1. NRW
  2. Krefeld
  3. Kultur

Krefeld plant Preis für "Fantastische Literatur"

Literatur-Auszeichnung : Preis für „Fantastische Literatur“ geplant

Krefeld möchte der Fantastischen Literatur in Deutschland eine Heimat geben. So heißt es in den Plänen zu einem neuen „Krefelder Preis für Fantastische Literatur“.

Um diese Heimat zu werden, hat die Stadt allerdings auch schon in der Vergangenheit so manchen Akzent gesetzt – so steht die Idee von einem Krefelder Fantasy-Preis in einer gewissen Kontinuität. Einerseits konstatiert man, dass sich in Deutschland eine lebendige und erfolgreiche Fantasy-Szene herausgebildet habe, deren geografischer Schwerpunkt im Rheinland liege. Nicht zuletzt durch namhafte Autoren der Szene, die im Rheinland leben, wie der Krefelder Bernhard Hennen, Kai Meyer und Wolfgang Hohlbein. Andererseits hat sich die mittelalterliche Burg Linn als ein Hotspot für das Genre „Fantasy“ entwickelt. Man denke nur an die regelmäßigen Fantasy-Lesungen, Schnittmengen mit der Mittelalter-Szene (Flachsmarkt) oder auch an das zweitägige Fantasy-Festival, das im Januar Premiere feierte.

Die Stadt scheint für sich im Thema „Fantastik“ eine „Marktlücke“ gefunden zu haben. Doch, so heißt es im Papier, „um die Stadt Krefeld als Zentrum deutschsprachiger Fantastik zu verankern, bedarf es – über die genannten Kulturveranstaltungen hinaus – eines wiederkehrenden Ereignisses, das perspektivisch innerhalb der Branche als bedeutsam oder sogar unverzichtbar gelten muss.“

In einem Literaturpreis sieht die Stadt hier ein probates Mittel. Und möchte ab 2021 alle zwei Jahre den mit 10 000 Euro dotierten „Krefelder Preis für Fantastische Literatur“ – er soll sich mit dem Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld abwechseln – an Autoren von deutschsprachigen Werken verleihen. Zudem soll ein Jugendpreis für Kurzgeschichten angegliedert werden; jener bestehe aus einer Urkunde und einer öffentlichen Lesung auf der Burg Linn.

Der Begriff „Fantastik“ ist
sehr weit gefasst

Doch was ist eigentlich Fantastische Literatur? Die Grenzen sind da fließend, und fragt man beispielsweise Bernhard Hennen, der auch durchaus als einer der Hintermänner oder Ideengeber des Preises gelten kann, was nun die Definition ist, so lässt diese viel Interpretationsspielraum. All das, was mit fantastischen, also die Realität der Naturgesetze überschreitenden Elementen arbeitet, gehört dazu. „Fantasy“ als feststehendes Genre im engeren Sinne, ja aber auch Science-Fiction und weit darüber hinaus. Auch betonte Hennen bei der Vorstellung der Idee, dass der Preis mit der Höhe der Dotierung in der Art eine herausragende Stellung unter den Preisen im Genre haben werde. Die Summe bedeute, ein Jahr frei arbeiten können für einen Fantasy-Autor.

Der Preis, für den sich Verlage oder Autoren bewerben können, wird von einer zu jedem Preis neu zusammengesetzten fünfköpfigen Fachjury vergeben. Voraussetzung ist, dass die Werke deutschsprachig sind und eine eigene ISBN-Nummer tragen. Zudem muss das Buch bis spätestens zur Veröffentlichung der Shortlist des Preises im Buchhandel erschienen sein, heißt es. Das Erscheinungsjahr darf nicht länger als zwei Jahre zurückliegen. Eingereicht werden können sowohl Romane als auch Graphic Novels, die als eigenständiges Buch erscheinen. Kurzgeschichten und andere in Anthologien veröffentlichte Erzählungen sind ausgenommen.

Nach einer Vorauswahl durch eine „Schattenjury“ wird eine sogenannte Long- und Shortlist erstellt. In der Jury können neben Kulturpolitikern der Stadt, Museumsleiter, Schriftsteller auch unter anderem Literaturkritiker oder Buchhändler vertreten sein. Die Ausschreibung solle am 1. August 2020 beginnen und der erste Preis im Januar 2021 verliehen werden im Rahmen von Festivitäten auf Burg Linn. Die übrigens, vertreten durch die Museumsdirektorin Jennifer Morscheiser, wichtiger Eckpfeiler für die Belange des neuen Literaturpreises ist.

Für das physische Aussehen des Preises gibt es auch schon eine Vorstellung. Der etwas mysteriöse, aus archäologischen Fundstücken, beispielsweise auch in Gelduba, bekannte „Pentagondodekaeder“, über dessen Verwendung bis heute gerätselt wird, dient hier als Vorbild. Wörtlich heißt es zudem im Beschlussentwurf, der nun auch im Kulturausschuss diskutiert und abgesegnet wurde: „Der Preis erhält als ‚Subtext’ die Bezeichnung des ‚Pentagondodekaeders’“. Somit wird der Preis wohl auch noch zusätzlich so heißen. Beschließt der Rat in seiner nächsten Sitzung den Entwurf zu dem Preis, steht also dem Krefelder „Pentagondodekaeder“ nichts mehr im Wege.