1. NRW
  2. Krefeld
  3. Kultur

Krefeld: Ein Orgelsommer mit Jubiläum

Musik : Ein himmlischer Orgelsommer mit Jubiläum

Beim achten Krefelder Orgelsommer erwartet ab dem 9. August das Publikum eine schöne Reihe an Konzerten. Und das trotz Corona.

Eigentlich verbindet man Orgelklänge nicht unbedingt mit Sommer. Denkt man an gewichtige oder auch glänzende Töne, die sich großzügig ihren Weg durch Kirchenschiffe bahnen, so gesellt sich zu diesen Assoziationen eher ein weihnachtlicher Zimtduft, oder die noch vom Winter herüberwehende Kühle eines österlichen Frühlingsmorgens.

„Last Night“ kann angepasst
mit Chor stattfinden

Die Friedenskirche am Luisenplatz in der Krefelder Innenstadt. Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Dennoch haben Orgelkonzerte im Sommer eine gute Tradition nicht nur, aber auch in Krefeld. Und obwohl Corona uns so manche konzertante Freude verhagelt hatte und leider immer wieder für Sorge um die Sicherheit von Konzertbesuchern sorgt: Unter den geltenden Schutzvorkehrungen, lassen sich durchaus Orgelkonzerte in Kirchen veranstalten – mit Abstand und Achtsamkeit. So kann – zumindest so die Planungen und das ist erfreulich – nach aktuellem Stand, der achte Krefelder Orgelsommer einen sommerlichen musikalischen Akzent setzen. Und sogar der beliebte Schlusspunkt die sogenannte Last Night, nach dem Vorbild der Londoner Proms, wird samt Chor unter Corona-Bedingungen erlebbar sein.

Organisiert von Heinz-Peter Kortmann und veranstaltet von St. Cyriakus, Hl. Dreifaltigkeit und Friedenskirche sowie des Fördervereins für Kirchenmusik an St. Josef und Maria-Waldrast können an Orgelmusik interessierte Krefelder insgesamt sechs Konzerte, respektive sieben, denn die „Last Night“ wird zweimal aufgeführt, in vier Kirchen erleben. Die Konzerte finden unter freiem Eintritt – mit Wunsch um eine freiwillige Spende und der Reservierung von Platzkarten – vom 9. August bis zum 13. September statt. Als Premiere gibt es diesmal zum ersten Mal zudem ein Konzert des Orgelsommers in der Friedenskirche – dort feiert übrigens in diesem Jahr die Rieger-Orgel ihr 60-jähriges Bestehen.

Auftakt für den Orgelsommer gestaltet Heinz-Peter Kortmann mit einem Konzert, das schon im April in St. Cyriakus in Hüls (Konventsstraße) erklingen sollte. Dies wiederum ist ein Ersatz für das nicht mögliche Konzert mit der Organistin Gail Archer aus New York, das zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden soll.

Der Kantor widmet das Eröffnungskonzert am 9. August um 18 Uhr den großen symphonischen Orgelklängen französischer Prägung. Klänge, die eng verwoben sind mit der französischen Orgelbaukunst, deren Ideale eine sich harmonisch und großformatig mischende Klangästhetik war. Wie ein „himmlisches“ Orchester sollten Orgeln klingen, romantisch und möglichst vielfarbig. Es erklingen die Symphonie in g-Moll, op. 42,2 von Widor und die 2. Symphonie in e-Moll von Louis Vierne.

Das zweite Konzert am 16. August spielt der junge venezianische Organist Nicolò Sari. In der Friedenskirche (Luisenplatz 1) interpretiert er ab 18 Uhr einen breitgefächerten Strauss an Orgelliteratur von Bach bis Franck. Was sich hinter dem Titel des Abends „Stunde der Freude“ verbirgt, macht indes schon etwas neugierig. Wobei eigentlich jede Gelegenheit die mitreißenden musikalischen Kräfte von Orgeln auf sich wirken zu lassen, ein Anlass zur Freude sein kann, wenn kunstvolle Könner am Werke sind.

Wiederum in St. Cyriakus am 23. August um 18 Uhr ist die Orgel in Paarung mit Gesang zu erleben. Sopranistin Amelie Deppe und der Organist Guido Harzen möchten das Publikum mit Musik von Bach, Händel und Mozarts „Exsultate, jubilate“ KV 165 in die aparte Klangwelt zwischen menschlicher Stimme und Orgelpfeifen entführen. Das Konzert, das zunächst in Maria Waldrast geplant war, wurde wegen Corona und Platzgründen in die Hülser Pfarrkirche verlegt.

An gleicher Stelle findet am 30. August um 18 Uhr ein Konzert mit dem frisch pensionierten Kirchenmusikdirektor der Hamburger Michaeliskirche, Christoph Schoener, statt. Neben Bachs Passacaglia in c-Moll und Werken von Mendelssohn erklingen die unbeschreiblich packend geschriebenen Variationen d-Moll aus dem Streichsextett op. 18 (Orgelfassung M. Gera) von Johannes Brahms.

Bei dem fünften Konzert am 6. September stehen bei dem Krefelder Orgelsommer alle Zeichen auf Italien. Ab 18 Uhr erklingen in St. Anna (Inrather Straße) explizit italienische Orgelklänge interpretiert von Luciano Zecca, der schon mehrfach in Krefeld zu Gast war. Seine Darbietung der „temperamentvollen italienischen Orgelmusik erfreut dabei immer wieder sein Publikum“, heißt es in der Ankündigung im Flyer. Einen eigenen Eindruck davon gewinnen kann man dieses Jahr mit Musik von Morandi, Bossi und mit den beiden letzten Sätzen aus der „Suite Gothique“ op. 25 von Boëllmann. Letzteres indes ist keine italienische Orgelmusik, denn Boëllmann war Franzose.

Schließlich am 13. September erklingt in St. Josef (Ecke Süd-/Rossstraße) die „Last Night des Krefelder Orgelsommers“ unter Mitwirkung vom Crescendo Chores Krefeld. Jener wird unter den besonderen Bedingungen etwa drei „Gloria“-Vertonungen singen. Seit Ende Mai probte der Chor in kleinen Gruppen. Besonderer Gast der „Last Night“ in diesem Jahr ist der Trompeter Daniel Schmahl, der bereits vor einigen Jahren im Krefelder Orgelsommer zu Gast war. Und um möglichst vielen das Konzert unter der Leitung Kortmanns zugänglich machen zu können und trotzdem auf Abstand zu achten, bietet man die Veranstaltung zweimal hintereinander an: um 17 und 19 Uhr.

Wegen der Corona-Situation werden für alle Konzerte kostenfreie Platzkarten ausgegeben. Diese sind im Pfarrbüro von St. Cyriakus oder unter den Rufnummern 56 53 62 oder 35 21 381 erhältlich. Infos unter:

foerderverein-kirchenmusik-krefeld.de