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Krefeld: Von Japan ins blaue Atelier in Hüls

Malschule wird 25 Jahre alt : Von Japan ins blaue Atelier in Hüls

Der Krefelder Künstler Ulrich Helbig hat sich mit seiner Reise einen Lebenstraum erfüllt.

Ulrich Helbig liebt Japan, das Land der aufgehenden Sonne. Ebenso ist es mit der Farbe Azurblau, die den Himmel mit seinen Wolkenformationen markiert. Beide Leidenschaften bringt der 65-Jährige in seiner Ausstellung „Back from Japan“ zusammen. Damit feiert er sein rund 50-jähriges Schaffen als freischaffender Künstler. Der Hülser leitet darüber hinaus seit 25 Jahren seine Malschule. „Ich habe mir im Frühjahr vergangenes Jahr einen Lebenstraum erfüllt und bin zum ersten Mal nach Japan gereist. Ganz alleine, sechs Wochen lang nur mit Handgepäck, zur Kirschblüte“, erzählt er. „Ich war begeistert von der majestätischen Erhabenheit des heiligen Berges Fuji, den ich noch auf 200 Kilometer Entfernung sehen konnte. Kyoto ist eine der geschichtlich und kulturell bedeutendsten Städte Japans. Ich habe Okinawa, eine wunderschöne, subtropische Insel, besucht. Ise ist eine Stadt der japanischen Hauptinsel Honshū, einer landwirtschaftlich geprägten Region, wo Tee und Orangen angebaut werden.“

2500 Fotos von seiner Reise
sind die Vorlage seiner Bilder

2500 Fotos hat er mitgebracht. Einige von ihnen dienen ihm nun in seinem – natürlich azurblau angestrichenen – Atelier an der Krefelder Straße als Vorlage für Gemälde. Das rote Tor im Wasser vor der Insel Miyajima hat er schon auf einer großen blauen Leinwand verwirklicht. „Man kann bei Ebbe durch das Tor hindurchgehen“, schwärmt der Künstler. Was er auch entdeckt hat, sind die verschieden gestalteten Kanaldeckel in den Städten. „Das erkennt man nur mit dem Blick nach unten, wenn man alleine ist“, findet er. „Dafür hat oftmals ein Künstler Pate gestanden.“

„Die Blauen“. Damit bezeichnet Helbig eine Schaffensperiode, die er seit 2018 pflegt. Eine ganze Reihe Leinwände stehen schon parat, azurblau bemalt, um die Motive aus Fernost mit Pinsel und Ölfarbe auf diesem Hintergrund aufzunehmen. Mit der neuen Schaffensperiode ging auch eine Veränderung seines Malstils einher, die der reinen Sachlichkeit der 1920er Jahre ähnelt. „Hier habe ich Motive aus Hüls verarbeitet wie den alten Bahnhof, die Klausur, den Markt oder die Rektoratsstraße.“

Neben dem Blick auf die Sehenswürdigkeiten des Landes hat sich Helbig vor Ort in der asiatischen Kampfsportkunst Karate geübt. „Ich betreibe sie seit 33 Jahren und habe in Japan zehn Stunden bei Großmeister Arakaki genommen. Mich fasziniert dabei das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele.“ Fast immer habe Karate auch philosophische Ansätze, die zur Entspannung, Meditation und sogar zur geistigen Erleuchtung dienen.

Außerdem ist der Künstler — nach eigenen Angaben — ein Sympathisant des Buddhismus, der die Lebenseinstellung vermittelt, die Dinge zu nehmen, wie sie sind. Was ihn nicht davon abhält, im wahrsten Sinne des Wortes auf Corona 2020 zu schießen. Er hat den Schriftzug in Form eines Kreuzes aufgemalt und das Papier auf einer Leinwand befestigt. Per Bogenschießen hat er es bei seinen täglichen Übungen durchlöchert. „Jetzt will ich den Schriftzug von einem Schmied realisieren lassen und ihn dann ausstellen.“

Eindrücke von seiner Reise wird er wohl auch seinen jugendlichen und erwachsenen Schülern seiner Mal- und Zeichenschule, seinem zweiten beruflichen Standbein, zukommen lassen. Sie besteht jetzt seit 25 Jahren. „Im Atelier gebe ich meine Erfahrungen als Künstler weiter.“