Krefeld: Budenzauber zeigt Puppenspiel für Erwachsene

Puppen : Diese Puppenspieler zaubern in der Bude

Die sechste Auflage des Festivals für Erwachsene „Budenzauber“ soll lustige Abende bieten. Ebenso geht es um wichtige gesellschaftliche Themen wie Migration.

Puppentheater, das klingt zunächst eher nach Unterhaltung für Kinder. Dabei ist diese Spielart auch bei Erwachsenen beliebt – und dabei eine Chance, mehr Menschen für Kultur zu begeistern. „Beim Schauspiel oder der Oper müssen wir oft ein Hemmnis überwinden. Das ist beim Figurentheater anders“, sagt Krefelds neue Kulturbeauftragte Gabriele König kurz vor Beginn des Festivals „Budenzauber – Figurentheaterfestival für Erwachsene“.

Fünf Aufführungen stehen im September in der Fabrik Heeder an. Anke Zwering und Simone Liebetrau vom Kulturbüro haben die sechste Auflage des Festivals organisiert. Gefragt nach der Faszination des Puppenspiels, weiß Zwering einiges zu erzählen. Die Kreativität werde angeregt, die Stücke hätten klare Botschaften, die aber nicht brachial vermittelt würden. Das Handwerk der Spieler begeistert sie ebenso. „Manchmal hat man den Eindruck, dass sie vier Hände haben müssten“, sagt Zwering. Bei der Planung der Vorstellung habe sie mit ihrer Kollegin auf ein facettenreiches Programm geachtet, sagt Zwering. Los geht es Anfang September.

6. September: „Was geschah mit Baby Jane?“ „Ein Klassiker eröffnet das Festival“, sagt Zwering. Mit „Was geschah mit Baby Jane?“ setzt das Schubert Theater aus Wien einen oscarprämierten Kultfilm um. Das Stück erzählt die Geschichte der Schwestern Jane und Blanche Hudson, die zurückgezogen in einer Villa in Hollywood leben. Einst war Jane ein Kinderstar, verpasst dann aber den Sprung ins Erwachsenenfach. Ihre Schwester Blanche wird derweil Filmstar, bis sie plötzlich Opfer eines mysteriösen Autounfalls wird.

18. September: „Bestie Mensch“ Unterstützt mit Livemusik bringt das Bremer Theater Cipolla die Inszenierung „Bestie Mensch“ auf die Bühne. „Es ist durchaus beklemmend, dass das Stück noch so aktuell ist, obwohl es aus dem 19. Jahrhundert stammt“, sagt Zwering. Zunehmende soziale Kälte und mangelnde Empathie der Gesellschaft seien Themen.

Das Stück erzählt die Geschichte des Eisenbahners Roubaud seiner Frau Severine und ihrem Geliebten Jacques. Neben dem Kampf um ihr privates Glück steht die Industrialisierung Westeuropas im Mittelpunkt. Die Fragen dazu ähneln denen zur Digitalisierung: Wohin führt die Hörigkeit gegenüber der Technik? Und wie kommuniziert die Gesellschaft noch miteinander?

19. September: „Babylon“ Schwarzen Humor in leicht verständlichem Englisch kündigt Kulturfrau Anke Zwering bei der Aufführung von „Babylon“ an. Politisch aktuell wird es beim Stuffed Puppet Theatre erneut, es geht um Migration. Ein Kapitän will Flüchtlinge nach Babylon, in das gelobte Land, bringen. Manche bleiben zurück, doch dann kentert das Boot und geht unter. Wer überlebt und wer wird gerettet? Gott, sein Sohn und der Teufel wollen eingreifen.

20. September: „Sag mal, geht’s noch? Die Berliner Stadtmusikanten II“ Die findigen Leser ahnen es womöglich: Mit den Berliner Stadtmusikanten wandelt das Theater Zitadelle das bekannte Märchen der Gebrüder Grimm ab. „Da wird es lustig und leicht“, sagt Zwering. Das Ensemble hat die Handlung gleich ins Seniorenheim verlegt. Der erste Teil der Stadtmusikanten wurde bereits im Jahr 2015 beim Budenzauber aufgeführt. Um die anstehende Darbietung zu verstehen, ist es allerdings nicht notwendig, vor vier Jahren dabei gewesen zu sein.

26. September: „Die Liebe der kleinen Mouche“ Das Puppentheater Waidspeicher aus Erfurt macht zum Abschluss des Festivals in „Die Liebe der kleinen Mouche“ das Puppenspiel auch zum Schwerpunkt der Erzählung. Eine junge Frau möchte sich im Paris der Nachkriegszeit in der Seine ertränken, doch auf dem Weg sieht sie die Figuren eines Theaters – die Rettung für die kleine Mouche.

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