1. NRW
  2. Krefeld
  3. Kultur

Klavierabend: Ein zeitgenössischer Satie

Klavierabend: Ein zeitgenössischer Satie

Einen Klavierabend mit Werken des Schweizers Peter Streiff bot das Theater am Marienplatz — allerdings ohne Pit Therre.

Krefeld. Das hat es lange nicht gegeben: eine Vorstellung im Fischelner Theater am Marienplatz (TAM) ohne seinen Hausherrn. Am Freitag aber war es so weit, Pit Therre war erkrankt. Die Premiere mit Klavierwerken von Peter Streiff und Therre sowie Alfred Pollmann als Ausführenden konnte dennoch stattfinden. Urs Peter Schneider, der am Samstag noch ein Gastspiel im TAM gab, war — von Therre alarmiert — einen Tag früher aus Bern angereist und konnte Therres Part bei der Premiere des regulären Monatsprogramms übernehmen.

Schneider erklärte zu Beginn, er kenne Peter Streiff seit mehr als 40 Jahren und sei mit seinem Werk gut vertraut. Ein Glück also, dass er vorzeitig anreisen konnte. Werke von Streiff wurden bisher im TAM nur selten gespielt. Mit diesem auf ihn konzentrierten Abend kann man eine Entdeckung machen. Streiff ist ein Vertreter der zeitgenössischen experimentellen Musik, hebt sich aber in vielerlei Hinsicht von anderen ab.

Seine Klavierstücke sind durchdachte, vom Gestus her zurückgenommene, in der Konstruktion spannende, in den aufblitzenden Klangwelten trotz aller Reduktion aufs Wesentliche tiefe Werke. Hier begegnet einem ein zeitgenössischer Satie, der die Lust an der Parodie verloren hat, der das Vertraute ins beinahe bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Zitat abdrängt, dabei aber nicht schwer wird, sondern sich die Leichtigkeit des tastenden Erkundens behält.

Die Musik spielt mit dem Changieren zwischen überwiegend freier und gelegentlich gebundener Tonalität, spannt große Bögen — wie in einzelnen Stücken des Zyklus „Vom Magischen“ — oder bedient das Skizzenhafte wie in „Neun kleine Bässe“ oder den elf Sätzen von „Durchflossener Granit“.

Theatralik, große Geste, Pathos sucht man vergeblich, impulsiv wirkende Cluster sind Mangelware. Fein ausgewogene Stimmverteilung auf die rechte und linke Hand beziehungsweise auf zwei Pianisten wie bei „Bergung“ sind die Regel.

Die Ausführung dieses eindrucksvollen Klavierabends durch Schneider und Pollmann bei der Premiere war so präzise wie spannend. In der nächsten Woche wird Therre hoffentlich wieder übernehmen können. Der Komponist Peter Streiff plant den Besuch der nächsten Vorstellung.