Ausstellung Vom Tuschestrich bis zur gespachtelten Farbfläche

Krefeld · Die Ateliergemeinschaft in der alten Volksschule an der Marktstraße lädt zur Pausenhofausstellung ein.

 Besucher sollen sich in der Kunst und der ehemaligen Schule verlieren, dazu laden die Künstler (v.l.) Christine Prause, Frank Bernemann, Inken Horn, Peter Schmitz, Susanne Pochowski und Barbara Freundlieb am Wochenende ein. 

Besucher sollen sich in der Kunst und der ehemaligen Schule verlieren, dazu laden die Künstler (v.l.) Christine Prause, Frank Bernemann, Inken Horn, Peter Schmitz, Susanne Pochowski und Barbara Freundlieb am Wochenende ein. 

Foto: Ja/Jochmann, Dirk (dj)

Also langsam sollte vielleicht doch einmal ein Hausmeister hier vorbeischauen? Von Jahr zu Jahr wuchert der Hof der alten Volksschule auf der Marktstraße 161 immer mehr zu. Gut, ein Baum wurde inzwischen gefällt. Vielleicht war er ein Hitzeopfer? Müßig bleibt es, über all dies zu spekulieren, denn in der Schule hat ja auch die Schulpflicht für Schüler lange ausgedient. Aber mehrere Künstler folgen in den alten Klassenzimmern seit geraumer Zeit ohne Pflicht ihren Neigungen und präsentieren einmal im Jahr ihre Kunst der Öffentlichkeit. „Pausenhof­ausstellung“ nennen sie das. Am Wochenende, 31. August und 1. September, ist es wieder so weit.

Christine Prause

Die Malerin Christine Prause, die sonst gerne figürlich arbeitet, zeigt acht neue Arbeiten, die ausschließlich abstrakt sind. Auf quadratische Holzplatten mit einer Kantenlänge von 40 Zentimetern hat sie Farbflächenbilder gemalt. Pro Bild hat sie zwei Farben benutzt, die Acrylfarben hat sie teils in mehreren Schichten mit einem Spachtel aufgetragen. Dabei ergaben sich im Arbeitsprozess zufällig verschiedene Deckungsgrade, Strukturen, Linien. Das macht diese Kompositionen spannend.

Frank Bernemann

Frank Bernemann zeigt ein weiteres Mal Wachsobjekte, die wie Tafelbilder wirken. Mal ritzt der Künstler seine figürlichen Motive in vorher grundiertes Holz und füllt die entstanden Leerräume mit Wachs auf, oder er ritzt in flächig aufgetragenes Wachs, oder er überlagert Fotocollagen durch darüber liegende Wachsschichten. Alle Techniken dienen nach wie vor der Verfremdung der als Basis dienenden Fotos. Frank Bernemann hinterfragt damit weiterhin die Wahrnehmung der Betrachter.

Peter Schmitz

Ein fiktives Portrait und zwei Portraits mit realen Vorbildern zeigt Peter Schmitz auf großen Ölbildern. Auf dem fiktiven Portrait räkelt sich eine fast nackte Frau. Anstelle eines Menschen- hat sie jedoch einen Hundekopf. Diese surreale Verfremdung verstört. Die zwei weiteren Bilder zeigen einen jungen Mann und eine Frau. Gemeinsam haben beide, dass sie sehr in sich selbst versunken scheinen, unfähig oder unwillig zu irgendeiner Form von Kommunikation.

Susanne Pochowski

Auch Susanne Pochowski ist ihrem Thema treu geblieben. Das ist die Beschäftigung mit geometrischen Grundformen. Wie im letzten Jahr hat sie sich jetzt wieder mit dem Kreis auseinandergesetzt. Über drei Bilder kann man bei ihr verfolgen, wie regelmäßige Anordnungen von Kreisen auf unregelmäßige Strukturen treffen und dabei mehr oder weniger hervor- oder zurücktreten. Eine strudelartige Struktur lenkt etwa auf einem Bild mit ihrer Sogwirkung fast völlig von den Kreisen ab.

Inken Horn

Inken Horn zeigt 16 kleinformatige Tuschezeichnungen. Die Grundlage für ihre figürlichen Arbeiten sind zwar Fotos, aber allein schon durch Verschiebungen oder Spiegelungen ähnelnde Verdoppelungen verfremdet sie ihre Motive. Die Bilder setzen sich aus sehr feinen Strichmustern zusammen, die beim Betrachter sofort die Frage provozieren: Wie lange mag die Künstlerin wohl für ein Bild gebraucht haben?

Barbara Freundlieb

Mit vier großformatigen Acrylbildern ist Barbara Freundlieb vertreten. Sie bezeichnet ihre Vorgehensweise als „experimentelle Malerei“. Das heißt, dass die Künstlerin zwar mit einer Idee zu einem Motiv beginnen mag, aber die endgültige Bildgestaltung ergibt sich bei ihr erst im Prozess. Wieder und wieder übermalt Freundlieb ihre Leinwände, um etwa zu abstrakten Farbkompositionen oder zu einer sehr reduzierten Figürlichkeit zu gelangen. Die Ausdrucksstärke ihrer Arbeiten überzeugt nach wie vor.