Klavierabend Klavierspiel, das etwas zu erzählen hat

Krefeld · Marcel Tadokoro begeistert beim letzten Kawai-Konzert dieses Jahres mit hoher Qualität

Pianist Marcel Tadokoro gastierte beim letzten Kawai-Konzert des Jahres.

Pianist Marcel Tadokoro gastierte beim letzten Kawai-Konzert des Jahres.

Foto: Shigeto Imura/Kawai

Marcel Tadokoro, geboren in Japan, seine Mutter ist Französin, sein Vater Japaner, begann im Alter von acht Jahren mit dem Klavierspiel. Studiert hat er dann in Frankreich, zunächst am „Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris“, später an der „Ecole Normale de Musique de Paris“, wo er als hochbegabter Pianist aus der Talentschmiede von Rena Shereshevskaya hervorgegangen ist. Als Preisträger mehrerer Klavierwettbewerbe wie dem ersten Preis beim „Aachener Clavicologne“ hat er es bis ins Finale für den „Internationalen Wettbewerb von Montreal“ geschafft und tourt inzwischen als Solist durch Frankreich, Italien, Belgien, Russland, Spanien und Japan.

Die Talente-Scouts von Kawai haben ihn entdeckt und zum letzten Kawai Klavierabend dieses Jahres in den Mönckemeyer Saal der Musikschule eingeladen. Einen  abwechslungsreichen Klavierabend mit Werken aus Barock (Suite G-Dur von Rameau), Romantik (eine Klaviersuite mit Stücken der Ballettmusik „Der Nussknacker Op. 71“ von Tschaikowsky, arrangiert von Mikhail Pletnev), Impressionismus (mit Ravels „Valses nobles et sentimentales“) und Expressionismus (drei Sätze aus „Petruschka“ von Strawinsky) präsentierte Tadokoro auf dem klangvollen SK-7 Modell Shigeru Flügel von Kawai.

Die Auswahl der Stücke verfolgte eine formal-stilistische Linie, alle Werke hatten durchweg eine Suiten-Form. Die  acht Stücke der G-Dur-Suite von Jean Philippe Rameau zeigten auf, welch brillante Pianisten-Schule Tadokoro durchlaufen hat: sehr präziser Anschlag, achtsame Artikulation, flinke Geläufigkeit, mal in spielerischer Leichtigkeit, dann in brillanter Virtuosität. Jeder Satz hatte seinen eigenen Charme, nichts wirkte aufgesetzt, man hatte das Gefühl, sein Spiel will dem Zuhörer etwas erzählen.

Den gleichen Erzähl-Charakter verfolgte er auch bei den sieben ausgewählten Stücken der Nussknacker-Suite. Raffiniert arrangiert von Mikhail Pletnev hatte man das Gefühl, diese Musik sei original für Klavier geschrieben. Ein schwungvoller Marsch, ein anmutiger Tanz der Zuckerfee, eine virtuos-zupackende Tarantella, ein begeistert dargestellter russischer Tanz und dazwischen ein wunderschön „gesungenes“ Intermezzo, am Ende gelang dem Pianisten mit „Andante maestoso“ ein romantisch-schwärmerischer Schluss.

Mit Ravels „Valses nobles et sentimentales“ wurde das malerische Element hervorgehoben. Tadokoro gelangen dezent leuchtende Klangfacetten, manchmal war zwar vom Walzer nicht mehr viel zu hören, sein Spiel wirkte eher nachdenklich oder melancholisch, aber das klangfarbliche, impressionistische Erlebnis blieb bestehen.

Ohne Unterbrechung ging der spannungsgeladene Schluss in Strawinskys „Petruschka“ über: Musikalischer Expressionismus als Gegenentwurf zu Ravels zarten impressionistischen Klängen. Die „Emanzipation der Dissonanzen“ war für Strawinsky richtungweisend, wohl dissonant, aber nicht alles klingt bei ihm laut, robust oder gar falsch. Es ist die Unmittelbarkeit der realen Wahrnehmung, die ihn bewegt, etwas klanglich zu skizzieren.

So wird im dritten Satz der „Fastnachtsdienstag“ zu einem karnevalistischen Volksfest, vom Pianisten technisch virtuos und engagiert dargestellt. Allerdings vermisste man den Spaß und die exzessive Freude des Karnevals. Tadokoro müsste sich mal vom rheinischen Karneval inspirieren lassen. Dennoch gelang ihm ein furioses, spieltechnisch brillantes Finale.

Es gab viel Applaus und zwei  unterhaltsame Zugaben: „En avril  à Paris“ von Trenet/Weissenberg und „Boite à musique“ von Pierre Sancan.

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