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Krefeld: Sinfoniker überzeugen mit Werken von Strawinsky

Klassik : Sinfoniker überzeugen mit Werken von Strawinsky

Die Musik des Ballett-Komponisten begeisterte das Publikum, es bedankte sich mit viel Applaus und bekam dafür zwei Solo-Zugaben.

Rimskij-Korsakow, legendärer russische Komponist, war sein Lehrer, Diaghilew, wegweisender russischer Ballettimpressario, ebnete ihm den Weg, weltberühmte Ballettmusiken zu schreiben. Die Rede ist von Igor Strawinsky, dem russischen Komponisten, der zuerst Jura studierte, ehe er sich dem Kompositionsstudium widmete. Er nahm Privatunterricht bei eben jenem Rimskij-Korsakow. 1922, zwei Jahre nach der auf Anregung Diaghilewys erfolgreichen Uraufführung des „Pulcinella-Ballets“ in Paris, zu dem Picasso die Kostüme entworfen hatte, fügte Strawinsky acht Musiknummern dieses beliebten Balletts zu einer Orchestersuite „Pulcinella“ zusammen, bestehend aus acht barockorientierten Tänzen. Dieses neoklassizistische Werk, entstand auf der Grundlage von Kompositionen Pergolesis, Gallos und van Wassenaers und wurde im Seidenweberhaus von den Niederrheinischen Sinfonikern unter der Leitung von Pavel Baleff aufgeführt.

Mit jedem Tanz wurden
die Sinfoniker mutiger

Behutsam, auf Genauigkeit bedacht, eröffnete der Dirigent den Tanzreigen, spürte in jedem Tanz das ihm eigene Kolorit auf, und schuf so eine abwechslungsreiche Folge von Tänzen. Tarentella, Gavotta, Minuetto prägten das Werk, mal dominierte ein Trio aus Fagott, Flöte und Horn, mal führte die Posaune mit dem Kontrabass einen Dialog. Mit jedem Tanz wurden die Sinfoniker mutiger und spielfreudiger bis zum temperamentvoll- rhythmischen Finale.

Das Programm war mutig und kontrastreich zusammengestellt. Das zweite Stück des Abends war der kleinen und recht leisen Mandoline gewidmet, ein Instrument, das selten als Orchester-Soloinstrument eingesetzt wird. Auf Anregung des Mandolinisten Avi Avital komponierte der in Tel Aviv 1975 geborene Avner Dorman ein solches Mandolinenkonzert, das barocke, gemäßigt moderne, blues-ähnliche und fernöstliche Klänge zu einer Art „Weltmusik“ verarbeitete. Dezent wurde der Mandolinenklang vom Solisten, Jacob Reuven (Israel) elektronisch verstärkt, ohne dass der natürliche Klang beeinträchtigt wurde, einfühlsam begleitet von den Streichern in Kammermusikbesetzung. So konnte sich das zarte Zupfinstrument vor allem mit kräftigen Tremoli gegen den Orchesterklang (ohne Bläser) behaupten.

Bewegte Momente wurden von ruhigen Passagen abgelöst, barocke Anklänge mutierten zu fernöstlichen Melismen. Auch wenn ein Wechsel von Klang und Stille propagiert wurde, so muss man konstatieren, dass eigentlich nur am Schluss ein spannungsvolles Pianissimo in Stille endete, vom aufmerksamen Publikum lange mitgetragen, ehe der Applaus einsetzte. Reuven bedankte sich mit zwei solistischen Zugaben.

Im zweiten Teil des Abends spielte das Orchester Haydns „Sinfonie Nr.31 D-Dur „Mit dem Hornsignal“: frisches Musizieren, offener Streicherklang, solistisch brillierende Bläser, variabler Orchesterklang und ein inspirierendes Dirigat. Das Orchester war in seinem Element, Ein weicher, verinnerlichter Streicherklang im wohltuend ruhigen Adagio, ein zügiges Menuet-Tempo, wunderbar musizierte Solopassagen von Cello, Flöte, Horn, Geige, Oboe und Kontrabass, und schließlich ein kraftvoller Orchesterklang, der in ein lebensfrohes, triumphales Presto-Finale mit schmetternden Jagdhörnern mündete, begeisterten die Zuhörer im gut besuchten Seidenweberhaus. Das war ein typischer Haydn, und die Sinfoniker spielten diese Musik, als wäre sie ihnen auf den Leib geschneidert. Begeisterter Applaus folgte vom Publikum.