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Krefelder Hauptbahnhof: Lichttunnel macht Günter Dohr unvergesslich

Kunst im Krefelder Hauptbahnhof : Lichttunnel macht Günter Dohr unvergessen

Manche Menschen im Hauptbahnhof bleiben stehen und schauen: Das bekannteste Lichtobjekt des Künstlers Günter Dohr in Krefeld ist diese Installation.

Die Menschen im Hauptbahnhof eilen vorbei, haben oft nur einen kurzen Blick für die Kunst rechts und links vom langen Fußgängertunnel, hasten zum Zug. Manche, die mehr Zeit haben, bleiben stehen und schauen. Das bekannteste Lichtobjekt des Künstlers Günter Dohr in Krefeld ist diese Installation. Hinter Milchglas illuminieren je elf Leuchtstoffröhren den Gang an beiden Seiten, bringen dezente Farbe in den Tunnel – immer, auch zu Corona-Zeiten. Die „Fenster“ oder „Leuchtkästen-Segmente“ an den beiden Seitenwänden zwischen Südausgang und großer Halle schimmern in Pastell: Gelb, Grün, Lila, Rot, Blau und auch Weiß.

Die Farben sollen die Schritte
der Passanten verlangsamen

Licht und Farbe waren stets das große Thema in der Arbeit des Professors für Objekt-Design an der Hochschule Niederrhein mit Schwerpunkt Lichtgestaltung. Diese, im Hauptbahnhof, entstanden zwischen 1987 und 1992. „Im Vorbeigehen“ nannte Dohr die Installation. Dadurch wird der 2015 mit 78 Jahren gestorbene Mann in Krefeld unvergessen bleiben.

Auch wenn vielleicht im ersten Moment der Eindruck von hinterleuchteten, aber grade leeren Werbeschaukästen entstehen mag, so relativiert sich dieses Empfinden schnell. Vielmehr scheinen die zahlreichen Leuchtkästen den hastenden Passanten in ihrer unterschiedlichen Farbgebung auf seinem Weg begleiten zu wollen.

Dabei bewirke die unterschiedliche Rhythmisierung der gleichhohen, aber verschieden breiten und dabei gegliederten Leuchtkörper unweigerlich ein Stolpern in der Wahrnehmung, schreibt Kunst in Krefeld. Folge davon sei eine Verlangsamung der Schritte. „Günter Dohrs Lichtinstallation hält der Hektik des Bahnhofs kurz etwas entgegen. Nicht pathetisch und auch nicht didaktisch, sondern ganz bewusst nur ,im Vorübergehen`.“

Es war nicht nur die bloße Darstellung von Licht, die Günter Dohr faszinierte. Vielmehr war es das spannungsvolle und sich stets neu definierende Verhältnis von Licht und Farbe, das im Zentrum seines Werkes stand.

Über die kinetischen Lichtobjekte fand Dohr 1979 zurück zur Malerei. Neben Leuchtkästen, farbigen Lichtobjekten und Lichtinstallationen entstanden Gemälde und Aquarelle, in denen der Künstler nahezu forschend Licht mit dem Mittel von Farbe sichtbar machte. Diese Arbeiten seien Ausdruck eines reflektierenden, bisweilen sogar zögerlichen Schaffens, heißt es in einer Galerie-Beschreibung. Nie entstanden sie in einem Zug, immer zeigen sie eine konzentrierte, fast meditative Haltung.

Von seinen Bildern zeugt eine frühere Ausstellung im Kunstverein, die Dohr „Im Licht, in der Farbe“ getitelt hatte. In seine Öl- und Acryl-Bilder versucht Dohr das Licht, sein großes Thema, zu bannen. „Im Universum Günter Dohr ist alles Farbe“, sagte der damalige Kurator Thomas Janzen. In diesen Bildern könne man sich verlieren. „Nur über die Empfindung kann man sie wahrnehmen. Die Bilder benötigen Zeit vom Betrachter“, betonte Janzen.

Gleiches galt für die Installationen: „Statisches Objekt 1“ hüllte den dunklen Raum in ein scheinbar warmes Rot ein und „Statisches Objekt 2“ breitete sein Blau intensiv durch den Vorraum aus. Auch hier nötigte Dohr dem Betrachter Zeit ab, um sich auf die Objekte ernsthaft einlassen zu können. „Das Licht-Universum des Günter Dohr ist so eine Entdeckungsreise zu den eigenen Sinnen und Empfindungen“, sagt Thomas Janzen.