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Krefeld: Theater um einen Stein im Museum

Kultur für junge Menschen : Theater um einen Stein im Museum

Kresch-Theater und Museum Burg Linn ziehen in szenischen Lesungen für Schulklassen als Stream Parallelen zwischen Geschichte und Gegenwart.

Ein archäologisches Museum und ein Kinder- und Jugendtheater – man würde nicht sogleich darauf kommen, dass dies eine sinnvolle Kombination, eine zielführende Kooperation sein könnte. Kommt dann noch ein besonderes Artefakt, ein Weihestein, sieben Geschichten von sieben Autoren aus der Sphäre der Fantasy dazu, wird dies alles dann auch noch mithilfe eines interaktiven Streams live in die Kinderzimmer von Schülerinnen und Schülern transportiert, so wirkt die Ansage von den Leiterinnen durchaus passend. Jennifer Morscheiser, Leiterin des Museums Burg Linn, und die Chefin des Kresch-Theaters, Isolde Wabra, übertreiben nicht, wenn sie sagen, dass ihr gemeinsames Projekt unter dem Titel „Die Matrone und die sieben Albinii“, das ein modernes antikes Märchen sein soll, in der Art und Weise schon etwas ganz Neues ist. „So etwas gab es noch gar nicht, weltweit.“

Autoren schrieben Geschichten zu den Namen auf dem Stein

Ganz unkompliziert ist es nicht, die Idee zu beschreiben. Vielleicht lohnt auch ein kurzer Exkurs mit etwas allgemeineren Überlegungen. Denn mit dieser Idee, die inmitten des November-Lockdowns entstand und in kurzer Zeit realisiert wurde, durch das offenbar brennend begeisterte Engagement aller Beteiligten – immerhin mussten von sieben Autoren sieben Geschichten zu den sieben Albinii geschrieben werden –, durchbricht man mehrere Mauern. Einerseits die zwischen Fantasie und musealer Geschichtspräsentation, zwischen Theater- und Museumspädagogik, zwischen ortsspezifischer Performance, Lesung und Jugendtheater; die Reihe könnte man beliebig reihen. Sicherlich kann ein solches Projekt auch Vorstellungen aufbrechen. Davon, wie junge Menschen an verschiedene Bereiche von Kultur und Geschichte – kurz Bildung – herangebracht werden können und dies auch noch auf eine möglichst frische Art. Rein inhaltlich geben uns die Macher folgende Eckpunkte an die Hand:

Das homeschoolingfähige Theaterstück solle die „aktuellen weltpolitischen Herausforderungen und Fragestellungen, wie zum Beispiel die Coronapandemie in antikem Gewand“ ins Zentrum stellen. Als Stein des Anstoßes im wahrsten Sinne fungiert ein römerzeitliche Weihestein aus dem Kastell Gelduba. Auf diesem Stein sind eben die Namen von sieben Menschen mit dem Namen „Albinus“ verewigt. Der Stein ist der „Matres Octocannae“ gewidmet. Eingebettet ist das Ganze in geschichtliche Ereignisse aus der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts nach Christus.

Eine krisenhafte Zeit. Ein Klimawandel, Abkühlung, trieb die Menschen vom Norden in den Süden, es gab Religionskonflikte, kriegerische Auseinandersetzungen, die Markomannenkriege, und schließlich sogar eine Seuche, die „Antoninische Pest“. Und dennoch gab es Menschen, die immer auch Licht am Horizont sahen. In diesen Mantel hinein inszeniert man fiktive Lebensgeschichten von den oben genannten sieben Albinii.

Und wenn in Krefeld die Begriffe „fiktiv“ und „Geschichte“ fallen, so liegt der Schwenk zur fantastischen Literatur nicht weit. Sieben Autoren aus der Szene, Julia Kulewatz, Christine Lehnen Jenny-May Nuygen, Fabienne Siegmund, Christian von Aster, Akram El-Bahai und Bernhard Hennen, schrieben sieben Geschichten, die als szenische Lesung, als Dialoge zwischen den beiden Schauspielern Thekla Viloo Fliesberg, die als „Matrone“ fungiert, und Thorsten Strunk lebendig werden sollen. Hierbei spielen verschiedene Akzente auf die fiktive Historie, die dann aber doch bisweilen mit Akribie auch in die geschichtlichen Rahmenbedingungen eingefügt sein kann, jeweils eine unterschiedliche lenkende Rolle. Mal wird der eine Aspekt in den Fokus gerückt, mal der andere.

Regie geführt hat Theaterleiterin Wabra selbst, und die Szenerie ist mitten in das Archäologische Museum gelegt, unmittelbar vor dem Stein agieren die Schauspieler. In die Zimmer der Zuschauer kommt das ca. 60-minütige Stück, das aber nach Wunsch auch auf 45 Minuten, sogar noch kürzer oder auch auf 90 Minuten umkonzipiert werden kann, immer live aus dem Museum als Stream. Es werden, je nach Wunschlänge, natürlich nur einzelne der sieben Lebensgeschichten vorgetragen, darüber kann aber das Publikum mitentscheiden. Die vorher durch ihre Lehrer zu einem Wunschtermin angemeldeten Schulklassen loggen sich über die Krefelder Plattform Feedbeat ein, mit der das Kresch auch schon zuvor kooperiert hatte. Mithilfe von Avataren, kleinen Figuren, können die Zuschauer sogar über Emojis, also Piktogramme, direkt auf das Geschehen, durch die Macher von Feedbeat moderiert, reagieren. Was den Schauspielern per Leinwand sichtbar gemacht wird.