Konzert: Meisterkurs-Leiter Michel Béroff - Wanderer im Wald und eine fröhliche Insel

Konzert: Meisterkurs-Leiter Michel Béroff - Wanderer im Wald und eine fröhliche Insel

Der Meisterkurs-Leiter Michel Béroff gab sich am Freitag im Campus Fichtenhain selbst die Ehre am Flügel.

Krefeld. Wenn Tongemälde mit feinstem Pinselstrich oder pastosem Farbauftrag entstehen, nuancenreich stimmungsvolle Klangbilder in Perfektion den nüchternen Raum im Campus 44 verwandeln, dann ist der französische Starpianist Michel Béroff am Werk. Am Freitag eröffnete der Meister der Tonkunst mit seinem Konzert die Woche des Internationalen Krefelder Meisterkurses, den er wie im Vorjahr leitet.

Brahms Variationen über ein Thema von Schumann, d. h. ein „später“ Romantiker verarbeitet in seiner Komposition Motive eines „frühen“ Romantikers. Danach entführte Béroff das Publikum mit Schumanns Waldszenen op. 82 in die Natur, in einen romantisch interpretierten Lebensraum.

Heiter und leichtfüßig wandert der imaginäre Wanderer in den Wald. Dort erlebt er „Jäger auf der Lauer“, sieht „Einsame Blumen“ und gerät an eine „Verruchte Stelle“. Kurz danach betritt er wieder „Vertraute Landschaft“ und die Wanderung durch den Wald nimmt natürlich ein gutes Ende. Es ist kaum nötig, die einzelnen Episoden des Wanderers auf dem Programmzettel zu verfolgen, Béroffs Vortrag regt die Phantasie mehr an, als es Worte können.

Nach der Pause folgt mit Ravels „Valses nobles et sentimentales“ ein musikalischer Zeitsprung. Doch welch breites Ausdrucksspektrum im Walzer stecken kann, zeigen diese hochstilisierten Kunstwalzer, die nicht zum Tanzen komponiert wurden. Zart verspielt bis voluminös, dramatisch bis heiter verspielt, dann Stimmungsbilder, die an Bewegungen des Wassers, an Wellenschlag, an Tröpfeln und Spritzen erinnern — alles wunderbar in den Dreivierteltakt gesetzt und noch herrlicher interpretiert. Ohne Debussy, dessen Gesamtwerk für Klavier Béroff aufgenommen hat, darf sein Konzert nicht ausklingen. Sein Abstecher auf eine „fröhliche Insel“ („L’ Isle joyeuse“) setzt ein atemberaubendes Ausrufezeichen. Um das Publikum wieder auf den Boden zurückzuholen, gibt er eine beruhigende Zugabe, klappt nach einem weiteren Dank den Klavierdeckel hinter sich zu. Schade.

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