Konzert im Krefelder Seidenweberhaus: Hochgenuss an zwei Pianos

MUSIK : Hochgenuss mit zwei Flügeln

Bei ihrem Konzert im Seidenweberhaus wurden die Bayer-Symphoniker von zwei jungen Pianisten unterstützt.

Es ist schon außerordentlich. Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Schwester Fanny musizierten das Konzert, das Felix im Alter von 15 Jahren komponierte, anlässlich eines der Sonntagskonzerte, die im Hause Mendelssohn stattfanden. Zunächst waren diese Konzerte im Gartensaal des Hauses als Übungsmöglichkeiten für den begabten Sohn gedacht gewesen.

Dann, als Felix Mendelssohn als Musikdirektor des Gewandhauses in Leipzig wirkte, gestaltete Fanny die Konzerte. Über welch eine Meisterschaft die Geschwister am Klavier verfügten, zeigt dieses Konzert für zwei Klaviere und Orchester As-Dur, MWV O 6, das am Sonntag im Konzert der Bayer-Symphoniker im Seidenweberhaus erklang.

Es ist ein gemeinsames Atmen notwendig, um die sich ergänzenden Passagen ineinander übergehend zu spielen, es ist eine erhebliche Virtuosität verlangt, die auch beide Pianisten miteinander teilen müssen. Dem Orchester fällt die Aufgabe zu, die beiden Solopartien zu begleiten, durchaus auch zu unterstützen in den unterschiedlich differenzierten Passagen des Werkes.

Und das Orchester hatte zwei junge Pianisten eingeladen, dieses Konzert zu musizieren. Der aus Japan stammende Tomoki Kitamura hat bereits eine Menge Preise gewonnen, studiert an der Musikhochschule Frankfurt und ließ eine beachtenswerte Sensibilität in der Interpretation seines Partes hören. Glasklar klangen die virtuos perlenden Läufe, sensibel empfunden waren die Pianissimo-Passagen des zweiten Satzes.

Einfühlsam und dem Konzertpartner zuhörend gestaltete der aus Moskau stammende Dimitry Ablogin, der ebenfalls sein Studium in Frankfurt absolvierte, die Partie des anderen Klaviers. Auch er verfügte über diese pianistische Virtuosität und Vielschichtigkeit des Anschlags. Das Zusammenspiel der beiden begabten jungen Pianisten mit dem Orchester war musikantisch und spannend. Der Beifall des Publikums brachte die beiden Pianisten dazu, einen Mozart-Satz als Zugabe zu geben.

Die Bayer Symphoniker wurden geleitet von Thomas Schlerka, der das Liebhaberorchester mit Intensität und präzisen Angaben führte. Die Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88 von Antonin Dvorak verlangte vom Orchester wie vom Dirigenten eine ausgesprochen differenzierte Gestaltung. Langsam begann der erste Satz der Symphonie mit einem volkstümlichen Thema, das Dvorak gewiss seiner Heimat abgelauscht hat. Die Holzbläser hatten hier einen wesentlichen, solistischen Part, gefolgt von den Blechbläsern, die massive Klangschwerpunkte setzten. Dvorak spielt mit den unterschiedlichen Themen, die zum Teil liedhaft und auch tänzerisch konzipiert sind, sie wandeln sich, sind aber immer wieder erkennbar.

Das Orchester musizierte engagiert und kostete die unterschiedlichen Klangwelten der Komposition, die in leisen Liedformen ebenso intensiv ist wie in den massiven Forte-Themen,  voll aus. Dvoraks Symphonie klingt nach. Vom Publikum gab es herzlichen Beifall und Zugaberufe.