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Krefeld: Akustische Kuscheldecke bei Open-Air-Jazz

Jazz-Konzert : Akustische Kuscheldecke bei Open-Air-Jazz

Das Hanno-Busch-Trio bot abwechslungsreiches Konzert, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu spielen.

Erst vor wenigen Tagen konnte überhaupt geklärt werden, ob an diesem Wochenende ein Konzert vor dem Jazzkeller stattfinden kann. Doch bei der kurzfristigen Bekanntgabe des Jazzklubs, das preisgekrönte Hanno-Busch-Trio am Samstagabend auf dem improvisierten Konzertplatz vor dem Jazzkeller auftreten zu lassen, ließen es sich Fans innerhalb und außerhalb des Jazzklubs nicht nehmen und sorgten für volle Bänke auf der Lohstraße.

Dank der aktuell recht leeren Terminkalender auf allen Seiten konnte  ein Auftritt des Kölner Trios in Krefeld realisiert werden, nach dem jahrelang nie die Zeit dafür da war. Auf elektronischen Instrumenten spielten Gitarrist Hanno Busch, Bassist Claus Fischer und Schlagzeuger Jonas Burgwinkel ein abwechslungsreiches Programm, bewegten sich je nach Lied zwischen Jazz, Easy Listening und Rock. Die Zuhörer, von denen sich viele als Mitglieder des Jazzklubs kannten, konnten dabei entspannt reden, trinken und essen. Die eingängige Musik war mal rockiger, mal seichter, wurde nie so fordernd, dass sie die volle Aufmerksamkeit des Publikums für sich vereinnahmte.

Das soll nicht heißen, dass das Konzert musikalisch belanglos war. Die Band bot oft genug etwas Neues, um nicht als Klangteppich im Hintergrund des Glasgeklimpers zu versinken, spielten sogar einige Songs, die bisher unveröffentlicht sind. In den verschiedenen Songs dominierte je ein anderes Instrument und brachte neue Elemente in den Genre-Mix. Bei melodischeren Stücken oder Balladen wie „Cautious Tones“ oder swingigen und funkigen Liedern wie „Not Home“ war die Gitarre am präsentesten, Bass und Schlagzeug begleiteten den entspannten Beat. Je rockiger es wurde, wurden die Schläge auf die Drums schneller und lauter, gaben in „And So Will You Soon“ den Rhythmus vor. Am teilweise verzerrten Bass wurden unkonventionelle Beats gespielt und Lieder mit abrupten Soli ganz anders interpretiert. Mit dieser Experimentierfreude trifft das Trio definitiv die Essenz des Jazz, gerade weil es musikalisch oft vom Einhalten der Genrekonventionen abweicht.

Temperaturen machten bei Tee und gemütlicher Musik wenig aus

Die gemütliche, nicht zu aufdringliche Musik war die perfekte Untermalung für einen kühlen Herbstabend an den hergerichteten Tischen und Bänken mitten in der Stadt. Im Laufe der rund zwei Stunden sanken die Temperaturen, die Zuhörer konnten sich in den Pullover oder unter den Schal einkuscheln — später wurden vom Jazzkeller auch Decken verteilt.

Nach der Halbzeitpause wichen die Biergläser dann immer mehr den Teetassen. Bei dem gut versorgten Publikum waren wohl die Musiker die einzigen, die unter den Temperaturen zu leiden hatten: „Mit Handschuhen können wir leider nicht spielen“, bedauerte Frontmann Hanno Busch zwischendrin und musste seine Finger erstmal warm spielen.

Für den Jazzklub endete daher mit diesem Konzert die Open-Air-Saison. Der vom Klub organisierten Jazzherbst wird in der Kulturfabrik stattfinden, auch danach sind Konzerte in der KuFa geplant. Auf dem Vorplatz des Jazzkellers soll es aber trotzdem noch weiter gehen. Abhängig vom Wetter soll jeden Samstagabend ein Konzert an gleicher Stelle stattfinden. Jeweils am Donnerstag wird auf den Social-Media-Kanälen bekannt gegeben, ob und wann genau die Veranstaltungen stattfinden werden. Einen Überblick über die voraussichtlichen Termine gibt es im Infokasten.