Kolumne Das vierte Sinfoniekonzert

Kolumne Das vierte Sinfoniekonzert

Kolumne Das vierte Sinfoniekonzert

Zarathustra, der Prophet, steigt bei Friedrich Nietzsche vom Berg herab, um den Menschen in ihren Niederungen des irdischen Daseins zu erzählen, dass es etwas Höheres gibt, nach dem man streben sollte. Richard Strauss hat mit nur drei Tönen ein musikalisches Motiv erschaffen, das diese Idee höchst wirkungsvoll verkörpert. Mindestens seit Stanley Kubricks „2001: A Space Odyssey“ sind die ersten Klänge von Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ aus unserem kollektiven Gedächtnis nicht mehr wegzudenken. Wie ein Sonnenaufgang verströmen sie Archaik, Naturgewalt, transzendentale Größe.

In den folgenden Teilen spannt Strauss lange Melodiebögen, die die lyrischen Stellen und die Walzerseligkeit aus dem „Rosenkavalier“ vorwegnehmen. Das strausssche Orchester ist mit Orgel, sechs Hörnern und einer zweiten Tuba größer als je zuvor. Aber der Komponist nutzt das nicht nur zur Klangballung und für Effekte, sondern auch für ausdifferenzierte und geteilte Streicherstimmen und zu einer delikaten, teils impressionistischen Behandlung der Holzbläser. Auch ein anderes Werk im 4. Sinfoniekonzert der Niederrheinischen Sinfoniker hat seinen Ursprung in der Lektüre der Philosophen gefunden. Leonard Bernstein, dessen 100. Geburtstag wir dieses Jahr feiern, wurde von Platos Werk „Das Gastmahl“ inspiriert, ein Hohelied für die Liebe zu schreiben. In seiner „Serenade für Violine und Orchester“ werden sieben verschiedene Ansichten der Tischredner zum göttlichen und irdischen Leben höchst virtuos in Töne gegossen.

Ich bin sehr erfreut, dass wir die finnische Ausnahmegeigerin Elina Vähäla wieder einladen konnten, dieses facettenreiche Werk mit uns aufzuführen. Erst im letzten Jahr durften wir ihr Können in John Coriglianos Violinkonzert „The red violin“ bewundern. Abgerundet wird das Programm von Aristophanes’ satirischem Blick auf die Athener Justiz. In der Ouvertüre „The Wasps“ (die Wespen), komponiert vom fantasievollen englischen Tonsetzer Ralph Vaughan Williams, kann man eindeutig die lästigen Insekten von den anderen Blutsaugern auseinanderhalten.

“ Heute und Dienstag, 27. Februar, jeweils 20 Uhr, Seidenweberhaus, Einführung jeweils 19.15 Uhr.

Mehr von Westdeutsche Zeitung