Komödien-Premiere: Wer ist denn nun verrückt?

Komödien-Premiere: Wer ist denn nun verrückt?

Mit dem Schwank „Pension Schöller“ kommt am Samstag ein Komödien-Klassiker in Krefeld auf die Bühne. Vorher ist Theaterbasar.

Krefeld. Am Ende eines ganzen Theatertages steht am Samstag auf der Bühne des Stadttheaters eine Premiere an: „Pension Schöller“ von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby. Die Fastnachtsposse erschien 1890 in Mainz und wurde noch im selben Jahr in Berlin uraufgeführt. Seitdem ist das Stück unzählige Male auf deutschen Bühnen präsentiert worden, es wurde auch mehrfach verfilmt.

Hauptperson des Schwanks ist der vermögende Gutsbesitzer Klapproth. Zwei Dinge treiben ihn um: Er möchte am heimischen Stammtisch in Kyritz an der Knatter den Apotheker ausstechen. Und er möchte in einem neuen Marktsegment reüssieren und eine Irrenanstalt eröffnen.

Also macht er sich auf in die Hauptstadt Berlin. Dort trifft er seinen Neffen, der ihm die Besichtigung einer Nervenklinik ermöglichen soll. Der Neffe jedoch kennt keine solche Einrichtung und gibt deshalb vor, dass die Gäste der „Pension Schöller“ verrückt seien.

„Hier beginnt das Drama“, sagt Regisseur Michael Gruner, der zum ersten Mal in Krefeld inszeniert. Für ihn gehört der Schwank in eine Reihe mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ und „Mein Freund Harvey“: „Das ist eine der ganz großen Komödien“, sagt er. Und weiß auch: „Komödie ist nicht so einfach. Wenn die Leute nicht lachen, hast du was falsch gemacht.“

Stoff zum Lachen gibt es genug. Klapproth hält die Leute für verrückt, dabei sind sie bloß exzentrisch wie der Großwildjäger oder der Major a.D., der alle Leute zum Duell fordert. Die große Frage bei diesem Stück ist nämlich: „Was ist erlaubt, was ist Normalität — wer ist denn nun der Verrückte?“, sagt Gruner. Doch im Kern des Lustspiels geht es um etwas anderes. „Die Menschen haben ein großes Geltungsbedürfnis, sie wollen immer gesehen werden“, sagt Gruner. Wie das Personal der „Pension Schöller“ sich aufführt, kann am Samstag in Augenschein genommen werden.

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