Krefeld: "Bombenfrau" im Theater hintenlinks hatte Premiere

Noch zwei Termine : „Bombenfrau“ wirft bei Zuschauern Fragen auf

Stück über eine Terroristin kurz vor der Tat hat im Theater hintenlinks Premiere gefeiert.

Ein Tisch, ein Stuhl, eine Schreibmaschine auf der linken Seite, Per­cus­sion-Instrumente auf der rechten Seite, eine schwarze Leinwand mit dem Satz „Der Tod erscheint als operative Methode“. Die Schauspielerin agiert bereits, indem sie Zettel mit verschiedenen Aufschriften an das Publikum verteilt, so auch „Vielleicht sollte doch endlich jemand den quietschenden Stuhl Gottes reparieren“, „Wir verlangen Wahrheit, Gerechtigkeit für alle“; sagen die Engel, die den Sturz der „Mona Lisa“ ins Nichts nicht verhindern können, sie wollen Rache, und Gott meint, gesprochen von der Leinwand, dass er sich für nichts mehr interessiert, dass er Kopfschmerzen hat, dass er auf die Fragen keine Antworten hat.

Dazwischen nennt Schauspielerin Anuschka Gutowski von der Leinwand die Gründe für das Selbstmordattentat. Die Stimme schildert die Situation, die Masse der Menschen, die am Straßenrand mit den Fähnchen winken und den „Mächtigen“ erwarten. „Er“ wird eskortiert von Leibwächtern, vermeintlich geschützt im gepanzerten Wagen, alles jubelt. Die Selbstmordattentäterin hat ihn schon mal getroffen, sein Hirn ist ihrem Hirn bereits begegnet. Sie sei schön, meint „Er“. Das Attentat wartet. In 12 Minuten und 36 Sekunden wird die Bombe aus ihrem Körper treten, wird gezündet und wird Menschen mit in den Tod reißen.

Was würden Menschen machen, wenn sie wüssten, dass sie nur noch 12 Minuten und 36 Sekunden zu leben hätten? Dazu gab es konkrete Antworten von Mutigen auf der Leinwand: zum Beispiel sich besaufen oder mit den Augen alles aufsaugen, was bis dahin zu sehen sei. Die getrommelte Zwischenmusik ließ eine Pause des Nachdenkens zu, verband die Leinwandtexte mit den Worten der „Bombenfrau“ auf der Bühne, die sich Gedanken macht über die Wirkung der Bombe, wenn sie sie zündet, die Namen von Attentäterinnen nennt, die deutlich macht, dass es „keinen Ausweg gebe“, die ihre Mutter schildert, die sie eigentlich nicht zur Welt bringen wollte.

Die „Bombenfrau“ führt zuletzt ein Zwiegespräch mit dem Wurm in ihrem Hirn, dem Zweifel. Dieser Wurm kriecht in ihr Ohr: Er fragt, ob sie denn nicht noch leben wolle, ob sie denn wolle, dass die anderen Menschen mit ihr stürben, ob sie denn wirklich keinen Ausweg sehe. Wer wird verantwortlich gemacht werden, wie wird das „Später“ aussehen? Wird ein Film über die Attentäterin gedreht werden? Glaubt sie wirklich an einen höheren Zweck? Dass die Welt erst zerstört werden müsse, um sie zu retten? Wurden die Frauen gezwungen, gedrängt, bewusst rekrutiert?

Gibt es eine Antwort auf diese Fragen? Gibt das Stück der Kroatin Ivana Sajko eine Antwort? Eine beeindruckende Inszenierung durch Peter Gutowski, Anuschka Gutowski spielte mutig diese „Bombenfrau“, Georg Herz setzte Akzente durch die getrommelten Zwischenmusiken. Eine Antwort mögen sich die Zuschauer geben, ob denn erst die Welt zerstört werden müsse, um sie zu retten. Und Gott interessiert sich nicht.

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