Kunst Bilder zeigen das Festhalten eines Moments

Krefeld · In der Galerie Meta Weber sind Bilder der Künstlerin Katrin Berger zu sehen — Inspiration war das Licht.

 Galeristin Meta Weber in den Ausstellungsräumen. Ab dem 9. August sind die Werke von Künstlerin Katrin Berger zu sehen.

Galeristin Meta Weber in den Ausstellungsräumen. Ab dem 9. August sind die Werke von Künstlerin Katrin Berger zu sehen.

Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Sonnenstrahlen schimmern durch einen Türspalt und hinterlassen auf dem Boden geometrisch anmutende Strukturen. Kaum jemand nimmt so etwas Alltägliches war. Der Künstlerin Katrin Berger ist dieser Moment ein dreiteiliges Bild wert. „Lichteinfall an der Südtür“ heißt das Triptychon, das jetzt in der Galerie Meta Weber zu sehen ist. „Lichteinfälle sind das Gesamtthema dieser Ausstellung, die den Blick auf scheinbar Unscheinbares lenkt.

Die großformatigeren Ölbilder und die kleineren Arbeiten in Ölkreide auf Papier bilden innerhalb des Werks der Künstlerin eine eigene Gruppe, sind aber den anderen Arbeiten, die sie dort bisher gezeigt hat, wesensverwandt. Denn, was die Kunst Katrin Bergers charakterisiert, ist der Blick für klare, oft geometrische Formen, die sie in nicht abstrakten Bereichen findet. Seit vielen Jahren lebt die Künstlerin auf dem Land in Nettetal-Dyck. Die Bauernhöfe der niederrheinischen Landschaft mit ihren nüchternen, schnörkellosen Formen sind immer wieder Thema gewesen. Dabei hat sie einen besonderen Blick für die Form entwickelt, für die architektonischen Strukturen insgesamt oder einzelne Elemente.

Als zweites kommt die Farbe ins Spiel, mit der sie immer wieder besondere Lichtstimmungen auf Häuser und Dächern festgehalten hat. Durch Reduktion auf wenige, ihr wesentlich erscheinende Elemente, haben viele dieser Bilder eine Nähe zur Abstraktion entwickelt. So auch bei den jetzt gezeigten Arbeiten. Schon das eingangs genannte Triptychon zeigt eine auf den ersten Blick rätselhaft wirkende Anordnung von hellgelben Streifen und unterschiedlich grau abgestuften Flächen.

Es braucht Vorstellungsvermögen für die reduzierten Formen

Bei längerer Betrachtung stellt sich die Idee von Licht und Schatten ein, aber konkrete Hinweise liefert erst der Titel. Auch bei den meisten anderen Bildern bedarf es eines genauen Hinsehens und Vorstellungsvermögen, um in diesen reduzierten Formen räumliche Lichteinfälle identifizieren zu können. Aber genau dieses Hinsehen, dieses nicht flüchtige Erfassen schult den Blick und lenkt ihn auf wichtige Details. Es sind Raumsituationen, von denen die Künstlerin tagtäglich in ihrem Wohn- und Atelierhaus umgeben ist und für deren Lichtverhältnisse sie eine besondere Sensibilität entwickelt hat. Nur so ist es ihr möglich, diese ja meist auch sehr flüchtigen Zustände überhaupt wahrzunehmen. Denn ein vom Sonnenlicht hervorgerufener Lichteinfall kann oft nur kurze Zeit andauern und dann wieder verschwinden.

Das Festhalten dieses flüchtigen Moments im Bild ist dann auch keine fotografisch präzise Umsetzung, sondern beinhaltet auch einige, erst während des Malprozesses getroffene Entscheidungen. Es sind sorgfältig komponierte Bilder, die durch Spiegelungen und Verzerrungen manchmal schwierig für das Auge zu erfassen sind. Die meist gedämpften Farben und die stark reduzierten Räumlichkeiten bilden ein Gegengewicht dazu. Ein Bild mit stärkerem Licht-Schattenkontrast zeigt „Licht auf dem Treppenabsatz“.

Während Details von Stufen und Wandleiste deutlich zu erkennen sind, führen die Licht-und Schatteneffekte fast ein Eigenleben. Ganz zartes Rosa setzt sich hier scharf von Grau und Schwarz ab und bildet eine spitzwinklige, eigenständige Form. Leider hängt das Bild an einer Stelle, wo man als Betrachter nicht genug Abstand nehmen kann.

Daneben befindet sich eine Arbeit mit dem ansprechenden Titel „Hombroicher Sonnenuhr (Hommage à Erwin Heerich)“. Bei Heerich war Katrin Berger 1970/71 Meisterschülerin und seine konkrete Kunst hat ihr wichtige Impulse gegeben. Das Bild zeigt einen leeren Raum mit einer offenen Tür auf der rechten Seite. Von dort fällt Licht herein und in dem Türrahmen und auf dem Boden bilden sich Streifen. Die Assoziation Sonnenuhr drängt sich nicht auf, ist aber nachvollziehbar. Doch das Thema der Uhr passt insgesamt zu diesen stillen, einprägsamen Bildern. Denn in dem Moment des hier festgehaltenen Lichtspiels scheint auch die Zeit, zumindest für den Betrachter, kurz inne zu halten.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort