein glückliches Ende. Eine starke Leistung der Theatertruppe.