Krefelder Künstlerleben: August Pigullas Welt aus Licht und Glas

Krefelder Künstlerleben: August Pigullas Welt aus Licht und Glas

Mit 91 Jahren schaut der Krefelder zurück auf ein reiches Schaffen. Eigentlich wollte er Musiker werden.

Krefeld. Auf dem Tisch liegen sorgfältig beschriftete Mappen. Sie enthalten Entwurfsskizzen, Fotografien und Zeitungsartikel. Es sind Dokumente eines reichen Künstlerlebens. „Ich wollte ein bisschen Ordnung in die Dinge bringen“, sagt August Pigulla, der im Rheinland zu den bedeutenden Glaskünstlern nach 1945 zählt.

Dass er kurz vor seinem 91. Geburtstag steht, sieht man dem zierlichen alten Herrn nicht an. Erst kürzlich hat er sechs neue Fenster für die Kirche St. Bonifatius in Moers-Asberg entworfen. Derzeit werden die ersten beiden Fenster von der Glasfirma Derix in Kevelaer umgesetzt. Für den Künstler bedeutet das, regelmäßig vor Ort zu überprüfen, ob die Entwürfe auch entsprechend ausgeführt werden.

Noch heute ärgert er sich über zu transparentes Glas, das 1965 bei Fenstern einer Krankenhauskapelle in Köln verwendet wurde. „Man hat nicht darauf geachtet, dass Bäume vor den Fenstern stehen, was die Lichtverhältnisse verfälscht.“

Das zeigt, wie umfassend sich der Künstler auch immer mit dem Ort auseinandergesetzt hat. Er hat auch viele Arbeiten für den öffentlichen Raum geschaffen, darunter mehrere Wandmosaike. Ein prominentes Beispiel dafür ist das Flächenmosaik aus Glas und Stein am ehemaligen Hauptzollamt am Jungfernweg.

An den Niederrhein kam Pigulla erst nach dem zweiten Weltkrieg. Geboren und aufgewachsen in Oberschlesien, galt seine Liebe zunächst der Musik. Er nahm intensiven Geigenunterricht, doch Krieg und Militärdienst in Russland machten eine Musikerkarriere zunichte. Über seinen Bruder, der hier inzwischen verheiratet war, kam Pigulla nach Krefeld, wo er in verschiedenen Bereichen arbeitete.

Ein Zeitungsartikel über Gustav Fünders, der damals Glasmalerei und Mosaikgestaltung an der Werkkunstschule lehrte, wurde zum Auslöser seines Werdegangs. „Das hat mich angezogen, das wollte ich machen“, erinnert sich der Künstler. Er wurde in die später so berühmte Fünders-Klasse aufgenommen, machte 1956 sein Staatsexamen und wurde Meisterschüler.

Noch heute hat er warme Worte für seinen Lehrer, der ihn sehr gefördert hat. So bekam er schon 1960 den Auftrag für zwei jeweils sechs Meter lange Mosaikbänder für die Düsseldorfer Gewerbeförderungsanstalt. Die Glas- und Mosaikgestaltung erlebte damals einen großen Aufschwung und ermöglichte es Pigulla, über viele Jahre freischaffend tätig zu sein.

Neben Glasfenstern und Mosaiken entstanden Metallskulpturen und Reliefs, bei denen er immer neue Techniken ausprobierte. „Ich könnte nicht immer bei einer Sache bleiben“ betont er. Als Lehrer an der Fachhochschule Dortmund gab er 20 Jahre lang seine Kenntnisse weiter.

In den vergangenen zehn Jahren beschäftigt er sich intensiv mit thermischen Gravuren. Dabei werden mit einem Lötkolben Strukturen in Acrylglasflächen eingeritzt. Solche kleineren Arbeiten entstehen noch heute in seinem Atelier, das er nun in seine Wohnung integriert hat.

Seit 40 Jahren lebt er in der Nähe des Moltke-Gymnasiums. Hier hat er mit seiner inzwischen verstorbenen Frau zwei Söhne und eine Tochter großgezogen. Regelmäßigen Kontakt hat er zu seinen beiden erwachsenen Enkelkindern. In die künstlerischen Fußstapfen ist keiner aus der Familie getreten, was Pigulla aber nicht bedauert. „Man muss in der Kunst vieles umsonst machen und Geduld haben“ sagt er.

Ein Buch über sein Lebenswerk zu schreiben, hat er aus Altersgründen abgelehnt. Dafür plant er eine eigene Internetseite. Auch dahinter steht der Wille, dem reichen Künstlerleben eine ordnende Struktur zu geben.

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