Klassik: Pianist spielt zeitgenössischen Werke

Klassik: Pianist spielt zeitgenössische Werke

Alexander Gadijev präsentierte beim Kawai-Konzert Kompositionen von Luciano Berio und begeisterte das Publikum.

Am bedeutendsten Ereignis im Rahmen der Kawai-Konzerte dieses Jahres lässt Philip Potz bei seiner Begrüßung in der Musikschule keinen Zweifel: Es sind die Krefelder Internationalen Meisterkurse im April. In der 14. Ausgabe der Meisterkurse gibt es eine Änderung in der Tradition dieser Konzertreihe. „Der mit Konzerten und Unterricht vielbeschäftigte vietnamesische Dozent Dang Thai Son kommt erst am Sonntag aus Kanada und darum findet das übliche Eröffnungskonzert nicht an diesem Tag, sondern als Dozentenkonzert erst am Dienstag statt“, erklärt Potz (siehe Kasten).

Für den ersten Klavierabend des Jahres 2019 kann Potz als künstlerischer Leiter von Kawai Europa den jungen italienischen Pianisten mit russischen Wurzeln Alexander Gadijev (Jahrgang 1994) ankündigen, der 2017 schon einmal ein Kawai-Konzert gegeben hat.

Wie ein roter Faden ziehen sich die Elemente durch den Auftritt

Ein besonders interessantes Programm hat der Gast des Abends zusammengestellt. Neben dem Standardprogramm für Klavier-Solokonzerte stellt Gadijev mit Werken von Luciano Berio (1925-2003) einen zeitgenössischen Komponisten aus seiner Heimat vor. Wie ein roter Faden zieht sich die musikalische Präsentation der Elemente Wasser, Luft, Erde und Feuer (Werke aus den 1960er/80er-Jahren) durch seinen Auftritt.

Doch zunächst stimmt er das Publikum mit dem Intermezzo op. 117/2 von Johannes Brahms ein. Mit weichem Anschlag, einer guten Portion Melancholie interpretiert Gadijev einfühlsam das romantische Werk, gibt ihm feine Spannungsbögen. Seine gute Auswahl der Stücke zeigt sich im bestens die erzeugte Stimmung fortsetzenden „Wasserklavier“ von Luciano Berio. Tropfenweise kommen die ersten Töne, dann folgen wunderbare Klangbilder, die die Feinheiten fallender Wassertropfen und kleiner Rinnsale widerspiegeln. Es wird hörbar, dass sich der Komponist von Brahms und Schubert hat inspirieren lassen.

In einer perfekten Zusammenstellung folgen die Prélude op.45 und die Barcarolle in Fis-Dur op. 60 von Frédéric Chopin. Die Wellenbewegungen von Wasser und das Schaukeln eines Boots drängen sich als Assoziationen auf. Der Pianist setzt ein Kopfkino rund um das Wasser stimmungsreich in Gang.

Er entführt mit Berios „Luftklavier“, das nun unverkennbar in der zeitgenössischen Musik anzusiedeln ist, in sphärische Klänge, flirrende Luft und Wirbel. Sein fein nuanciertes Spiel, seine einfühlsamen Interpretationen sind ein Hochgenuss. Mit Bela Bartoks „Out of doors“ beweist Gadijev, dass er nicht nur feinste romantische Naturstimmungen dem Flügel entlocken kann. Sehr energisch, stark rhythmisch akzentuiert und mit kraftvollem Spiel entlockt er dem Flügel weitere, vor allem metallische Klangfarben.

Mit einem teilweise äußerst virtuosen Spiel erzählt er facetten- wie spannungsreich musikalische Geschichten voller Überraschungen, die die Phantasie beflügeln. Mit gleicher ausgezeichneter Programmauswahl und Interpretation gestaltet der Pianist den zweiten Teil seines Auftritts. Die Sonata No. 6 in A-Dur von Sergej Prokofjev wird zum fulminanten Abschluss.

Nicht nur, dass er dabei das Instrument einem Belastungstest unterzieht, es wird auch deutlich, welche körperlichen Herausforderungen ein solch engagiertes Spiel, solch ein Durchleben der Musik scheinbar mit jeder Faser des Körpers, bedeuten können. Trotzdem hat er am Ende seines Programms noch die Kraft und Muße, sich mit zwei etwas ruhigeren romantischen Zugaben für den begeisterten Applaus zu bedanken.