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Krefelder Burg Linn bekommt neue Dauerausstellung – mit Hilfe von Praktikanten

Museum : Burg Linn bekommt neue Dauerausstellung – mit der Hilfe von Studenten

Zwei Studenten der Hochschule Rhein-Waal unterstützen die Historiker und Archäologen des Museums bei der Gestaltung der Schau.

„Wir greifen in das Herzstück des Museums Burg-Linn ein – nämlich die Burg“, sagte Museumsleiterin Jennifer Morscheiser bei einem Termin, bei dem es um große Veränderungen in der Ausstellungspräsentation des Hauses gehen sollte.

Die beiden Räume in der Burg, um die es geht, tragen die Namen Renaissance-Saal und Barock-Saal. Aber nicht etwa, weil sie aus jenen Epochen stammen, sondern noch zu Zeiten als man so etwas wie Epochensäle in Museen zu bestimmten kulturgeschichtlichen Phänomenen schätzte, mit zumeist ortsfremden Exponaten aus jenen Zeiten gefüllt waren. Historismus, historisierende Säle, Präsentationen, die den Anschein einer „historischen“ Anmutung haben und somit eher Stimmungen als geschichtliche Wahrheit transportieren, sind derzeit zwar in einer postmodernen Deutung wieder zumindest diskutabel, aber dennoch weitestgehend nicht in Mode.

Die bis jetzt in den Räumen des Museums Burg-Linn, besser gesagt der Burg selber, untergebrachte Dauer-Ausstellung, die eigentlich mehr ein Provisorium war, hat schlussendlich seine Zeit (aus-)gedient. Eine würdige Präsentation der örtlichen Geschichte, zudem des Phänomens des Rittertums, sollte her – wohl, wie man uns berichtet, auf mehrfachen Wunsch der Besucher. Jene sollten mit mehr „wirklichem“ Wissen aus einem Besuch der Burg über die historischen Fakten nach Hause gehen, als sie gekommen waren. Ohnehin liefern Räume wie die Rittersäle, die auch anderweitig genutzt werden, auch schon einiges an „Stimmung“.

Ausstellung soll während und auch nach Corona funktionieren

Doch im Rahmen der Konzeption dieser neuen Dauer-Ausstellung, die ein erster Schritt in einem längerfristigen Prozess sein soll, gab es einige Probleme zu überwinden. Nicht nur Corona-konforme Planungen, die auch jetzt und in Zukunft funktionieren sollen. Nicht zuletzt auch ein Kompetenzproblem und ein finanzielles Problem. Finden sich im Team des Museums – Boris Schuffels fungiert als Kurator der Ausstellung – zwar Fachleute für Geschichte oder auch Archäologen, so erklärte man uns ganz offen, sei die Gestaltung einer Ausstellung „nicht die Fachkompetenz“ der Belegschaft. Und die Hausmittel würden nicht ausreichen, um sich ein Büro einzukaufen, dass das Ausstellungsdesign übernimmt. Die Lösung für das Problem sahen die Verantwortlichen des Museums in zwei Praktikanten, Felix Groß und Patrick Binzenhöfer, die im Dialog mit Schuffels das Design übernehmen sollten. Für ihre Arbeit wurden sie sogar dank eines Stipendiums der Bürgerstiftung Krefeld entlohnt, bei Praktika sonst nicht üblich. Beide Studenten des Studiengangs Medieninformatik der Hochschule Rhein-Waal, auf die Schuffels über ein Projekt aufmerksam geworden war, bei dem es um die „Rekonstruktion“ der Monterburg ging.

Vorgegeben war die Idee, keinesfalls historistisch, also in einem pseudo-mittelalterlichen Look, Exponate – sowohl Replikate als auch Originale – so zu zeigen, dass anhand dieser Ausstellungstücke die „Geschichte“ erzählt werden könne. Das Museum hatte zuletzt eine als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellte extensive Sammlung an Nachbildungen von Rüstungen und Waffen von einem Kölner Sammler erhalten. Diese will man nun „modern“, wie es hieß, präsentieren. Eine verbundene Stellwandreihe mit Nischen zeigt dann Rüstungen in der Entwicklung der Zeit, dazu passende Erläuterungen und illustrative Hintergründe. Das Beispiel, was nun gezeigt wurde, spricht eine relativ zeitlose Designsprache, die aber indes keinerlei Bezug zu ästhetischen Spezifiken der Burg Linn erkennen lässt. In den Räumen sollen zudem auch weitere Infotafeln, aber auch Vitrinen stehen; diese werden in das Gesamtkonzept, soweit ein kuratorisches denn existiert, eingebunden.

Im zweiten Raum wird auch ein Ritter zu Pferde zu sehen sein verbunden mit Museumspädagogischen Stationen. Gibt es zwar schon Simulationen und einen mit entsprechenden Platzhaltern versehenen Grundriss, so lässt sich letztendlich derzeit eher nur ein abstraktes Bild von der Gesamtwirkung machen. Mit den beiden Räumen fertig sein will man im Januar oder Februar 2021. Danach plane man den Bergfried und den Burghof in Angriff zu nehmen, hieß es.