Krefeld: Ausstellung im Südbahnhof zu Kurden in Syrien beginnt

Ausstellung : Kunst im Südbahnhof: Gebündelte Betroffenheit

Eine Ausstellung zum Schicksal der Kurden in Syrien wird am Samstag im Südbahnhof eröffnet.

Dieser Mann ist ein Symbol. So beschreibt ihn das Werkhaus, das vom 18. bis 23. Januar seine Ausstellung „Hün ne bi Tenene – ihr seid nicht allein“ im Südbahnhof zeigt. Waleed Ibrahim ist ein kurdischer Syrer – und damit ist die ganze Problematik schon angerissen. Es geht um Zusammenhalt und einen Hilferuf für die Menschen in der krisengeschüttelten Region, in erster Linie die Kurden. Das Volk ohne Staatsgebiet, das ein Spielball der Mächte im Krieg geworden ist. „Wir sind alle Menschen“, sagt Ibrahim, ein bildender Künstler aus der Stadt Amouda, der seit 2016 gemeinsam mit Beate Krempe das Atelier „Art 101 Gallery“ in Willich besitzt und mit ihr auch das Projekt im Südbahnhof auf die Beine stellt.

„Wir wollen den Menschen helfen“, sagt der 54-Jährige – und auf ihr Leid aufmerksam machen. Neben den Werken der beiden wird auch Kunst während der Ausstellung entpackt, die 20 vornehmlich kurdische Künstler ihm für die Exposition zugesandt haben. Einige kommen sogar angereist. Ibrahim ist die zentrale Figur der Exil-Kurden. Auch der Flüchtlingsrat Krefeld und Amnesty International Krefeld beteiligen sich an dem Projekt. „Die internationale Betroffenheit bündelt sich im Südbahnhof“, sagt Anja Jansen, Vorstandsmitglied des Werkhauses.

„Bis ich Waleed kennenlernte, waren mir die Kurden weitgehend fremd“, sagt Beate Krempe: „Ich glaube, so geht es vielen Menschen.“ Sie machte in der Vergangenheit Collagen und Zeichnungen, seit 2014 befasste sie sich mit Flüchtlingen. Das Thema hat sie in ihren Werken verarbeitet. Für sie steht der Mensch und sein Schicksal im Mittelpunkt. Sie arbeitet in ihren Projekten mit den Menschen zusammen und setzt sich für humanitäre Hilfe ein.

Waleed Ibrahim ist seit 2016
am Niederrhein aktiv

Ibrahim studierte Kunst an der Universität Damaskus, seit 1992 ist er außerdem Diplom-Pädagoge. Im Nahen Osten stellte er seit 1989 aus, er war schon in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Dubai, seit 2016 ist er am Niederrhein aktiv. So zeigte er unter anderem Werke im Landtag, im Gründerzentrum Willich und im Museum Dorenburg in Grefrath. Waleed Ibrahim möchte auf die schwierige Situation in Syrien aufmerksam machen. Er thematisiert Flucht und Zerstörung, den Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat und die Vertreibung der Kurden aus Nordsyrien. In seinen Bildern geht es um Frauen, Landschaften, Natur.

„Die kurdischen Künstler sind oft auch Schöngeister. Sie haben eine klassische Ausbildung genossen mit Licht, Schatten und Perspektiven“, sagt Beate Krempe. In der Hälfte der Gemälde wird eine farbenfrohe, friedliche und gleichberechtigte Gesellschaft entworfen. Viele der Künstler an Ibrahims Seite sind ehemalige Kommilitonen aus Damaskus, die sich heute in Deutschland oder Frankreich aufhalten. Neben der Exposition und der Aktion der Entpackung wird es auch einen Spendenaufruf für ein Krankenhaus in Nordsyrien geben. Eine politische Diskussion aber, so Anja Jansen, werde im Rahmen der Ausstellung nicht stattfinden. Dafür aber soll der Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer aus Willich einen Dank erhalten, weil er sich für humanitäre Hilfe eingesetzt hatte.

Los geht es am Samstag, 18. Januar, um 16 Uhr mit der Eröffnung im Südbahnhof. Doch nicht nur Gemälde sind zu bewundern. Beate Krempe und Waleed Ibrahim werden am Mittwoch, 22. Januar, in der Zeit von 19 bis 21. 30 Uhr bei „Artists & Guests“ die Besucher dazu einladen, selbst an Kunstwerken mitzuarbeiten und bei der Erschaffung eines Gemäldes dabei zu sein und Fragen zu stellen.