Krefeld: Bernhard Hennen las auf der Burg Linn

Burg Linn : Bernhard Hennen: Unterhaltsame Lesung mit nur wenig Text

Eine Lesung mit nur wenigen Seiten Text: Fantasy-Autor Bernhard Hennen zeigte sich auf der Burg Linn in Plauderlaune.

„Pro forma“ werde er ein „wenig lesen“, verkündete Bernhard Hennen gleich zu Beginn der fantastischen Lesung auf der Burg Linn – wie als Warnung und Entschuldigung an diejenigen unter seinen Fans, die vor allem wegen seines neuen Werkes in den Rittersaal gekommen waren. Er sei jedoch lesefaul und würde lieber mit den rund 80 Zuhörern plaudern. Um Hennens neues Buch „Die Chroniken von Azuhr – Der träumende Krieger“ ging es am Mittwochabend daher nur am Rande. Das Werk, letzter Teil einer Trilogie, war erst in der vergangenen Woche erschienen. Zu hören war nur ein Teil des Prologs. Stattdessen war Hennen tatsächlich in bester Plauderlaune, erzählte Anekdoten, Hintergründe seiner Arbeit und beantwortete Fragen aus dem Publikum. Sein Buch könne man ja jederzeit lesen, „die Geschichten hinter den Geschichten erfahren Sie nur an Abenden wie diesem“, so die Begründung des Krefelder Autors.

Fantasy-Buch thematisiert
Fake News

In der Tat sorgte dieser Ansatz für sehr kurzweilige und informative 90 Minuten. So erfuhren Hennens Zuhörer, dass das Hauptthema von „Der träumende Krieger“ Fake News seien, die „Herrschaft über Nachrichten“. In seiner fantastischen Geschichte um zwei Großmächte und einem Schatten über der Welt Azuhr sei das jedoch nicht so einfach zu erkennen, so Hennen, der früher selber als Journalist gearbeitet hat. Ohnehin sei es der „Fluch eines Fantasy-Autoren“, dass Leser Verbindungen zu unserer Welt oft schwieriger ziehen könnten als in anderen Genres. Es sei aber auch das gute Recht jedes Lesers, die Verbindung zur Welt zu kappen und ganz in die Geschichten abzutauchen.

Wie sehr sich Hennen beim Schreiben seiner Bücher über Elfen, fantastische Wesen und dunkle Mächte an wahren Begebenheiten orientiert, zeigt der Prolog seines neuen Buches. Dieser beziehe sich auf das Pol-Pot-Regime, das Ende der 70er-Jahre in Kambodscha herrschte. Asien und seine Geschichte beschäftigen Hennen derzeit ohnehin sehr. Im Frühjahr lebte er einige Wochen als Staatsgast im südkoreanischen Seoul, wo auch einige Teile des Buches entstanden. Es sei immer ein Traum von ihm gewesen, in einer Kultur zu leben, die den Schauplätzen seiner Bücher nahekommt, so Hennen. Im dritten Teil seiner Azuhr-Trilogie lassen sich daher viele asiatische Einflüsse finden.

Auf die Frage aus dem Publikum, wie er auf Ideen für seine Geschichten komme, antwortete Hennen dementsprechend, dass er gerne und viel reise. Man könne viel plastischer über Dinge schreiben, die man selber erlebt hat, so der 53-Jährige. Dass es dabei auch mal etwas zu real und bisweilen schmerzhaft zugehen kann, verdeutlicht eine Anekdote, die Hennen – genüsslich ausgeschmückt – erzählte: Fünf Jahre lang sei er als Teil einer Schwerkampftruppe auf Mittelaltermärkten und ähnlichen Veranstaltungen aufgetreten. „Wir mussten jedes Jahr spektakulärer sein“, sagte Hennen augenzwinkernd: „Damals war ich noch nicht weise.“ Resultate seines Übermuts: ein Fall auf sein Schwert, ein brennender Turban und blutende Finger. Immerhin könne er dadurch in seinen Büchern jetzt besser über Schwertkämpfe schreiben.

Nächstes Buch ist
eine Koproduktion

Sehr offen redete Hennen auch über seine Zukunft. Unter anderem würde er gerade an „etwas Experimentellem“ arbeiten, verriet er. Er schreibe ein Buch gemeinsam mit einer koreanischen Kollegin, die er im vergangenen Jahr auf einer Messe kennengelernt hatte. „Unser Thema ist der Opiumkrieg in China“, sagte Hennen – und setzte zu einem historischen Exkurs an. Im Ersten Opiumkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts hatte das Kaiserreich China gegen Großbritannien keine militärischen Erfolge erzielen können – eine Demütigung, die noch bis heute nachhallen würde. In ihrem Buch würde die dem Kaiserreich nachempfundene Zivilisation jedoch gepanzerte Kriegsschiffe entwickeln und mehr Gegenwehr bieten können, verriet Hennen. Die beiden Autoren wollen „klare Worte für das Vorgehen der Europäer in China finden“. Experimentell sei auch die Art und Weise, wie das neue Werk entsteht: Hennen und seine Partnerin schreiben ihre Kapitel auf Deutsch und Koreanisch, ein Übersetzer soll aus dem Ganzen später ein Buch schaffen. „Ich sehe mit Bangen dem Moment entgegen, wenn sie sich das erste Mal melden wird“, sagt Hennen lachend. Er sei jedoch „bekennender Optimist“ und glaube an das Projekt. „Vielleicht bin ich mit dem Buch in ein, zwei Jahren ja auch wieder hier.“

Ob es bei der nächsten Lesung von Bernhard Hennen auf der Burg Linn um sein dann aktuelles Buch gehen wird, ist offen. Klar ist, dass ein Abend mit ihm sehr unterhaltsam und lehrreich ist – auch dem Autor selber macht das Plaudern mit dem Publikum sichtlich Spaß. „Riskieren Sie eine weitere Lesung und hören Sie andere Geschichten“, sagte Hennen zum Abschied – und diesmal klang es eher nach einem Versprechen als nach einer Warnung.

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